Süße Sucht

16.12.2011 von Rosalinde Conzelmann

Ich rauche nicht, ich habe keine Fressattacken, ich renne nicht jeden Morgen wie eine Gehetzte auf Endorphinjagd durch die Gegend, und ich trinke gerne ein gutes Glas Rotwein. Auf den ersten Blick alles stinknormal und unauffällig. Denkste. Denn in der Adventszeit entwickle ich ein Suchtverhalten, das bedenkliche Züge annimmt: Ich komme an keiner Breedle-Dose vorbei. Gefährlich werden wir allerdings nur selbst gemachte Leckereien, die genau so gut schmecken wie sie aussehen. Eingetütete Massenware lässt mich kalt. Glücklicherweise ist meine Schwiegermutter eine ausgezeichnete „Breedlebäckerin“ und wir werden gut versorgt. Ich habe schon alle Tricks versucht, verstecke die Dose im hintersten Schrankeck oder lege mir nur ein oder zwei Zimtsterne oder Vanillekipferl raus – es geht nicht. Es ist wie bei einer Biene, die vom Honig angelockt wird. Eingemummelt in die Kuscheldecke, macht es mir gar nichts aus, nochmals aufzustehen, um Nachschub zu holen. Selbst wenn die Dose im Keller steht. Wenn der Sprudel leer ist, überlege ich mir diesen Schritt dreimal! Sogar der nächtliche Gang auf die Toilette ist in der Adventszeit schöner, denn ich belohne mich danach mit einem Betthupferl. Gott sei Dank ist meine süße Sucht auf die Weihnachtszeit beschränkt und verrückterweise macht mich nach Dreikönig kein Plätzchen mehr an. Doch kein Fall für den Suchtexperten?

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