Noch mehr Spionage?

Neues vom in Balingen verhafteten Agenten

Balingen, 12.12.2011

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Hat das russische Agentenpaar, dessen männlicher Teil vor wenigen Wochen in Balingen festgenommen worden war, weit mehr ausspioniert als ausschließlich deutsche Wirtschaftsunternehmen?

Sondereinsatzkommando GSG 9, dazu angebliche Kontakte zur weltweit bekannt gewordenen russischen Spionin Anna Chapman: Die Schlagzeilen waren riesig, als ein wohl seit vielen Jahren mit falschem Pass in Deutschland lebender Agent des russischen Geheimdienstes in Balingen festgenommen worden war. Seine Frau teilte sein Schicksal – allerdings im hessischen Hanau , wo das Ehepaar ein gemeinsames Haus bewohnte. Nach Balingen gekommen war der mutmaßliche Spion erst wenige Monate vor seiner Verhaftung, nachdem er bei einem Unternehmen in Balingen-Frommern einen Job angenommen hatte.

Seit ihrer Festnahme ist es merklich ruhig geworden um die beiden, das federführende Bundeskriminalamt hüllt sich weitgehend in Schweigen. Nicht so, der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz. In seinem Hoheitsbereich lebten die Verhafteten von 2002 bis 2010. Nach Lewentz' Einschätzung hätten die Beiden möglicherweise nicht nur Wirtschaftsspionage betrieben, berichtet nun die Deutsche Presseagentur (dpa). „Ich halte es für durchaus denkbar, dass bei dieser aufwendigen und jahrzehntelangen Operation das gesamte Zielspektrum russischer Nachrichtendienste verfolgt wurde“, zitiert dpa den Mainzer Innenminister „Auch die Bereiche Politik und Militär können meiner Ansicht nach als Ausspähungsziele nicht ausgeschlossen werden“, so Lewentz weiter. Ihre Arbeit hätte das russische Paar wohl schon zu Zeiten des Kalten Kriegs aufgenommen. Seinerzeit angeworben vom russischen Geheimdienst KGB und nach dem Fall der Sowjetunion übernommen von der Nachfolgeorganisation, dem heutigen Auslandsnachrichtendienst SWR.

Lewentz betonte aber auch, dass noch keine abschließenden Aussagen über die Aktivitäten der beiden mutmaßlichen Spione möglich seien. Da der Ehemann als Ingenieur in der Automobilbranche gearbeitet habe, liege Wirtschaftsspionage besonders nahe. Nähere Informationen „erhoffen wir uns durch die Vernehmungen der Beschuldigten und die abschließende Auswertung des sichergestellten Beweismaterials“, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister.

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