3,5 Pfarrstellen fallen weg
Kirchenbezirk Balingen muss Sparvorgaben des Oberkirchenrats umsetzen
Zollernalbkreis, 08.12.2011 von Klaus Irion
Der demografische Wandel in unserer Gesellschaft macht auch vor der evangelischen Kirche in Württemberg nicht halt. Der prognostizierte Bevölkerungsrückgang bedeutet auch einen Rückgang an Kirchenmitgliedern und an Pfarrern. Hinzu kommt, dass die Zahl der Kirchenaustritte in der jüngeren Vergangenheit zugenommen hat. Wen wundert es da, dass der Oberkirchenrat seinen 52 Kirchenbezirken einen (personellen) Sparkurs verordnet. Um die 100 der rund 1800 Pfarrstellen sollen in ganz Württemberg bis ins Jahr 2018 wegfallen.
Besonders hart treffen die Sparmaßnahmen den Kirchenbezirk Balingen. „Wir liegen mit 3,5 Stellen, die wegfallen sollen, an zweiter Stelle hinter dem Kirchenbezirk Böblingen“, sagt Balingens Dekan Martin Seitz. Im hiesigen Kirchenbezirk mache sich der Bevölkerungsrückgang auf der Alb besonders bemerkbar. Hinzu kommt, dass das Dekanat Balingen einen Zuschnitt hat, der auch die überwiegend katholischen Regionen Sigmaringen und Ostrach umfasst.
„Landkreisscharfe Bezirksgrenzen“ war eines der Zauberworte der vergangenen Monate. Der Vorschlag, der unter anderem auch von Dekan Seitz präferiert wurde, sah vor, die kirchlichen Dekanate an die weltlichen Landkreisgrenzen anzugleichen. „Wir wären dabei unter den Gewinnern gewesen“, so Seitz. Schließlich wäre der „Verlust“ katholischer Lande mit dem Hinzukommen historisch-protestantischer Gemeinden auf dem Kleinen Heuberg einhergegangen. Bis zum heutigen Tag gehören von der Gesamtgemeinde Rosenfeld lediglich die Teilorte Täbingen und – seit wenigen Jahren – Isingen zum Dekanat Balingen. Rosenfeld selbst und seine weitere Teilorte werden von Sulz aus betreut. Und das wird auch in den kommenden zehn Jahren so bleiben. Denn der Widerstand von Kirchenbezirken wie Sulz, der aufgelöst worden und in den Bezirken Rottweil, Freudenstadt Tübingen und Balingen aufgegangen wäre, war wohl zu groß. Seitz: „Der Oberkirchenrat hat die Diskussion um die kreisscharfen Bezirke um eine Dekade verschoben.“
Ein Unterausschuss des Kirchenbezirksausschusses hat seine arbeit aufgenommen und wird bis zur Frühjahrs-Bezirkssynode einen Einsparvorschlag fürs Dekanat Balingen unterbreiten. Eine Vorentscheidung soll auf der Sommersynode, die Verabschiedung des Pfarrstellen-Fahrplans auf der Herbstsynode 2012 erfolgen. Schon geht die Sorge bei kleinen Kirchengemeinden mit unter 1000 Gemeindemitgliedern um, ihre bisher selbstständige Gemeinde könnte wegfallen oder zur Fusion mit einer benachbarten Gemeinde gezwungen sein.
Beispielsweise die Kirchengemeinde Balingen-Heselwangen mit ihren 726 Gemeindemitgliedern. „Dass wir bei den derzeit unterschiedlichen Denkmodellen eine Rolle spielen, ist eindeutig“, sagt Heselwangens Pfarrer Christof Seisser. Er selbst bekleidet eine 100-Prozent-Stelle, wovon jedoch 25 Prozent für die Krankenhausseelsorge eingerechnet ist. Einen Bestandsschutz kann und will Dekan Seitz derzeit niemandem geben. Es könne seiner Meinung nach aber auch nicht sein, „dass wir den Weg des geringsten Widerstands gehen“. Schließlich sein gerade in zahlenmäßig kleinen Kirchengemeinden die Gemeindearbeit oft besonders intensiv. „Diese Strukturen dürfen wir nicht einfach so zerschlagen.“
Ganz andere Sorgen dürften in den kommenden Jahren die „großen“ Gemeinden in Balingen, Albstadt und Hechingen umtreiben. Zum Sparpaket des Oberkirchenrats gehört nämlich auch eine Revision der vorhandenen kircheneigenen Gebäude. In Ebingen wird seit geraumer Zeit bereits diskutiert, welche beiden der fünf evangelischen Kirchen über kurz oder lang aufgegeben werden (wir berichteten). Aller Voraussicht nach wird es aber im Kirchenbezirk nicht bei zwei eingesparten Gotteshäusern bleiben.
938 Päckchen der Freude und der Liebe
Seit Anfang Dezember sind die Schuhkartons der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ unterwegs zu bedürftigen Kindern in Ländern Osteuropas. Dort werden die Päckchen von ehrenamtlichen Mitarbeitern vor Ort und Mitarbeitern der Organisation „Geschenke-der-Hoffnung“ verteilt. Wie die Sammelstellen aus Albstadt, Meßstetten und Umgebung mitteilen, wurden 983 Schuhkartonpäckchen auf die Reise geschickt. Die Sammelstellen freuen sich über gute Resonanz. Ohne ehrenamtliche Helfer und Päckchenpacker wäre die Aktion nicht möglich, genauso wenig wie ohne Schulklassen, Kindergärten und Sponsoren.
?Mit dieser Aktion werde ein Zeichen der Liebe gesetzt. Die Kinder in ihrem Elend und ihrer Not sollen erfahren, dass es Menschen gibt, die sie nicht vergessen haben. „Es ist meist das einzige Geschenk, das die Kinder bekommen“, heißt es in der Pressemitteilung. Weihnachten ist das Fest der Liebe, diese Liebe solle sichtbar werden – auch durch einen liebevoll gepackten Schuhkarton. Die Verteileraktion kann im Internet unter www.geschenke-der-hoffnung.org verfolgt werden.
