Benzinger Boliden – ganz scharf und wild
„Lumma Design“ feiert sein 25-jähriges Bestehen – Weltweit agierendes Tuning-Unternehmen
Winterlingen-Benzingen, 03.12.2011 von Ralph Conzelmann
„1986 war's“, erzählt Horst Lumma, „da habe ich in einer Doppelgarage mit einem Reifenhandel begonnen.“ Das Geschäft lief ordentlich, bereits ein Jahr später zog der Kfz-Meister um, hatte nun drei Mitarbeiter und eine eigene Werkstatt in der Winterlinger Zeppelinstraße. Dass sich irgendwann ein weltweit renommierter Auto-Tuner mit Sitz in Benzingen daraus entwickeln würde, ahnte freilich niemand.
Nun feiert der Betrieb sein 25-jähriges Bestehen.
Reifen, Felgen, Reparaturen – das war das eine. Doch schon früh offenbarte Horst Lumma sein Faible für Umbauten. Der Winterlinger, Jahrgang 1959, wagte sich an Importfahrzeuge, etwa den aus Amerika verschifften Opel GT. Dann krempelte er die 02-Reihe von BMW zum Cabrio um. Ohne Überrollbügel wohlgemerkt.
Vor elf Jahren baute Lumma, der heute auf den großen Autobühnen in Genf, Tokyo, Dubai oder Moskau ausstellt, eine großzügig dimensionierte Werkstatt mit Karosseriebau in Benzingen. Fortan waren fünf Mitarbeiter für ihn tätig, wagten sich nun an die damals populäre Nachrüstung von Katalysatoren, an die Innenraumveredlung und ans Motortuning. Auf internationalen Messen wurde die Popularität sukzessive gesteigert.
„Der internationale Durchbruch gelang 1993“, erinnert sich Lumma. Der Auslöser: Für einen Japaner machte er aus einem gewöhnlichen Mercedes 600 ein Cabrio. Das Ergebnis verblüffte und sorgte für viel Aufsehen. Spätestens ab 1996, als sich Lumma Design an Porsche herangetastet hatte, war der Betrieb ein Begriff in der Tuningszene.
Mittlerweile werden in Benzingen ausschließlich Porsches, zumeist der Cayenne, und BMWs umgebaut. Während die Kunden überwiegend aus dem Ausland und davon zum Großteil aus Osteuropa, Amerika oder aus der Arabischen Welt stammen, setzt Horst Lumma bei den Zuliefern durch die Bank auf deutsche Unternehmen. Lumma entwickelt und designt die An- und Umbauten selbst, seine Partnerfirmen stellen die Teile laut Plan her. Anschließend wird alles in Benzingen zusammengeklebt, -geschraubt und -genietet.
Etwa zehn Edelkarossen baut Horst Lumma mit seinem nun zehnköpfigen Team jedes Jahr um. Kostenpunkt pro Fahrzeug? „Etwas mehr als der Anschaffungspreis“, klärt der Firmenchef auf.
Erlaubt sei, was gefalle. Während der gemeine Schwabe allenfalls eine dezente Veredlung wünsche, verlange manch' Ausländer nach Extravagantem. Der Cayenne etwa, der derzeit in der Lumma'schen Ausstellungshalle auf seinen Besitzer wartet, ist knallorange und hat drei schwarze, in Dreiecksform angeordnete Auspuffendrohre.
Ob er selbst damit rumfahren würde? „Auf der Alb eher nicht“, gibt Horst Lumma zu. Damals, vor der Doppelgarage, hätte er die Chance bestimmt ergriffen.
