Exquisites aus der Nische

Rudolf Loder produziert mit alten Maschinen Retro-Mode für Promis

Exquisites aus der Nische

Albstadt-Tailfingen, 29.11.2011 von Dagmar Stuhrmann

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Brad Pitt trägt sie: Shirts der Marke „Merz b. Schwanen“ sind Kult. In Modemagazinen wird das Label zusammen mit Rolex und Co. angepriesen. Was kaum einer weiß: Die Hemden kommen aus Albstadt.

Rudolf Loder, Chef der Firma „Gota“, produziert mit seiner kleinen, aber umso engagierteren Mannschaft den Stoff für die Teile, die Retro-Fans zum Schwärmen bringen, auf historischen Textilmaschinen nach Entwürfen namhafter Designer. Auch die Muster entstehen in der Pfeffinger Straße 49. Genäht wird in zwei Lohnnähereien in der näheren Umgebung, mit denen der 48-Jährige zusammenarbeitet. Einer seiner größten Kunden ist „Manufactum“: In den Läden der exklusiven Nostalgie-Profis mit dem Slogan „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ liegen die „Merz b. Schwanen“-Hemden gleich neben edlen Füllfederhaltern aus vergangenen Zeiten und hochwertigen Wärmflaschen von anno dazumal.

Die Nachfrage steigt. Inmitten des „Billigwahns“ wächst bei vielen das Bedürfnis nach dem Ursprünglichen und „Echten“. „Wir machen Hemden wie vor hundert Jahren,“ sagt Rudolf Loder. Wie es dazu kam, ist eine spannende Geschichte: Er sei, räumt er ein, wohl „schon immer so etwas wie ein Textilmaschinenfreak gewesen“. „Die alten Maschinen liegen mir am Herzen,“ sagt der gebürtige Saulgauer. Und so konnte er das Angebot, den historischen Maschinenpark der Firma Gonser (daher „Gota“), die den Betrieb eingestellt hatte, samt Gebäude zu übernehmen, vor ein paar Jahren auch nicht ausschlagen. „Die eigentliche Geschichte begann dann in einem Tante-Emma-Laden in Niederdettelsau,“ erzählt Rudolf Loder schmunzelnd. Die Inhaberin hatte immer drei, vier Hemden von „Gota“ im Sortiment. Für einen Kunden des Lädchens suchte Rudolf Loder nach Retro-Hemden und entdeckte, dass „die Firma Balthasar Merz beim Schwanen die gleichen Artikel hergestellt hatte wie wir“ – und die Lagerräume noch voll waren. Auf Umwegen entstand der Kontakt zu dem Berliner Designer Peter Plotnicki, der eine eigene Marke wollte. Die Chemie stimmte, die erste Kollektion entstand. „Das war die Geburtsstunde unseres Erfolgslabels,“ sagt Rudolf Loder.

Inzwischen hat „Gota“ expandiert. Die Zuschneiderei wurde ebenso wie Versand und Logistik ausgelagert. Stolz ist Rudolf Loder auch auf eine Auszeichnung als „Newcomer des Jahres“. Die Produkte „made in Albstadt“ werden in elf Länder geliefert, seit kurzem auch in die USA. Klasse statt Masse ist das Motto: Gut 5000 „Merz b. Schwanen“-Teile gingen in den ersten Geschäftsmonaten in den Handel, für das kommende Jahr peilt Loder mit seinen Partnern die 15 000er-Marke an. Viel mehr geht dann aber auch gar nicht, denn die Maschinen geben den Takt vor. Während moderne Strickmaschinen 600 Kilo schaffen, liefern Rudolf Loders „Oldies“ maximal sechs Kilo pro Tag. „Konkurrenz gibt es für uns nicht,“ sagt Rudolf Loder lachend, denn erstens haben seine Maschinen Seltenheitswert – und es gibt immer weniger Fachleute, die die „alten Schätzchen“ bedienen können.


Wie zu Omas Zeiten: Von der Stoffherstellung bis zur Naht – alles muss „original klassisch“ sein

Aus der Zeit gefallen: Die Hemdenproduktion wie zu Omas Zeiten erfordert von allen Beteiligten Expertenwissen. Rudolf Loder hat Spezialisten um sich geschart, die, wie er selbst, mit den historischen Maschinen noch vertraut sind. Bernhard Bosch ist einer von ihnen. Loder hat den Rentner aus dem Ruhestand zurückgeholt: Er bringt die alten Maschinen wieder auf Trab, wenn es Probleme gibt.

Moderne Nähmaschinen können nicht das, was für die Herstellung der „Merz b. Schwanen“-Hemden gefragt ist. Die Teile werden nach der Maßgabe gefertigt, dass daran alles „original klassisch“ ist. So werden die Hemden beispielsweise mittels Rohnaht gesäumt – eine Kunst, die Fingerspitzengefühl erfordert. Für Loders Musternäherin Aische ist das kein Problem: Sie hat Erfahrung im Umgang mit den Spezialmaschinen.

Find ich zwar gar nicht schlecht...

... bin aber leider nicht Brad Pitt oder jemand in der Verdienstliga.

Für ein "gewöhnliches" Unterhemd 100€ und 125€ für eine lange Unterhose, muss der Wunsch nach alten Traditionen schon sehr stark sein, vor allem muss das auch der Geldbeutel aushalten.

In diesem Kontext das Wort "Billigwahn" als Auslöser für den Erfolg zu werten ist schon durchaus komplett daneben.

"Größenwahn" , "Label-Profilierungsgehabe" und "Verschwendungssucht" der Zielgruppe, gehört wohl eher zu den Attributen, welche jemanden zum Kauf der Produkte animiert.

Qalitativ hochwertigere Produkte sind auf dem Stand der Zeit, nicht aus dem vorigen Jahrhundert; also scheidet das Vermarktungsmerkmal "Qualität" aus.

Nichtsdestrotrotz wünsche ich der Firma recht viel Erfolg mit ihren Produkten und alles Gute für die Zukunft, obwohl ich mich persönlich NIEMALS zum Kundenkreis zählen werde (n kann). Jedenfalls weiter so, so lange es geht.

Im Übrigen ist dieses gebetsmühlenartige Runterleiern von guten, alten Zeiten nicht mehr auszuhalten. Was war denn so gut an den alten Zeiten? M.E. existieren diese nicht. Die heutigen, guten Zeiten machen es doch überhaupt möglich sich diese Produkte zu kaufen.

Gruß Tim
Tim Mahler am 29.11.2011 15:36:30
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