„Die Vorteile liegen klar auf der Hand“

Zollernalbkreis, 16.11.2011

„Die Vorteile liegen klar auf der Hand“

Vier Kreistagsfraktionen sind einer Meinung: Region braucht Stuttgart 21

Über Parteigrenzen hinweg setzen sich die Kreistagsfraktionen von CDU, Freien Wählern, SPD und FDP für das Bahnprojekt Stuttgart 21 ein. Der Appell ist eindeutig: Die Bürger sollen zur Wahl gehen.

In der gemeinsamen Resolution der vier Fraktionen heißt es wörtlich: „Bei der Volksabstimmung am 27. November 2011 stimmen Bürgerinnen und Bürgern darüber ab, ob das Land Baden-Württemberg die Projektfinanzierungsverträge zu Stuttgart 21 einseitig kündigen und damit aus der Mitfinanzierung des Bahnprojektes Stuttgart 21 aussteigen soll.

Ein Ausstieg des Landes hätte weitreichende negative Folgen für die künftige Ausgestaltung und Weiterentwicklung der Schieneninfrastruktur in Baden-Württemberg. Interessen und Projekte des Zollernalbkreises sind mehrfach berührt.

Wir rufen die wahlberechtigte Bevölkerung auf, bei der Volksabstimmung am 27. November von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Wer das Zukunftsprojekt Stuttgart 21 realisiert wissen will, muss am 27. November auf dem Stimmzettel mit „Nein“ gegen das Kündigungsgesetz und damit gegen den Ausstieg des Landes aus der Mitfinanzierung von Stuttgart 21 stimmen.

Die Vorteile der Realisierung des Bahnprojektes Stuttgart 21 liegen klar auf der Hand:

Stuttgart 21 ist die zentrale Grundlage für die Zukunft des Schienenverkehrs in ganz Baden-Württemberg. Mit dem neuen Bahnknoten wird der Regional- und Fernverkehr mehr Fahrten bekommen, kürzere Fahrtzeiten, mehr Direktverbindungen und eine größere Zuverlässigkeit. Die Regionen des Landes werden direkt und umsteigefrei verknüpft. Der Nah- und Fernverkehr wird besser verzahnt.

Mit dem neuen Bahnhof Flughafen/Messe bekommt der Zollernalbkreis eine attraktive Verbindung an Flughafen und Landesmesse.

Mit dem Bahnprojekt Stuttgart 21 wird die betrieblich und verkehrlich sehr wichtige Elektrifizierung der Zollernbahn dringlich notwendig und befördert.

Die Europäische Metropolregion Stuttgart und damit die gesamte Region Neckar-Alb werden national wie international erheblich besser als bisher vernetzt.

Die Verwirklichung des Bahnprojektes Stuttgart 21 wird landesweit und in unserer strukturgeschwächten Region zu besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führen – einschließlich des Erhaltes und der Sicherung qualifizierter Arbeitsplätze.

Ein Ausstieg der Landesregierung aus der Mitfinanzierung dieses Projektes hätte (nach Berechnungen der von der Schlichtung Dr. Geißlers vergangenen Herbst beauftragten Wirtschaftsprüfergesellschaften) Schadenersatzleistungen in Höhe von eins bis 1,5 Milliarden Euro zur Folge. Aus Steuermitteln! Ohne eine mittelfristig umsetzbare Alternativplanung für Stuttgart 21 und der geplanten Neubaustrecke Stuttgart–Ulm zu haben, geschweige denn eine Finanzierung vorweisen zu können.

Denn die für das Bahnprojekt Stuttgart 21 derzeit bei Bund und Bahn zugesicherten ca. drei Milliarden Euro würden bei einem Ausstieg des Landes nicht mehr nach Baden-Württemberg fließen. Baden-Württemberg stünde bezüglich der für unser Wirtschaftsland so notwendigen Fortentwicklung der Schienenverkehrs-Infrastruktur auf viele Jahre mit leeren Händen da. Dies kann und darf nicht geschehen.

Die Fraktionen CDU, Freie Wählervereinigung, SPD und FDP bitten deshalb die Bürgerinnen und Bürger, bei der Volksabstimmung am 27. November 2011 mit „Nein“ gegen das Kündigungsgesetz zu stimmen und damit den Ausstieg des Landes aus der Projektfinanzierung des Bahnprojektes Stuttgart 21 zu verhindern.“

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Stuttgart 21.

Kommentare unserer Leser


Stuttgart21

Hamburg, Frankfurt, München, Leibzig haben einen Kopfbahnhof und diesen Städten/Regionen (Ausnahme Hamburg) geht es trotz Kopfbahnhof wirtschaftlich sehr gut. Warum müssen wir dann unbedingt "S21" bauen?
Die Elektrifizierung der Zollernbahn ist ein Traum, wie lange wird schon an der 4-spurigen B27 gebaut, die uns beim Bau der nordlich liegenden A81 versprochen wurde!
von Karl-Heinz Seeger am 20.11.2011 14:30:24

Zu spaet aufgewacht

Leider sind eine ganze Reihe Leute der politischen Mitte zu spaet aufgewacht. Dieser Tsunami gegen S21 ist schon lange unterwags. Aber die politische Mitte ist leider noch nicht einmal jetzt kampfbereit. Die Landtagswahl ist verloren und es sieht nicht so aus, als ob die Mitte Ihre alte Stellung wieder bekommt. Wenn die Gruenen noch mehr Zuwachs bekommt, wird der Neue Bahnhof doch gebaut - aber fuer 100% Mehrkosten. Und die "Geliebten Buerger" werden nicht gefragt. Den angefuehrten DDR-Witz kann man dann durchaus gebrauchen.
von Josef Bujtor am 20.11.2011 10:45:49

Zukunftsprojekt S21

In diesem Zusammenhang klingt dieses Wort nach Realsatire. Wie viel Zukunft hat ein Bahnhofsprojekt inne, was nach heutiger Planung weniger leisten kann, als der jetzige Bahnhof, aber im Gegensatz zu diesem nie wieder erweiterbar ist. Er müßte 11 Gleise haben um ähnliches zu leisten wie der Bonatzbau.

Die ausgerechnete Zuganzahl wiederum kam nur zu Stande, weil man alle Störfälle heraus gerechnet hat. Bahn fahren ist heute leider allzu oft mit Störfällen begleitet.

In die enorme Ausstiegssumme hat die Bahn schlicht alle Kosten eingerechnet die sie dann in den Bonatzbau stecken müßten, weil sie den seit 20 Jahren nicht mehr gepflegt haben. Seriös ist das nicht grade.

Geldsäcke die irgendwo unabgeholt stehen bleiben gehören ins Reich der Gebrüder Grimm, bei der Staatsverschuldung schlicht unmöglich. Das Geld ist ja nicht vorhanden und wird dem Steuerzahler aus der Tasche gezogen. Das scheinen einige nicht zu merken, andere um so mehr.
von Nicole Haigis am 17.11.2011 19:58:08

"klar auf der Hand"

Als ich die Überschrift gelesen habe kam mir unweigerlich der Witz in den Sinn, der zu Zeiten des DDR-Unrechtsregimes kursierte. Er lautete folgendermaßen:
"Es ist uns gelungen beidseitig verwendbares Toilettenpapier herzustellen. Der Erfolg liegt klar auf der Hand."
Wie seltsam sich doch die Dinge ähneln. Die Genossen von damals haben auch gemeint dem Bürger ein X für ein U vorzumachen und vermeintliche Vorteile zu verkaufen, die bei näherer Betrachtung wirklich keine sind.
von Peter Seifert am 17.11.2011 17:16:44

Die Arbeitsgruppe Leistung und Bahnbetrieb, Ingenieure22 sieht es etwas anders

ich zitiere aus einem Kommentar auf einen Artikel im Schwarzwälder Boten vom 4.11.2011 in welchem die Arbeitsgruppe zu dem Schluß gelangt, dass der Zollernalbkreis zu den Verlierern von Stuttgart 21 gehören wird:

Direktverbindung für Zollernalb unersetzlich

Die Direktverbindung Stuttgart-Sigmaringen-Aulendorf ist für die Zollernalb ein unersetzlicher Schienenweg zur Landeshauptstadt. Die Unterbrechung dieser Direktverbindung durch Umsteigen bedeutet zweierlei: 1. Die Anschlußsicherheit besteht nicht. Man hätte in Zukunft ganze drei Minuten zum Umstieg in Tübingen. Wenn dieser Anschluß nicht erreicht wird, darf man mindestens 90 Minuten (nur bis Sigmaringen, sonst 120 Minuten) in Tübingen warten, wenn man nicht das Glück hat, nur bis Albstadt zu müssen. 2. Im Ergebnis werden Fahrgäste, die auf diesen Umstieg angewiesen sind, lieber einen Zug früher fahren und eine längere Wartezeit in Tübingen in Kauf nehmen, als diese 90-120 Minuten zu verlieren. Ein Vergleich der Fahrzeit von Stuttgart nach Sigmaringen: Heute: 1h55min Wenn alles klappt, mit der Neubaustrecke und Umstieg in Tübingen: 1h55min (erstaunlicherweise wird es um keine einzige Minue schneller, Quelle: Streßtest-Fahrplan der DB Netze) Wenn es nicht klappt, dann Fahrzeitaufschläge von mindestens 40-50 Minuten (bis Albstadt) bis zu 1h15 (bis Sigmaringen) und 2h ab Sigmaringen. Wenn man vorsichtshalber einen Zug früher nimmt: 2h25. Im Ergebnis führt Stuttgart 21 für die Zollernalb zu einer Verschlechterung der Anbindung nach Stuttgart. Wenn Sie in Zukunft eine sichere Verbindung nutzen wollen, die nicht das Risiko eines verpaßten Anschlusses mit den daraus resultierenden Wartezeiten in sich birgt, dann verlängert sich die Fahrzeit aus Stuttgart um eine halbe Stunde gegenüber heute. Diese Leistungseinbuße ist eine systembedingte Folge von Stuttgart 21, die sich über das gesamte Land verteilt in ähnlicher Weise auswirkt. Die erst kürzlich bekannt gewordene Studie der SMA (die Frau Gönner einmal wieder in der Schublade hatte verschwinden lassen) kommt demgemäß zum Ergebnis, daß Reisende in einer Umgebung von Stuttgart (die direkt an den sogenannten durchgebundenen Linien liegt und daher Taktverdichtungen erlebt) von Stuttgart 21 leicht mehr profitieren würden als von einem Ausbau des Kopfbahnhofes, je weiter man jedoch die Region Stuttgart verläßt, umso gravierender werden die Nachteile, mit denen diese kleinen Vorteile erkauft werden. Die Region Zollernalb gehört zweifellos zur Reihe dieser Verlierer von Stuttgart 21.
von Rüdiger Fischer am 16.11.2011 20:15:25

Die Gentlemen bitten zur Kasse

Der Zollern-Alb Kurier veröffentlicht auf seiner lokalen Titelseite eine Stellungnahme der vier Kreistags-Fraktionsvorsitzenden Merkel (CDU), Haller (SPD), Foth (FDP) und Mennig (Freie Wähler). Im Originalton dürfen die vier Köpfe der kommunalen Kreisliga darlegen, warum das Milliardenprojekt „Stuttgart 21“ so ungemein wichtig für unseren Landkreis sei. Sieht man sich die Behauptungen der ganz großen Koalition jedoch näher an, bleibt einem die Spucke weg: Stuttgart 21 sei „die zentrale Grundlage für die Zukunft des Schienenverkehrs in ganz Baden-Württemberg“, was typisches Politiker-Deutsch ist und nahezu nichts bedeutet. In Wahrheit verschlechtert sich die Zukunft des Regionalverkehrs, dringende Ausbau- und Modernisierungsvorhaben (etwa auf der Zollernbahn) können nicht mehr realisiert werden, weil kein Geld mehr dafür da ist. Auch die schwäbische Hausfrau kann nicht zaubern.
Jetzt mal Hand aufs Herz, meine Herren: Sie mögen ja gerne von einer „attraktiven Verbindung an Flughafen und Landesmesse“ fabulieren, und der eine oder andere möchte vielleicht auch mal flott nach Bratislawa fahren (-ich eher nicht-), aber wenn Sie dann noch behaupten, dass mit Stuttgart 21 die „betrieblich und verkehrlich sehr wichtige Elektrifizierung der Zollernbahn dringlich notwendig und befördert“ werde, dann hört langsam der Spaß auf. Erst Milliarden für „Stuttgart 21“ verpulvern, dann sei auch noch Geld für die Zollernbahn da? Die Behauptung, ohne Stuttgart 21 stünde das Land „auf viele Jahre mit leeren Händen da“, erst mit Stuttgart 21 gebe es eine „Fortentwicklung der Schienenverkehrs-Infrastruktur“, erinnert mich an den Lügenbaron, der auf der Kanonenkugel sitzt und über eine belagerte Stadt fliegt. Aber: Ihm ist nichts passiert: Er stieg kurzerhand auf eine in die Gegenrichtung fliegende Kugel um und flog sicher wieder zurück. Die lokalen Münchhausens sind dazu nicht in der Lage, es bleibt also nur die Hoffnung in die aufgeklärte Bevölkerung: der Gilde der Nein-Sager am 4. Dezember ein fröhliches „Ja!“ entgegenzuschmettern!
Übrigens: Bei Ansicht des Fotos der vier Fraktionsvorsitzenden fiel mir spontan eine Fernsehserie ein: „Die Gentlemen bitten zur Kasse“.


von Jochen Lange am 16.11.2011 17:38:06

Antwort auf Die Gentlemen bitten zur Kasse

Im Gegenteil zum Artikel selbst, enthält Ihr Eintrag vor allem populistische Phrasen, sachliche Argumente sind allerdings kaum vorhanden. Auch die Wortwahl im Allgemeinen wirkt wenige sachlich.
Wenn sich die Stuttgart 21 Gegner nur noch mit Populismus helfen können, haben sie ein Problem und sollten sich überlegen ob sie wirklich Sinn in ihrer Haltung sehen.
von Remo Bühler am 16.11.2011 20:23:57

Antwort auf Die Gentlemen bitten zur Kasse

Ich bitte um Entschuldigung: der Termin der Volksabstimmung ist natürlich am 27. November 2011 (nicht: 4. Dezember). Pardon!
Jochen Lange
von Jochen Lange am 16.11.2011 18:23:04

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