Kinder halten 100-Jährige jung

Lutherschule feiert Jubiläum – Rektor auf Zeitreise – Bildungsherausforderung der Zukunft

Albstadt-Tailfingen, 14.11.2011 von Torsten Pohling

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Dass Schule richtig Spaß machen kann, zeigten die Kinder und Jugendlichen anlässlich der Jubiläumsfeier „100 Jahre Lutherschule“. Rektor Wolfgang Schurr nahm das Publikum mit auf eine Zeitreise.

Ohne das Mikrofon hätte man Wolfgang Schurr tatsächlich für einen Zeitreisenden halten können. Mit Gehrock und Zylinder sowie seinem auch zu jener Zeit passenden Bart verkörperte er perfekt den Stil jener Epoche, in welcher die Tailfinger Lutherschule errichtet wurde. Seine „Reise auf dem Benz-Motorwagen“ führte ihn zurück zu den Anfängen.... Ohne Grund und Boden habe der Bau damals 113 000 Mark gekostet. Modern sei sie ausgestattet gewesen. Es habe eine Gemeinschaftsdusche gegeben, in der aller zwei bis drei Wochen – streng nach Geschlechtern getrennt natürlich – geduscht wurde. Was sich heute primitiv anhört, war damals Fortschritt, denn kaum ein Haushalt verfügte über die Möglichkeit des Duschens oder Badens. An die „gute alte Zeit“ erinnere lediglich der Preis für das Festmahl auf der Speisekarte: zwei Mark. Dafür waren mindestens 50 bis 70 Schüler in einer Klasse. Die anfänglich siebenjährige Schulpflicht wurde 1928 um ein weiteres Schuljahr erweitert. Dafür bedurfte es neuer Räumlichkeiten und so wurden zehn neue Klassenzimmer im Südteil für 195 000 Reichsmark erbaut. Seine Reise endete mit Optimismus: „Blicken wir stolz auf das Erreichte und mit Zuversicht auf das Kommende!“

Die präsentierten Bilder und Texte finden sich auch in der extra zum Jubiläum herausgegebenen Festschrift. An dieser war Konrektor Manfred Schaber maßgeblich beteiligt. Vor etwa sieben Jahren habe er mit Recherchieren begonnen. So gibt es einen Liebesbrief an „Meine liebe Lutherschule“ von Helene Spangenberg, von 1948-1983 an der Lutherschule tätig. Zum Festakt las ihn die Seniorin persönlich vor und tat damit auch ihr wahres Alter kund: „Ja, du [die Lutherschule, Anm. d. Red.] bist wirklich ganze 12 Jahre älter als ich.“

Oberbürgermeister Dr. Jürgen Gneveckow ging auf die enormen Veränderungen während der 100 Jahre ein. „Als vor elf Jahren die Ganztagsschule Einzug hielt – eine der ersten in Albstadt – wurde die Mensa zunächst in der Küche der Lutherschul-Turnhalle eingerichtet. Nun geht die über zehn Jahre dauernde Übergangszeit zu Ende. Pünktlich zum Jubiläum öffnen wir die Pforten der neugebauten Mensa.“ Er hob die Bedeutung von Hausaufgabenbetreuung und Schulsozialarbeit hervor. Und er betonte, dass hier Schüler aus „aller Herren Länder“ gelebte Integration vollziehen.

„Beim Mensch neigt sich mit 100 der Lebenszyklus dem Ende zu, bei Schulen ist das ganz anders: Sie bleiben immer jung durch die jungen Menschen“, begann die Abteilungspräsidentin des Regierungspräsidiums Dr. Susanne Pacher ihr Grußwort. Sie betonte, wie wichtig es sei, jedem Kind die gleichen Lernchancen zu bieten. Sie erörterte neue Aufgaben der Schule. Wegen veränderter Familienstrukturen muss sie den heute im Elternhaus entfallenden Erziehungsteil übernehmen. „Schule darf nicht stehen bleiben.“

Schuldekanin Ulricke Spähle ging auf die christlichen Wurzeln der Schule sowie ihres Namensgebers ein. Es sei kein Zufall, dass der Festakt am Namenstag und Tauftag Martin Luthers stattfand. „Hoffnung“ sei eines der Grundprinzipien bei der Bildung, so wusste schon der Reformator: „Alles, was je in der Welt erreicht wurde, wurde aus Hoffnung getan.“

Roland Dötzer, Elternbeiratsvorsitzender, verglich Schule mit einer fest in der Erde verwurzelten Buche. Sie wachse Jahr um Jahr, ankere fest auf steinigem Untergrund und bringe immer wieder neue Äste hervor.

Wurden die Vorträge und Grußworte immer wieder musikalisch von Sarah Föckler aufgelockert, boten die Theatergruppen der Schüler im Anschluss eine musikalische Zeitreise. Mit einem Schwarzweißfilm im Slapstickstil wurde der Bau symbolisiert. Anschließend gab es Schulunterricht in engen Holzbänken, Kontrolle der Reinlichkeit der Finger und bei Zuwiderhandlung natürlich ein paar „Tatzen“. Es gab Sportunterricht und auch „Lilly Marleen“ durfte an ihrer Laterne nicht fehlen – natürlich live gesungen. Statt Disko gab es Tanzschule mit Rock'n Roll und der Chor intonierte „let it be“. Man erfuhr, dass in den siebziger Jahren viele junge Lehrer mit langen Bärten und weiten Hosen kamen - manche davon seien heute noch da. Die Neue Deutsche Welle fand mit „Hurra, hurra die Schule brennt“ begeisterten Anklang bei den Schülern. Aber auch der „Zauberlehrling“ wurde vorgetragen, wenngleich in einer Rapversion mit Groupies am Rande der Bühne

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