Einblicke in gleich zwei Unternehmen
Lehrlings-Kooperation bei Bizerba und Mehrer
Balingen, 08.11.2011 von Klaus Irion
„Firmen fehlen 30 000 Lehrlinge“, titelte gestern „Spiegel online“ und berief sich dabei auf jüngste Zahlen der Bundesregierung. Einer steigenden Zahl von Lehrstellen, stehen zunehmend weniger Bewerber entgegen. Der Lehrlingsmangel macht auch vor dem Zollernalbkreis nicht halt, wie zahlreiche Kooperationen von Betrieben mit Schulen und Ausbildungsmessen wie die „Visionen“ verdeutlichen. „Vor einigen Jahren war die Situation noch andersherum“, sagt Andreas Kraut, Vorsitzender der Geschäftsführung bei „Bizerba“. In Sachen Ausbildung „haben auch wir den Ball ziemlich flach gehalten“. Was einerseits konjunkturelle Gründe hatte, auf der anderen Seite aber auch der ausreichenden Versorgung mit Fachkräften geschuldet war.
Heute aber ist das Wort Fachkräftemangel in aller Munde und die Unternehmen reagieren entsprechend. Rund acht Prozent der 1000-köpfigen-Belegschaft am „Bizerba“-Stammsitz in Balingen sind Auszubildende. Beim ebenfalls in Balingen ansässigen Unternehmen „Mehrer Kompressoren“ sind es gar zirka zehn Prozent der rund 100 Mitarbeiter. „Während bei uns im technischen Bereich traditionell die Mechaniker im Vordergrund stehen, sind es bei Bizerba Balingen die Elektroniker“, erklärt Firmenleiter Jörg-Peter Mehrer. Den „Mechatroniker“ hatten beide bislang nicht im Ausbildungsprogramm, obwohl beide Unternehmen mehr und mehr Bedarf in dieser beruflichen Mischform sehen.
Gestern nun präsentierten die beiden Unternehmensleiter im Beisein der Ausbilder Julia-Kathrin Vollmer und Wolfgang Konz (Bizerba) beziehungsweise Harald Stengel und Kathrin Wirth (Mehrer) den gemeinsamen Ausbildungsgang für Mechatronik.
Zwei Unternehmen, drei Auszubildende, eine gemeinsame Ausbildungszeit. „Die IHK hat sich unser Modell angesehen und sofort zugestimmt“, erklärte Vollmer. Und so stehen seit September Micha Mohr (Bizerba), Melanie Schramm und Michel Lederer (beide Mehrer) zusammen an der Werkbank des Balinger Wagenbauers. In einigen Monaten wechseln sie dann gemeinsam zum Kompressorenhersteller. „Es ist einfach gut, zwei unterschiedliche Firmen und zwei Berufe in einem kennenzulernen“, so Mohr. Seine beiden Mitstreiter pflichten ihm uneingeschränkt bei.
Bei „Mehrer“ wie bei „Bizerba“ sieht man das Modell als dauerhaft an und empfiehlt es gleich mal weiteren Unternehmen zur Nachahmung.
