Mein Freund Schlampertoni

03.11.2011 von Gudrun Stoll

Wer Antworten sucht, googelt sich heutzutage durchs Internet. Der Fundus an Wissen scheint unerschöpflich. Manchmal schickt uns der nüchterne Computer aber auf eine Odyssee. Auf die einfache Frage, wie viele Heilige es in der Katholischen Kirche gibt, erschienen im Netz 1,6 Millionen Einträge. Eine exakte Zahl blieb mir das technische Wunderding indes schuldig. So schränkte ich meine Nachforschungen ein auf den Heiligen Antonius. Nicht ahnend, dass es auch davon mehr als einen gibt.

Meine Neugier galt jenem aus Padua. Der Franziskaner aus dem 13. Jahrhundert ist mir zu einem guten Freund geworden. Dabei bin ich durch und durch evangelisch. Doch für den Ratschlag meines katholischen Kollegen, gerade diesen Heiligen um Hilfe zu bitten, bin ich ihm für alle Zeiten dankbar. Schon mehr als einmal stand mir Antonius hilfreich zur Seite. Wenn der Schlüssel fehlte, die Sonnenbrille verlegt war, wichtige Unterlagen wie vom Erdboden verschluckt schienen. Erst vor wenigen Tagen suchte ich zunächst ohne Erfolg nach einem Buch im Fundus meiner Privatbibliothek. Ich hab's gefunden. An einem Platz, an dem ich es nie und nimmer vermutet hätte. Dem Heiligen Antonius sei Dank.

Wie mir das Internet verraten hat, wird er scherzhaft auch Schlampertoni genannt. Weil er so oft hilft, verlorene Gegenstände wieder zu finden. Der Heilige aus Padua wird von Suchenden aber auch in ernster Not angerufen, ist also mehr als nur der „Leiter des himmlischen Fundbüros“. Nicht nur mir ist er in beiden Funktionen sympathisch - er gilt im katholischen Kirchenvolk weltweit als beliebtester Heiliger.

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