„Das Interesse bei den Medien scheint recht groß zu sein“

INTERVIEW MIT DIETER MAUTE

Albstadt-Ebingen, 03.11.2011

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Fünfmal war Dieter Maute vom RSV Tailfingen selbst Weltmeister im Kunstradfahren. Seit er 2003 das Amt des Bundestrainers übernommen hat, ist die Dominanz der Deutschen noch größer geworden. Bei den Weltmeisterschaften in Japan vom 4. bis 6. November möchte Maute an die Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen. Über seine Erwartungen und die Entwicklung im Kunstradsport sprach er vor dem Abflug mit dem unserem Mitarbeiter Reinhard Linder:

Was halten Sie davon, dass diese WM in Japan ausgetragen wird, fernab von den europäischen Kunstradzentren?

DIETER MAUTE: Das ist für alle eine Herausforderung. Japan ist schon lange dabei, hat aber nur im Radball wirkliche Fortschritte gemacht. Das liegt meines Erachtens an den Strukturen. Das Kunstradfahren ist eine koordinative Sportart, mit der man schon als Kind beginnen muss. In Japan gibt es aber keine Vereine, der Sport wird meistens von Unternehmen organisiert. Interessanterweise funktioniert die Nachwuchsförderung im Kunstturnen hervorragend, aber in unserem Bereich nur unzureichend. Wir pflegen aber mit den Japanern seit Jahren schon ein Jugendaustauschprogramm, das sehr gut angenommen wird – und vielleicht gibt diese WM einen weiteren Schub.

Wie schätzen Sie das Publikumsinteresse ein?

MAUTE: Ich war einmal in Japan zu einem Showauftritt vor einem großen Publikum. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Halle voll sein wird. Beim Zeitplan haben die Organisatoren Rücksicht auf die Eigenheiten der Japaner gemacht, die anscheinend keine Abendveranstaltungen mögen, und die Wettkämpfe auf den Vor- und Nachmittag gelegt. So wie ich gehört habe, scheint das Interesse bei den Medien recht groß zu sein.

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren nehmen weniger Nationen an dieser WM teil. Welche Erklärung haben Sie dafür?

MAUTE: Es gibt zwei Gründe. Athleten, die nicht zur Weltspitze gehören und sich keine Aussichten auf eine gute Platzierung ausrechnen, scheuen die hohen Kosten, die mit einer Reise nach Japan verbunden sind. Zudem herrscht eine gewisse Unsicherheit über die Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima, auch wenn immer wieder betont wird, dass der WM-Ort Kagoshima davon überhaupt nicht berührt wurde.

Ist Fukushima auch bei Ihren Athleten ein Thema?

MAUTE: Ja. Wir haben sehr viel darüber geredet. Dabei hat sich herausgestellt, dass das größte Problem das Essen ist. Wir wissen ja nicht, woher das kommt. Deshalb nehmen wir auf jeden Fall Nudeln mit, um uns auf dem Zimmer selbst etwas zubereiten zu können. Viel mehr können wir nicht tun, weil es verboten ist, frische Nahrungsmittel einzuführen.

Wie sieht das Programm vor Beginn der Wettkämpfe aus?

MAUTE: Wir werden jedes offizielle Training nutzen, um die Halle kennenzulernen, die sehr modern sein soll. Am wichtigsten ist es, sich auf den Boden einzustellen und immer wieder die Übungen zu fahren. Falls dann noch Zeit bleibt, werden wir uns um ein kleines Sightseeing-Programm kümmern.

Seit Jahren beherrschen die Deutschen die Kunstradszene. Wird Ihnen die Arbeit als Bundestrainer nicht allmählich langweilig?

MAUTE: Nein, überhaupt nicht. Meine Arbeit besteht ja nicht nur darin, bei einer Weltmeisterschaft präsent zu sein und Lehrgänge für die Kaderathleten abzuhalten. Ich habe das Glück, mit vielen jungen Leuten arbeiten zu dürfen. Ich begleite sie von den Schülern über die Junioren bis zu den Aktiven. Das ist eine sehr interessante Arbeit, die mich zutiefst befriedigt. Gleichzeitig bin ich für die Trainerausbildung zuständig. Diese ist genauso wichtig wie die direkte Arbeit mit den Sportlern. Hinzu kommt die Zuständigkeit für alle leistungsrelevanten Fragestellungen, wie zum Beispiel die Förderstrukturen oder das Wettkampfsystem. Das Amt des Bundestrainers ist also eine abwechslungsreiche und interessante Aufgabe.

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