Schock für Meßstetten

Vier Bundeswehrstandorte im Land werden geschlossen

26.10.2011

Vier Bundeswehrstandorte in Baden-Württemberg werden geschlossen: Sigmaringen, Immendingen, Mengen/Hohentengen und Hardheim. Messtetten wird auf 20 Mann zusammengestrichen.

Messstetten /Stetten a.k.M. Die Entscheidung ist gefallen: Vier Bundeswehrstandorte in Baden-Württemberg werden komplett geschlossen. Dies sind die Kasernen in Sigmaringen, Immendingen, Mengen/Hohentengen und Hardheim. Die Kasernen in Ellwangen und Meßstetten werden „signifikant verkleinert“.

Meßstetten beispielsweise wird von einer Größe von 840 auf 20 Mann verkleinert. Meßstettens Bürgermeister Lothar Mennig spricht von einem „Schock“ und „katastrophalen Folgen“ für die Gemeinde. Einzig Gregor Hipp, der Bürgermeister von Stetten a.k.M., hat Grund zur Freude: der Standort erhält Verstärkung aus Immendingen.

Dort werden zukünftig dann 2.330 statt 1.640 Soldaten stationiert sein. „Damit“, freut sich Stettens Bürgermeister Gregor Hipp, „sind wir der kopfstärkste Standort Baden-Württembergs. Eine gute Entscheidung für den Heuberg.“

Zollernalb-Politiker haben versagt

Der Beschluss des Bundesverteidigungsministers, den Bundeswehr-Standort Meßstetten stark zu verringern, ist zu begrüssen. Ein Schritt in die richtige Richtung eines künftig militärfreien Zollernalbkreises.
Die Verringerung des Standortes Meßstetten muss endlich auch für die verantwortlichen Lokalpolitiker und den Landrat Anlass sein, sich um Alternativen zur Bundeswehr-Stationierung zu kümmern. Längst hätten die guten Erfahrungen anderer Städte und Gemeinden mit der Konversion militärischer Flächen in zivile Nutzung dazu führen müssen, alternative Nach-Nutzungsmöglichkeiten mit den Bürgern und Gewerbetreibenden der betroffenen Gemeinden zu erarbeiten. Andere Gemeinden wie das benachbarte Immendingen (Landkreis Schwarzwald-Baar-Heuberg) haben weitsichtig erkannt, dass mit der Ansiedlung ziviler Produktionsstätten anstelle von Militäransiedlungen mehr Schwung in die heimische Wirtschaft kommt. Immendingen steht jetzt gut da.
Demgegenüber haben die verantwortlichen Kommunalpolitiker von CDU, SPD, FDP und Freien Wählern im Zollernalbkreis bis heute den Kopf in den Sand gesteckt und darauf gehofft, dass der Kelch an ihnen vorübergeht. Welch' eine Blamage für den CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Bareiß, gerade erst zum Regionalfürsten gewählt: seine Heimat Meßstetten arg gerupft, Sigmaringen gleich ganz aufgelöst. Wer wollte diesen Vogel-Strauß-Politikern noch zutrauen, zukunftsweisende Konzepte zu entwickeln?
Jochen Lange am 27.10.2011 08:16:45

Antwort auf Zollernalb-Politiker haben versagt

Sehr geehrter Herr Lange,
ich gehe davon aus, dass Sie Der Linken angehören. Sie beurteilen alles was mit BW zu tun hat, als äußerst negativ. Sie sollten auch mal über den Tellerrand schauen und zur Kenntnis nehmen, dass ein Ort wie Meßstetten nicht mit Immendingen zu vergleichen ist, da sich Meßstetten aufgrund seiner Lage nicht gerade attraktiv für einen Konzern wie Daimler usw. darstellen kann. Es fehlt u.a. an einer vernünftigen Anbindung an Bahn und Straße. Aber solche Fakten zählen für Sie nicht. Es ist sehr einfach aus einer politischen Partei heraus nur alles schlecht zu reden, ohne selbst auch nur einen vernünftigen, finanzierbaren Vorschlag zu unterbreiten. Mit so einer Politik wie Sie die Linken plakatieren, wären die Probleme im Land wohl nicht kleiner.
Wolfgang Zirkel am 27.10.2011 17:58:07

Antwort auf Antwort auf Zollernalb-Politiker haben versagt

Sehr geehrter Herr Zirkel,
ich gehe ebenfalls davon aus, dass Herr Lange Mitglied der Linken ist. Deshalb hat Herr Lange auch Sachkenntnis über die BW und z.B. ihre Erfolge in Afghanistan sowie über Konversionsstrategien und darin, wie man erfolgreich ehem. BW-Standorte zu zivilen Erfolgsprojekten in Hochtechnologie, wie z.B. das Prüfcenter Wegberg-Wildenrath von Deutsche Bahn und Siemens oder die ehem. Französischen Kasernen in Tübingen umbaut. Ihrer Einwendung, Meßstetten und Heuberg seien für eine zivile Nutzung z.B. als Prüfzentrum für einen Autokonzern zu klein, kann ich nicht folgen. Z.B. Daimler hat das Gelände bereits als Versuchsgelände genutzt. Die Nutzung des Heubergs als Schieß- und Sprengplatz erfordert bereits jetzt eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur. Die Gemeinden profitieren meiner Ansicht nach von der jetzigen Nutzung für militärische Zwecke wenig. Die Einwohner der Anliegergemeinden werden durch die Sprengungen und Schießübungen belastet, die Wohngebäude erleiden Schäden, der Verkehrswert sinkt.
Aus Verantwortung für die Region müsste man daran denken, dass die BW-Nutzung ein Auslaufmodell ist. Deshalb wäre jetzt der Zeitpunkt, an Konversionsstrategien zu denken um die Region zu einem zivilen, lebenswerten und erfolgreichen Kleinod auf der Schäbischen Alb zu entwickeln.
Zur Finanzierung können vielfältige Hilfen in Anspruch genommen werden, die z.B. die BIMA zur Verfügung stellt, die auch bei der Erarbeitung von Projekten unterstützt. Unterstützung gibt übrigens auch die Partei Die Linke mit ihren Abrüstungs- und Konversionsexperten gern.


Rüdiger Fischer am 27.10.2011 22:34:14

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Zollernalb-Politiker haben versagt

Hallo Herr Fischer,

Ihnen als Schatzmeister der Linken muss zugestanden werden, die gleiche parteiinterne Meinung zu vertreten, wie Ihr Vorsitzender. Jedoch habe ich nicht behauptet, Meßstetten wäre zu klein, sondern mit Immendingen, sowie von Ihnen nun erwähnt Tübingen, aufgrund der Infrastruktur und Verkehrsanbindung nicht zu vergleichen. So hat Immendingen eine Autobahnanbringung und Tübingen eine zweispurige Bundesstraße. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei Tübingen um eine Universitätsstadt handelt ist selbstverständlicherweise auch ein sehr hoher Wohnungsbedarf vorhanden. Außerdem ist die relative Nähe zum Ballungsraum Stuttgart nicht von Nachteil für Investoren.
Weiterhin denke ich nicht, dass Meßstetten durch die bisherige Anwesenheit der Bundeswehr keinen Profit daraus gezogen hat. Ebenso sind mir keine Schäden an Gebäude bekannt geworden. Die Region hat mit der Bundeswehr gelebt und lebt in Stetten auch weiterhin mit einer Bundeswehr. Das Kleinod Truppenübungsplatz konnte erst einer so vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt zur Heimat werden, weil kein störender Tourismus vorlag (und dies seit über 100 Jahren). Aber ich denke wenn Sie als Bürgermeister in Meßstetten in Amt und Würden wären, hätten auch Sie für den Erhalt gekämpft, weil Sie dann die Folgen für eine Stadt wie Meßstetten genauer beurteilen könnten. Dass nunmehr verstärkt nach Alternativen gesucht werden muss, erklärt sich von selbst.
In Erwartung, dass Sie vielleicht doch noch einen konkreten Vorschlag der Folgenutzung unterbreiten können, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen.
Wolfgang Zirkel am 28.10.2011 14:18:18

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Zollernalb-Politiker haben versagt

Hallo Herr Zirkel,
schön, dass Sie sich über mich informiert haben. Schatzmeister ist immer ein wenig unspektakulär. Viel Arbeit, wenig Ruhm :-) Aber ich bin stolz darauf, diese Funktion in der einzig verbliebenen sozialen und Friedenspartei bei uns auszufüllen.
Aber nun will ich gern Ihre Frage beantworten. Selbstverständlich gibt es alternative ganz konkrete Nutzungsmöglichkeiten. Z.B. hat das Aktionsbündnis Freier Heuberg vorgeschlagen, den Standort zu einem Zentrum für sanften Tourismus zu entwickeln, mit Oldtimertreffen, Biker-/Skaterbahnen und einem Urlauberzentrum nach dem Vorbild der Centerparcs. Wir von der Linken unterstützen dies und haben zu zusätzlich vorgeschlagen, darüber nachzudenken, die in Zepfenhan geplante und dort nicht gewollte JVA als öffentlich-rechtliche Anstalt in den BW-Standort Meßstetten zu legen. Dies schafft in öffentlicher Hand mehrere hundert gute Arbeitsplätze. Wir wissen natürlich, dass ein Gefängnis nicht unbedingt der Wunschtraum vieler Anlieger ist, Die Vorteile überwiegen jedoch eindeutig. Die JVA, hat kaum Emmissionen, sie erzeugt keinen Lärm und keine Umweltverschmutzung und sie dient einem guten Zweck, nämlich der Resozialisierung straffällig gewordener Menschen. Ich denke, man sollte darüber zumindest nachdenken.
Am Beispiel von Münsingen kann man sehen, wie positiv sich die Konversion auf die Anliegergemeinden auswirken kann. Münsingen hat seit Abzug der Militärs 2000 Einwohner dazu gewonnen, 740000 Touristen sowie eine stetig wachsende Nachfrage nach nach Gewerbeplatz und Wophnungen. Derzeit findet dort die Slow Schaf Messe statt und am Montag die Tourismus Messe.
Dagegen kann ich Herrn Bareiß für seinen Einsatz für den Sprengplatz auf dem Heuberg nur gratulieren. Der BW-Standort Meßstetten wird von 820 auf 20 Mann verkleinert. Die zivilen Arbeitsplätze dort gehen verloren, dafür bekommen die Anliegergemeinden zukünftig den Lärm, die Erschütterungen und den Dreck der Bombenentschärfungen und -sprengungen mit voller Wucht
(bis zu 500 kg) zu spüren. Zu spüren bekommt dies dann auch die Fa. Grotz-Beckert in Ebingen, die ja bekanntlich Präzisionsgeräte baut und wegen der Erschütterungen möglicherweise wegziehen muss.
Dann doch lieber Touristen.
Rüdiger Fischer am 29.10.2011 20:06:25

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Zollernalb-Politiker haben versagt

Der Vorschlag der JVA ist selbstverständlich alternativ zum Vorschlag als Touristikzentrum gemeint und nur, wenn sich dies als nicht durchführbar erweisen sollte.
Rüdiger Fischer am 29.10.2011 20:11:21
Kommentare dieses Artikels als Feed