„Du bist doch unsere Mamita“
Beeindruckt von Mentalität: Sarah Schuler verbringt ein halbes Jahr in Costa Rica
Balingen-Ostdorf, 13.10.2011 von Hannes Mohr
Seit ein paar Wochen ist Sarah Schuler zurück in Deutschland. Im Moment kämpft sie noch mit dem „Kulturschock“. Die Studentin hat sich im vergangenen halben Jahr an das Leben in dem zentralamerikanischen Staat mehr als nur gewöhnt. „Die Menschen sind alle unglaublich freundlich und offen“, beschreibt die 25-Jährige die Mentalität, „die Einwohner möchten einfach, dass man ihr Land in guter Erinnerung behält“. Diese Offenheit vermisse sie nun in Deutschland.
Die Ostdorferin hatte sich vor sechs Monaten im Rahmen eines Praxissemesters nach San Isidro de El General in Costa Rica aufgemacht. Dort hatte sie zusammen mit ihrem Kommilitonen Dominic Richter in einem Vorort eine „Casita“ für den Verein „Vida Nueva“ aufgebaut. Das Haus ist Treffpunkt für benachteiligte Kinder. Dort können sie spielen, lernen und einfach mal Kind sein. „Besonders wichtig für die Kinder ist der Englischunterricht“, meint die Sozialarbeitsstudentin. Im regulären Unterricht bekämen sie kaum Kenntnisse vermittelt. Durch ihre Maßnahmen habe sie es geschafft, dass Sozialverhalten der Kinder sichtlich zu fördern. „Wir haben sie weg von der Straße geholt, ihre Motivation und Kreativität gefördert.“ Dazu benötigt man in Costa Rica nicht unbedingt viel. „Man glaubt nicht, wie sehr sich die Kinder über so etwas Einfaches wie Buntstifte freuen“, sagt sie und ist ganz hingerissen. Besonders schön sei es gewesen, den Kindern wieder ihr Selbstbewusstsein zurückzugeben. Finanziert hatte sie den Aufenthalt durch Spenden und aus ihrem Ersparten. „Dank des Berichtes im ZOLLERN-ALB-KURIER vor der Reise habe ich 1500 Euro an Spenden bekommen“, sagt sie. Dafür ist sie sehr dankbar.
Das Leben, das sie aus Europa kannte, musste die 25-Jährige in Costa Rica aufgeben. „Das Wasser war sehr knapp“, erzählt die Studentin. Es sei öfter passiert, dass drei Tage hintereinander kein Wasser aus der Leitung kam. Und wenn doch, habe man nur kalt duschen können. Auch das Essen war einfach. „Viele Wochen haben wir uns nur von Gallo Pinto, Reis mit Bohnen, ernährt“, beschreibt sie die kulinarische Seite. Die Speisen richteten sich danach, was gerade in der „pulperia“, eine Art Tante Emma Laden, zu bekommen war. Glücklicherweise luden Nachbarn die beiden Studenten oft zum Essen ein.
„Ich will keine Minute missen“, sagt Sarah Schuler. Sowohl für ihr Studium als auch für ihr Leben habe sie viel mitgenommen. Für sie ist klar: „Ich werde nach Costa Rica zurückkehren.“ In welcher Form, weiß sie noch nicht. In ihrer Erinnerung sieht sie immer noch die Kinder vor sich, die sie nicht gehen lassen wollten. „Du bist doch unsere Mamita (dt.: Mami)“, hatten sie ihr zum Abschied gesagt.
