Aus fünf mach eins

Nusplinger interessieren sich brennend für die neuen Pläne und sehen die Karten ein

Nusplingen, 12.10.2011 von Katja Weiger-Schick

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„Neu geordnet in die Zukunft“ – unter diesem Motto stand gestern die Besitzeinweisung der Nusplinger Flurneuordnung. Bürgermeister Alfons Kühlwein warb für ein neues Wegenetz.

Großer Bahnhof herrschte deshalb schon am frühen Morgen rund um die „Nusplinger Hütte“. Die Vertreter der Grundstückseigentümer, viele Messhelfer, die Amtsvertreter, die Bürgermeister – alle wollten diesen „Meilenstein“ im Neuordnungsverfahren miterleben.

Zu einem solchen hatte Landrat Günther-Martin Pauli die zahlreichen Besucher begrüßt. Pauli hatte vor seiner Rede eine kleine Odyssee zurückgelegt, weil er prompt die richtige Ausfahrt verpasst hatte. Sein Kollege lotste ihn via Handy zur „Hütte“: „Im Landratsamt wird Ihnen halt gern geholfen.“

Am Ziel angekommen, zählte der Landrat die Vorteile der Neuordnung auf. Seiner Meinung nach kommt das gut ausgebaute Wegenetz den Anforderungen der Landwirte entgegen. Gerade in Nusplingen sei es wichtig, die Landwirtschaft leistungsfähig zu erhalten: „Hier leben viele Familien davon.“ Vorteile bietet das Neuordnungsverfahren laut Pauli jedoch auch für die Natur: „Langfristig sichert es ökologisch wertvolle Flächen.“

Gemeinde und Landkreis profitieren beispielsweise durch touristisch nutzbare, neu entstandene Wege und Trassen für Hobby und Sport. Christian Schütz, Leitender Vermessungsdirektor am Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung, bezeichnete die Flurneuordnung als ein „großes Gemeinschaftswerk mit gelebter Demokratie“. Ziel sei es, den Landwirt und seine Flächen näher zusammen zu bringen, um kostbare Pendel-Arbeitszeit zu sparen.

Bürgermeister Alfons Kühlwein blickte indes zurück auf die Anfänge eines Projekts, das Jahrzehnte gedauert hatte. Bereits 1979 hatten die Nusplinger den Flurbereinigungsantrag gestellt – unter Kühlweins Vorgänger Lachermund. Gerade das Wegenetz – darin stimmte der Rathauschef dem Landrat zu – habe durchaus Potenzial für ein neues, touristisches Highlight: „Wir wollen so genannte zertifizierte Wege ausweisen – nicht nur für Jogger, Wanderer, Radfahrer und Mountainbiker, sondern auch für Menschen mit Handicap“, berichtete Kühlwein. „Und das sowohl auf dem Hart als auch auf dem Westerberg“, fügte er an. Dafür benötige die Gemeinde allerdings gutes Kartenmaterial und die finanzielle Unterstützung des Landes für Beschilderung oder Prospekte. Kühlwein verhehlte auch nicht, dass nicht jeder seiner Bürger einig sei mit dem bisherigen Ergebnis der Neuordnung: „Die vergangenen Tage bei uns im Rathaus waren geprägt von einem Besucherstrom aus Grundstückseigentümern, die die ausgelegten Karten einsehen wollten“, so der Bürgermeister.

Jetzt gelte es, die Bewirtschaftung der nächsten zwei Jahre abzuwarten: „Manche Bedenken werden sicherlich von alleine ausgeräumt. Für die anderen wünsche ich mir eine Lösung in gutem Einvernehmen.“


Meilenstein im Neuordnungsverfahren

Über 2,5 Millionen Euro Fördergelder von Land und EU – bei rund 3 Millionen Euro Ausführungskosten – sind für die Flurneuordnung nach Nusplingen geflossen.

Betroffen von dem Verfahren sind 685 Teilnehmer. Durch die Neuordnung des Grundbesitzes wird die Gemarkung ein anderes Gesicht bekommen, denn in dem über 1500 Hektar großen Gebiet werden aus ehemals 4000 alten noch etwa 1400 neue Flurstücke.

„Grob umgerechnet wird im Schnitt aus fünf alten kleinen Grundstücken ein großes neues“, sagt Erwin Gut von der Flurneuordnungsstelle im Landratsam. Im Bereich des Naturschutzgebiets „Westerberg“ kommen zusammenhängende Flächen von rund 60 Hektar für Zwecke des Naturschutzes in öffentlichen Besitz

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