Mannheims Makel
Fußball-Oberliga: Klammer SSV holt Ex-Profi Vaccaro
Balingen, 27.09.2011 von Marcel Schlegel
Platz drei und nur zwei Punkte Rückstand auf den Ersten – bei einer Partie weniger, das sei angemerkt: Für die TSG Balingen hat sich das Wochenende durch und durch gelohnt. Nicht nur, dass die Elf von Trainer Karsten Maier den Lokalrivalen FC 08 Villingen mit 1:0 bezwang, das seit drei Spielen ohne Punktverlust ist. Ferner stellten die TSG mit 1000 Zuschauern im Au-Stadion, den Spitzenwert des Spieltags auf. Darunter waren aber auch einige Störenfriede beider Seiten, die, zwar insgesamt friedlich, Feuerwerkskörper zündeten.
Doch trotz der aussichtsreichen tabellarischen Ausgangslage: Zum Träumen darf der Balinger TSG nicht zu Mute sein. Nicht nach dem Derby. Denn der sechste Sieg im achten Spiel war für die TSG letztlich schmeichelhaft, das 1:0 verdankte sie der dürftigen Chancenauswertung der Gäste und insbesondere der Entschlossenheit des Ersatzkapitäns Fabian Fecker, der sein Team mit der erst zweiten echten Torchance fünf Minuten vor dem Ende zum Sieg köpfte. Der Innenverteidiger aus Steinhofen urteilte, man sei nur sehr schwer ins Spiel gekommen, habe in der ersten Hälfte sicher auch Glück gehabt, als die „Nullachter“ zweimal nur das Aluminium trafen: „Aber wir haben aus der Ordnung heraus immer wieder Nadelstiche gesetzt und auf unsere Chance gewartet. Wir hatten Glück, dass diese dann irgendwann auch kam.“
Auch FC-Trainer Martin Braun war mit seinen Mannen im Reinen: „Ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind, Fußball zu spielen und werden bald wieder zu Siegen kommen. Trotz der Niederlage kann ich mit dem Tag gut leben.“ Mit elf Zählern rangieren die Villinger auf dem neunten Platz, die TSG bringt es auf 18 Zähler und könnte kommenden Samstag sogar die Spitze erklimmen. Denn das Spitzenduo patzte am Wochenende. Tabellenführer VfR Mannheim, bei dem die Balinger nächsten Samstag zu Gast sind, kassierte beim nun sechstplatzierten SSV Ulm 1848 die erste Saisonniederlage (1:2). Mannheims erster Makel, mehr als das: Es war die erste Pleite des Verbandsliga-Meisters nach 22 Pflichtspielen! Mannheims Trainer Kenan Kocak war unzufrieden: „Man kann als Fußballer einen schlechten Tag haben, an dem spielerisch nicht viel läuft. Aber auch dann muss man wenigstens laufen, kämpfen, beißen. Das war bei uns nicht der Fall.“
Nur gut für den Tabellenführer, dass auch Verfolger Spvgg Neckarelz gegen den Bahlinger SC nur zu einem 1:1 kam. Der SSV Reutlingen verbesserte sich mit einem 3:0-Sieg beim Kehler FV auf Platz elf. Zwei der drei Reutlinger Tore erzielte Angelo Vaccaro. Den Deutsch-Italiener hatte der notorisch klamme SSV erst vorige Woche geholt. Der Transfer des 29-jährigen Ex-Profis vom belgischen Zweitligisten FC Brüssel ist ein echter Hammer und zeigt: Offenbar tun sich an der Kreuzeiche neue Geldquellen auf. Denn so ein bekannter Mann wie Vaccaro könnte mit seinen Referenzen – er war unter anderem schon für den VfB Stuttgart, den FC Augsburg oder Eintracht Frankfurt am Ball – bei zahlreichen Klubs unterkommen, etwa als Spielertrainer. Jedenfalls bürgt der langjährige Profi für Qualität, das zeigt nicht nur sein Doppelpack gegen Kehl: Beim 16:0-Testspielerfolg des SSV beim Kreisligisten TSV Höfingen traf Vaccaro jüngst sensationelle zehnmal. Der ist sein Geld wert.
Die Bilanz bleibt negativ
Trotz des 1:0-Erfolgs der TSG gegen den FC 08 Villingen bleibt die Derby-Bilanz der Maier-Truppe negativ. In den nun sieben Prestigeduellen setzten sich die „Nullachter“ dreimal durch, zweimal gewann Balingen, zwei Partien endeten unentschieden (Torverhältnis aus TSG-Sicht: 5:11). In sieben Spielen gab es sechs Feldverweise (zwei rote Karten). Immerhin endet eine lange Durststrecke: Der letzte Derby-Sieg gelang am 20. September 2008 (2:1)
