Ist die Albstädter Wappenpflanze in Gefahr? An manchen Stellen auf den Höhen findet man im Vergleich zu früheren Jahren gar keine Silberdisteln mehr – oder nur sehr kleine Exemplare, die im sie umgebenden Grün kaum zu erkennen sind.
Ist die Albstädter Wappenpflanze in Gefahr? An manchen Stellen auf den Höhen findet man im Vergleich zu früheren Jahren gar keine Silberdisteln mehr – oder nur sehr kleine Exemplare, die im sie umgebenden Grün kaum zu erkennen sind. Foto: Stuhrmann.

Albstadt-Ebingen, 23.09.2011

Silberdistel droht das Aus

Lokaler Schwund lässt aufhorchen – Dr. Ludwig: Population nicht gefährdet

Silberdistel droht das Aus
Die Silberdistel steht für Albstadt. Während die Pflanze im Stadtwappen dauerhaft verewigt ist, lässt sich in der Natur stellenweise ein Silberdistel-Schwund beobachten. Verliert Albstadt sein „Wahrzeichen“?

„Seit drei Jahren beobachte ich auf den Wachholderheiden von Ochsenberg, Kreuzbühl und Kälberwiese einen drastischen Rückgang der Silberdistelblüte,“ beschreibt ZAK-Leserin Christa Erbe aus Ebingen ihren Eindruck. Dort, wo früher Hunderte standen, gebe es dieses Jahr keine einzige mehr. Sie vermutet, dass die veränderte Beweidungstechnik dafür verantwortlich ist. Denn: „Im Juni bilden sich zwar sehr viele Blattrosetten. Wenn aber dann die Schafe darauf weiden, sind danach alle Blattrosetten verschwunden.“ In der Vergangenheit seien die Heiden nur durch vorüber ziehende Schafherden beweidet worden, während die Schafe nachts in einem Wiesenstück eingepfercht gewesen seien. Heute würden die Schafherden über längere Zeitabschnitte in abwechselnden Geländeeinheiten der Wachholderheiden selbst auch über Nacht eingezäunt.

Bei der Albstädter Stadtverwaltung besteht natürlich großes Interesse daran, die Silberdistel als Albstädter Wappenpflanze zu erhalten. Für Monika Lamparter, als Liegenschaftsamtsleiterin für die Schafweideverträge zuständig, ist klar, dass, sollte die Silberdistel stark beeinträchtigt werden, ein Kompromiss gefunden werden wird, der Naturschutz und Interessen der Schäferei unter einen Hut bringen kann.

Das ist auch das Anliegen von Kreisökologe Dr. Werner Ludwig. „Die Population der Silberdistel im Ganzen ist meines Erachtens nicht gefährdet,“ beruhigt er, auch wenn es durchaus zu lokalen Rückgängen kommen könne. Die Pflanze sei an sich gegen Fraß sehr gut geschützt. „Wegen der Stacheln und der Bitterstoffe meiden Schafe die Silberdistel eigentlich so gut es geht. Ich könnte mir eher vorstellen, dass es sich vielleicht um Trittschäden handeln könnte.“ Die Schafbeweidung sei allerdings andererseits äußerst wichtig für den Erhalt der Artenvielfalt auf den Wacholderheiden, erklärt Dr. Ludwig, wobei auch zu bedenken sei, dass die Schäferei heutzutage nichts mehr mit idyllisch-romantischen Vorstellungen von einem in der Abendsonne stehenden, auf seinen Stock aufgestützten und sinnierenden Schäfer zu tun habe, sondern klaren Wettbewerbsbedingungen unterworfen und ein „hartes Brot“ sei. Diese ökonomischen Gründe führten auch zu einer intensiven Koppelhaltung.


Sagenhaftes zur Silberdistel: Kaiser Karl der Große vertraute auf ihre Kräfte

Gefährdet: Die Silberdistel steht unter Naturschutz. 1997 war sie Pflanze des Jahres. Im Mittelalter findet sich kaum ein Kräuterbuch, in dem die Silberdistel nicht erwähnt wurde. Dabei wurden ihr oft magische Kräfte zugeschrieben. So sollte sie beispielsweise, an den Schweinetrog genagelt, Krankheit vom Vieh abhalten. Menschen, die die Silberdistel bei sich trugen, sollte sie Kraft verleihen. Allein die Berührung der Silberdistelwurzel sollte Schmerzen nehmen und Sodbrennen vertreiben. Eine Silberdistel-Wurzel, um den Hals gehängt, hilft nach Hexenglauben gegen Hexenschuss.

Sagenhafte Kräfte: Einer alten Überlieferung zufolge soll Kaiser Karl der Große sein Heer durch die Silberdistel vor der Pest bewahrt haben. Im Traum erschien ihm ein Engel, der einen Pfeil abschoss und ihn in einer Silberdistel versenkte. Für Kaiser Karl ein Zeichen, dass er mit der Silberdistel sein Heer vor der Pest retten kann.

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