Wütender Wittwer

Fußball-Oberliga: Nöttingen kommt nicht in Fahrt

Balingen, 20.09.2011 von Marcel Schlegel

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Der VfR Mannheim ist auch im achten Spiel ohne Niederlage geblieben. Zuletzt stürzte der Aufsteiger sogar den bisherigen Tabellenführer der Fußball-Oberliga, die Spvgg Neckarelz, vom Thron.

. Michael Wittwer hätte sich wohl am liebsten selbst noch einmal das lila-weiße Trikot des FC Nöttingen übergezogen. Nach dem 0:2 seiner Elf gegen die TSG Balingen trug der Nöttinger Coach das Herz auf der Zunge. Ungewohnt harsch kritisierte Wittwer, Ex-Profi beim Karlsruher SC und langjähriger Fußballer und Spielertrainer beim FCN, seine Truppe. Wittwer, ein Verteidiger Marke Haudegen, sprach, wie er einst gespielt hatte: kompromisslos, direkt, konsequent.

„Wenn man sieht, was wir uns teilweise für Ballverluste geleistet haben, das passiert normalerweise einer mittelmäßigen C-Jugendmannschaft nicht“, erklärte der 44-Jährige und stellte fest: „Am Ende sind wir immer wieder bei denselben Dingen: Wenn man einmal eine Chance hat, eine Kontersituation von drei gegen zwei, und spielt dann dem einzig verbliebenen Roten den Ball in den Fuß. Da fällt mir nichts mehr ein.“

Doch allmählich müssen sich die Nöttinger, als Titelanwärter Nummer eins in die Runde gestartet, etwas einfallen lassen. Nach sieben Spielen rangiert der Vizemeister nur auf Platz elf – und damit sechs Positionen und sechs Punkte hinter der TSG Balingen.

Deren Trainer Karsten Maier freute sich diebisch über den durchaus überraschenden Sieg in Nöttingen: „Wichtig war, dass wir 90 Minuten lang unsere Grundordnung gehalten haben“, so der 42-Jährige. Man habe gegen den favorisierten FCN eine Stunde lang gut verteidigt „und ab der 60. Minute sind wir frecher geworden.“ Der Lohn: zwei späte Treffer durch Alexander Jauß per abgefälschtem Freistoß und Marc Buchstor nach Kopfballvorlage von Marc Wissmann. Markant: Eben jenes Trio hatte Maier erst während der zweiten Hälfte eingewechselt und damit ein glückliches Händchen bewiesen. Er lobte: „Hinten raus haben wir das sehr gut gespielt.“ Wittwer bestätigte: „Ich hatte den Eindruck, dass Balingen den Sieg mehr wollte.“

Wo sich die Nöttinger selbst gerne sehen würden, stehen derzeit andere. Die Tabellenführung hat sich erneut der VfR Mannheim unter den Nagel gerissen. Was der Aufsteiger bislang in den neuen Gefilden abliefert, ist tadellos. Auch im achten Spiel ist das Team von Trainer Kenan Kocak ohne Niederlage geblieben, zuletzt rangen die Kurpfälzer vor 850 Zuschauern keinen Geringeren als den bisherigen Spitzenreiter Spvgg Neckarelz mit2:0 nieder und übernahmen damit die Tabellenführung. Peter Hogan, der Neckar-elzer Coach, hielt sich daran nicht lange auf: „Der VfR Mannheim hat eine tolle Entwicklung hinter sich und ist unter Kenan zu einer überragenden Mannschaft geworden. Hier darf man verlieren.“

Ungewöhnlich: Kurz vor der Pause flog Mannheims Kristijan Vidakovic mit Gelb-Rot vom Feld, doch plötzlich drehten nicht die Neckarelzer, sondern die Gastgeber auf. Hogan meinte: „Die Hin- ausstellung hat die Partie verändert. Wir hatten plötzlich einen Bruch im Spiel. Zwar hatten wir mehr Ballbesitz, doch in der Offensive hat uns der Esprit gefehlt.“ Kocak, dessen Elf sowohl defensiv wie offensiv das Nonplusultra der Oberliga ist, verriet: „Ich habe meinen Jungs gesagt: Wir sind nur noch zu zehnt, also müssen wir für elf laufen.“ Da seine Elf eben dies umsetzte, Wille und Moral bewiesen habe, glaube er, dass der sechste Saisonsieg völlig verdient gewesen sei.

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