Vom ersten Hüpfer an
Die Geschichte des Flugplatzes auf dem Degerfeld
Albstadt-Ebingen, 26.08.2011
Vor mehr als 75 Jahren hob erstmals ein Gleiter auf dem Degerfeld ab. Damit war der Startschuss für einen der ältesten und traditionsreichsten Segelflugplätze im Land gefallen.
Schon 1923 schloss sich eine Handvoll Leute zusammen, um den Traum von der Fliegerei zu verwirklichen. Um Anton Riediger, Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, und die Flugbeobachter Karl Häffner und Karl Maier scharten sich einige junge Leute. Fünf Jahre lang bastelten sie an einem Segelflugzeug. Baupläne gab es nicht, die Rahmenbedingungen waren bescheiden. Trotzdem gelang es den Unentwegten, mit Kraftfahrzeugmechaniker Ernst Keppeler, ein Doppeldecker-Segelflugzeug zu bauen. 1928 zogen sie die Maschine hinauf auf den Salenbühl zum ersten Start. Es war ein nebliger Sonntag, als Anton Riediger, Apotheker Karl Häffner, Karl Maier, Karl Binder, Ernst Käppeler, Ernst und Emil Herter sowie Nädelin und Karl Haux am Hang standen und auslosten, wer als Erster fliegen durfte. Es war Nädelin. Seine Kameraden klinkten das Hanfseil am Flieger ein und rannten mit dem Strick hangabwärts los. Der Segler hatte schon zehn Meter Höhe erreicht, als eine Windböe das Flugzeug erfasste. Die Maschine kippte über den Flügel ab und stürzte in ein Gebüsch. Nädelin kam mit blauen Flecken davon, das Flugzeug war hingegen komplett zerstört.
1926 wurde in der Sigmaringer Straße in Ebingen, wo heute ein Supermarkt steht, der erste Flugplatz angelegt. Triebfeder war Anton Riediger, späterer Flugkapitän. Der erste Großflugtag fand zur Eröffnung statt. Ende der 20er-Jahre gab es bereits Segelflugbetrieb im Albstadt. Die Fliegergruppen Ebingen, Bitz und Tailfingen starteten am Mehlbaum, am Heerberg, um Bitz, Tailfingen, Hermannsdorf und Onstmettingen. Doch die Geschichte des heutigen Fluggeländes begann erst mit einem Treffen der Flug- und Arbeitsgruppen (FAG) Bitz, Ebingen, Hechingen und Balingen. Die sanfte Degerfeld-Mulde im Karstgebiet des Schwäbischen Jura, 900 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, sagte den Fliegern zu. 1935 brachte Rudolf Diemer aus Rossitten die Anregung für eine Motorwinde mit. Mit Ausklinkhöhen von 200 Metern war der Einstieg in den thermischen Flug geglückt.
Nach dem Krieg sammelten sich die Flugpioniere um Anton Riediger und Rudolf Diemer. In Ebingen wurde mit dem Bau eines einsitzigen Seglers Grunau Baby III begonnen. Die Maschine mit dem Kennzeichen D-9001 war das erste selbstgebaute Segelflugzeug in der Bundesrepublik Deutschland. In Ebingen wurde ein Doppelsitzer MÜ 13E gebaut, in Tailfingen ein Schulgleiter SG 38. Die Fliegergruppe Bitz hatte einen Doppelraab im Bau. Durch die Doppelsitzer war die Schulung nun sicher, der Segelflug wurde für jeden Interessenten zugänglich, vor allem für die Jugend. Der Zufall brachte Julius Johann, Flugzeugbauer, nach Ebingen. Seine Kenntnisse beflügelten die Entwicklung auf dem Degerfeld.
In mühevoller Kleinarbeit konnten die heutigen Platzverhältnisse geschaffen werden. Die Stadt Tailfingen stellte eine Baracke zur Verfügung, sie wurde die erste Unterkunft für Flieger, Maschinen und Geräte. Der Baden-Württembergische Luftsportverband finanzierte im Land vier große Segelflugzeughallen, eine davon auf dem Degerfeld. 1956 wurde sie eingeweiht.
1957 kam das erste Motorflugzeug, eine Piper L4, auf das Degerfeld, 1966 wurden die Boxenhalle und die Flugleitung mit dem Turm errichtet, 1974 die heutige Flugplatzgaststätte. Später kamen zwei weitere Hallen, die Werkstatt und auch der angegliederte Campingplatz dazu.
Drei Fliegergruppen gründen den Luftsportverein Degerfeld
Am 25. Mai 1966 schlossen sich die einstigen Fliegergruppen Ebingen, Tailfingen und Bitz zum LSV Degerfeld zusammen. Der Schritt erwies sich als richtig: Der Rationalisierungseffekt war groß, Flugzeugpark und Infrastruktur konnten gemeinsam erheblich verbessert werden und der Leistungssegelflug bekam ungeahnten Auftrieb.
Der LSV Degerfeld verzeichnet seit Jahren Zuwachs, hat derzeit rund 250 Mitglieder, darunter mehr als 20 Flugschüler. Etwa 140 Mitglieder sind aktive Piloten. Der Verein hat elf eigene Segelflugzeuge, einen Motorsegler und eine Motormaschine. 4000 Starts pro Jahr werden auf den Vereinsmaschinen absolviert. Ferner sind eine Reihe von privaten Maschinen am Platz stationiert, darunter mehrere legendäre Bücker-Doppeldecker.
Der Platz lockt bis heute Segelflieger aus dem In- und Ausland zu Fliegerurlauben an. Und an diesem Wochenende strömen die Besucher sehr zahlreich, wenn das legendäre Flugplatzfest ansteht.
