„Mit gutem Team das Feld bändigen“
Radsport: Sprintkurs auf historischer Strecke
Albstadt-Ebingen, 25.08.2011 von Helen Weible
Darum lieben die Radsportler die Strecke so. Der Reiz besteht darin, wie bei einer Schaukel ordentlich Schwung zu holen, um diesen beim Hochschaukeln mitzunehmen. Einziges Manko: Es „hoppelt“ etwas in der Martin-Luther-Straße aufgrund des geflickten Pflasters. „Jedes Jahr ein bisschen mehr“, zitiert Ulrich Bock, Leiter der Landessportschule und Radsportexperte, die Erfahrungen der „Badewannen-Fahrer“.
Geflicktes Pflaster hin oder her: Die zehnte Etappe der Radrennsportserie Interstuhl-Cup auf dem 800 Meter langen, zuschauerfreundlichen Rundkurs wird mit Spannung erwartet. Es geht um wichtige Punkte fürs Ranking. Alles daran setzt der Träger des roten Sprinttrikots Rolf Hofbauer, der seinem Studium an der hiesigen Hochschule dem Profiradsport Vorrang gewährte. Eine ähnliche Biografie besitzt Frank Scherzinger, Führender in der Gesamtwertung. Eng bedrängt wird er vom Gewinner des Volksbank Jedermannrennens vergangenes Jahr, Zdenek Peceny. Doch die machen die Rechnung nicht ohne die Einheimischen: Sandro Melchin und Marco Heller sind in den bisherigen Etappen vorne mitgefahren und versuchen mit Thomas Halter vom RSV Tailfingen Runde um Runde zu gewinnen. „Es zählt die Teamtaktik“, sagt Bock, der weiß, dass ein, zwei Fahrer versuchen werden, auszureißen. Der Startschuss für das Hauptrennen der lizenzierten Fahrer über 72 Kilometer und 90 Runden ertönt am kommenden Sonntag um 15 Uhr.
Ein Blick in die Annalen zeigt, wie bedeutend die Tailfinger Markung ehemals war. Seit 1952 gibt es die Strecke in der „Badewanne“ in der Lange Straße nämlich. Weltmeister, Olympia-Sieger und viele Idole fuhren damals in Albstadt: Rudi Altig, Hennes Junkermann und Rolf Wolfshohl, Tour-Bergkönig Kunde oder „Man of the Tour 1977“ Didi Thurau. Bei diesem Rundkurs in Tailfingen waren viele froh, den Sieg in ihr Erfolgsbuch zu schreiben. Alle wollten einmal in der „Badewanne“ auf dem Podest stehen. Einheimische Fahrer, trotz ausgewiesener Klasse, siegten hier allerdings eher selten. Erster war 1954 Helmut Kistler, Nationalfahrer und amtierender württembergischer Meister. 1984 schrieb sich der heutige Dr. Francesco de Meo in das Buch ein, 1986 Siggi Krüger. Er war nach Platzierungen der erfolgreichste Lokal-Hero: Seit der Jugendzeit kam er immer auf Platz eins bis
drei innerhalb von zwölf Jahren. Nach der Rückkehr auf diesen Rundkurs war Stefan Bock und vergangenes Jahr eben Marco Heller siegreich.
Am 15. Mai 1977 fand das Jubiläumsrennen unter strömendem Regen und mehreren tausend Zuschauern statt. Max Pierotto aus Chambéry siegte vor dem Deutschen Meister Dietrich Thurau beim 25-jährigen Bestehen. Dritter wurde damals der Tailfinger Siggi Krüger. Zwei Jahre später, erstmals 1978 fand ein
Frauenrennen statt. Die erste Siegerin war die damalige Weltmeisterin Beate Habetz aus Köln.
