Sichtlich schneller als bei den Profis
Sitzvolleyball-Nationalmannschaft bereitet sich auf Europameisterschaft und Paralympics vor
Albstadt-Ebingen, 23.08.2011 von Frank D. Engelhardt
In der Halle ist viel Bewegung, die Sportler keuchen und der Trainer gibt klare Anweisungen: Die Nationalmannschaft im Sitzvolleyball hat sich eine Woche lang intensiv auf die bevorstehende Europameisterschaften vorbereitet. In der Landessportschule in Tailfingen fanden sie hierfür die notwendige Ruhe und Konzentration.
Rudi Sonnenbichler steht an einem großen Korb voller Volleybälle. Einen um den anderen nimmt der Nationaltrainer und bringt ins Spiel, mal kurz, dann mal lang. Die Männer auf dem Boden schwitzen, sind von der Trainingseinheit gezeichnet. Ihr Trainer weiß ganz genau, wie er die Sportler anpacken muss. 21 Jahre lang hat Sonnenbichler die Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen trainiert, den Sport nachhaltig geprägt – auch mit diversen Bundesliga-Vereinen. Seit 2010 kümmert sich der mittlerweile 65-Jährige um die deutsche Sitzvolleyball-Nationalmannschaft.
„Ich habe in meinen Sportlerleben schon viel erlebt, aber was meine Spieler hier vollbringen, ist auch für mich etwas ganz besonderes“, betont Sonnenbichler. Durch einen Freund kam er vor einem guten Jahr zum Behindertensport. „Leider führen Sportarten wie diese bei uns hier in Deutschland noch ein Schattendasein“, bedauert er. „Ich bin von der Persönlichkeit der Sportler fasziniert – obwohl sie mit körperlichen Behinderungen kämpfen müssen, bringen sie Höchstleistungen.“ Und das, obwohl die Rahmenbedingungen hierzulande nicht gerade optimal seien. „Bis vor einem Jahr habe ich nicht einmal gewusst, dass es diesen Sport gibt“, erzählt der Trainer. „Als ich dann die Jungs das erste Mal spielen sah, konnte ich es gar nicht glauben, wie schnell das alles geht.“
Die Spieler dürfen sich nur im Sitzen bewegen, können allerdings Arme und Beine benutzen. Beim Ballkontakt muss der Rumpf allerdings am Boden sein, das Netz ist 1,15 Meter hoch. „Jeder, der schon einmal Volleyball gespielt hat, kann sich leicht vorstellen, wie schwierig das ist“, meint die Volleyball-Koryphäe. So mancher Profi hat sich bereits versucht, musste aber schnell die Komplexität des Spiels erkennen. „Das Stellungsspiel ist eminent wichtig, und am Boden ist man eben deutlich eingeschränkter – um die Technik, die meine Jungs haben, beneidet sie so mancher Bundesliga-Profi“, ist der Coach sich sicher.
In der Tailfinger Landessportschule hat die Nationalmannschaft vor allem Technik und das Zusammenspiel geübt. Vor der Europameisterschaft vom 9. bis 15. Oktober in Rotterdam / Holland werden sie noch einmal auf die schwäbische Alb kommen. Mit Bosnien-Herzegowina wird dann außerdem die wohl derzeit beste Mannschaft der Welt zu Gast sein. „Mehrere Trainingsspiele sind geplant“, verrät Rudi Sonnenbichler. Allerdings sei noch nicht geklärt, wo genau die Länderspiele stattfinden werden. „Wir suchen noch Vereine, die uns unterstützen und eine solch außergewöhnliche Veranstaltung durchführen möchten.“
Der weitere Fahrplan für das Sitzvolleyball-Team steht: Die Qualifikation für die Paralympics erreichen, die im kommenden Jahr in London ausgetragen werden.
Info
Weitere Informationen zu den geplanten Länderspielen gibt es direkt bei Ulrich Bock, Leiter der Landessportschule in Tailfingen, unter Telefon (0 74 32) 98 21-0.
