Lauschiges Tübingen

Tübingen, 28.07.2011 von Bernd Haase

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Leise Töne, melancholische Harmonien, Lieder zum Träumen und – ja, tatsächlich – Sonne. Letztere ist deshalb so erwähnenswert, weil es bis kurz vor Beginn des Singer-/Songwriter-Festivals “Tübingen lauscht” so aussah, als würde es wieder einmal vom Wetter verhagelt werden.

Bereits bei der Premiere im vergangenen Jahr hatten Regen und Kälte den Marktplatz der Unistadt zu einem ziemlich unwirtlichen Konzertort gemacht. Die Vorhersagen für dieses Jahr sahen nicht besser aus. Aber dann kam zu den Tönen des Openers Rocky Votolato tatsächlich die Sonne – und blieb. Vermutlich fasziniert von den ausgefeilten Klängen, die da vor der mittelalterlichen Kulisse zu hören waren. Denn auch bei seiner sonnigen Neuauflage bestach das Festival vor allem durch eine sehr geschmackssichere Künstlerauswahl.

Da ist zum einen der Amerikaner Rocky Votolato, der – vom Punkrock her kommend – mittlerweile die leisen Töne beherrscht und zu einfachen, geradlinigen wie düsteren Songs arrangiert. Die beherrscht auch der Schwede Christian Kjellvander. Mit seiner tiefen, voluminösen Stimme wirkt er aber deutlich präsenter. Und in seinen Gitarren-Soli lässt er darüber hinaus auch raue, komplexe Klangwelten entstehen. Raue Töne sind dagegen nichts für Robin Proper-Sheppard von der Band Sophia. Als “Großmeister allen Herzschmerzes” angekündigt bringt er seine schwermütigen, elegischen Liebeslieder zu Gehör, deren stille Dramatik von dem ihn begleitenden Streichquartett sanft überhöht wird. Ein echter Höhepunktfüralle,die es still und lauschig mögen.

Danach folgt Sophie Hunger, das Song schreibende Wunderkind aus der Schweiz. Auch sie ist am stärksten in ihren ganz leisen, ruhigen Stücken, mit denen sie den langsam in der Dämmerung versinkenden Marktplatz auskleidet. Aber immer wieder explodiert sie, rüttelt das Publikum mit Dynamikwechseln auf und hangelt souverän zwischen den verschiedensten Stilrichtungen von Country bis Rock umher.

Da tanzte selbst Max Herre mit, der Headliner, der sich Sophie Hungers Konzert im Publikum stehend anhörte. Herre machte da weiter, wo die Schweizerin aufgehört hatte: Mit Songs, die nicht nur zum Schwelgen und Träumen gemacht sind, sondern auch zum Tanzen, die aber trotzdem noch alle Kriterien von lauschiger Pop-Poesie erfüllen.

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