Ein jeder hat seine Geschichte

17. LBS Bike-Marathon: Albstädter Klassiker begeistert Profis wie Hobby-Mountainbiker

Ein jeder hat seine Geschichte

Albstadt-Ebingen, 12.07.2011 von Marcel Schlegel

Anzeige
Ob Politiker, Fußballer oder Profi: Die 17. Auflage des Albstädter LBS Bike-Marathons begeisterte Mountainbiker wie Zuschauer. Rund 3100 Fahrer hatten sich angemeldet, 2700 traten letztlich in die Pedale.

Für das Gros der Radsport begeisterten Albstädter ist der Bike-Marathon das sportliche Highlight. Die wenigsten, der in diesem Jahr rund 2700 Fahrer, nehmen regelmäßig an Rennen teil. Sie fahren einmal im Jahr – und das in der Heimat. Das Schöne daran: Am Abend bei der Party in Ebingen hat ein jeder seine ganz eigene Geschichte zu erzählen.

So wie Mike Buchholz (Team Weishaupt). Der Ebinger hatte nur ein Mountainbike – „kein schlechtes“, erklärte er. Vollmundig habe er zuvor immer wieder verkündet, dass er die 86 Kilometer auch ohne Training absolvieren könnte. Den Nachweis blieb er schuldig. Bis zum Wochenende, als ihm ein Freund seinen Startplatz anbot. In Turnschuhen und mit einem mehr schlecht als recht zusammengeschusterten Trinkrucksack machte er sich auf den Weg durch die die neun Albstädter Ortsteile. „Am Anfang ging es“, sagte der 18-Jährige. Doch von Laufen an habe er Krämpfe bekommen. In 5:53,47 Stunden quälte er sich ins Ziel. Ob er wieder starten werde? „Auf jeden Fall“, antwortete Buchholz, „doch nie wieder ohne Training.“

Der MTB-Klassiker macht süchtig. Und der SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Martin Haller kann dies bestätigen. Zum 15. Mal ging der Ebinger Gymnasiallehrer an den Start. „Ich bin sehr zufrieden. Ich halte mein Level“, beurteilte der 62-jährige Tailfinger seine Zeit von 4:37,04 Stunden. Hätte ihm Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Hermann zuletzt nicht die ein oder andere schlaflose Nacht bereitet, „wäre ich sicher fünf Minuten schneller gewesen“, grinste der Vorsitzende des Arbeitskreises für Verkehr und Infrastruktur im Landesparlament.

Die Hochstimmung von Fahrer und Zuschauer – mit ein Grund, warum auch die Lizenzfahrer in jedem Jahr gerne auf die Schwäbische Alb kommen. „Es ist brutal, wie das Albstädter Publikum Stimmung macht“, betonte Andreas Kugler (Multivan-Merida), der sich im Zielsprint Rang zwei sicherte (2:53,17 Stunden). Gerade in Onstmettingen an der alten Skischanze laufe es ihm Jahr für Jahr kalt den Rücken hinunter.

Der Schweizer musste sich nur Landsmann Alexandre Moos (BMC Racing) geschlagen geben, der sich nach rund 20 Kilometer absetzte und in 2:49,59 Stunden triumphierte. Beide nutzten sie den Bike-Marathon als Vorbereitung auf die acht Etappen der Transalp von Mittenwald an den Gardasee (16. bis 23. Juli). Aufgrund einer Erkältung ein wenig außer Form war nach eigenen Angaben Julian Kolatschek, Triathlet der TG Schömberg. Seine Saisonplanung habe derzeit eigentlich eine Pause vorgesehen, einen Start in Albstadt ließ er sich dennoch nicht nehmen. „Ich bin noch etwas erledigt“, gestand der Gesamt-50. (3:28,29).

Nicht ins Ziel kam bei seiner fünften Teilnahme Norbert Klein (Fitness-World). Der ehemalige Fußball-Trainer der Sportfreunde Isingen (pausiert derzeit) musste nach 60 Kilometer aufgrund eines Defekts aussteigen. „Bis dahin bin ich einen guten 20er-Schnitt gefahren. Schade, das wäre bestimmt eine gute Zeit geworden.“

So wie Klein ging es am Wochenende vielen Mountainbiker. Die meisten nahmen es gelassen hin, erfreuten sich ob der tollen Zuschauerkulisse. Andere hatten aus anderem Anlass, Grund zur Freude: Stadtmeister Bernd Pabst etwa (Krug & Priester/3:15,52,), der sein Glück kaum fassen konnte: „Als Ebinger in Ebingen Stadtmeister zu werden ist Wahnsinn.“

 

OK-Präsident spricht von einem „gigantischen Event“

Für Wolfgang Meißburger war der Bike-Marathon ein „gigantisches Event“. Der OK-Präsident freute sich: „Wir sind in unserer Entwicklung nicht rückläufig, sondern verbessern uns Jahr für Jahr.“ Insgesamt hätten sich die Veränderungen bei der 17. Ausgabe bezahlt gemacht: „Die Startzeit von 12 auf 10 Uhr vorzuziehen, kam gut an. Das hat uns mehr Luft verschafft.“

Auch die rund 80 Einsätze von den Ärzten am Streckenrand seien„ im Rahmen“ gewesen, fand der 71-Jährige: „Für den, der gestürzt ist, ist natürlich jeder Einsatz zu viel.“ Allerdings sei es zumeist nichts Ernstes gewesen. Am Degerfeld musste indes ein Teilnehmer, der auf einem vermeintlich ungefährlichen Stück gestürzt war, vom Rettungshelikopter abgeholt werden.

Hüft- und Schulterverletzungen habe der Fahrer sich zugezogen. Mittlerweile sei er aber den Umständen entsprechend wohlauf. Auf geteilte Meinung sei das neue Wegstück samt Verpflegungsstation am Lifthaus in Onstmettingen gestoßen: „Es hieß immer, der Bike-Marathon ist eine Autobahn. Wir wollten ihn technisch anspruchsvoller machen, das ist uns gelungen.“