Es regnet? Southside!
Neuhausen ob Eck, 21.06.2011 von Bernd Haase
Wie gut, dass zu dieser Zeit gerade Flogging Molly auf der großen Bühne spielten. Die wilden Jungs ließen alles andere als Trübsal aufkommen. Das lag gewiss nicht nur daran, dass sie ihren Irish-Folk genussvoll durch die Punkrock-Mühle drehen, sondern in erster Linie an ihrer entfesselten Darbietung. Sie brauchten keine drei Sekunden, und schon bebte der Platz.
Eine reife Leistung, die aber noch getoppt wurde von The Hives, die direkt im Anschluss kamen, und zwar mit Frack und Zylinder so wie sich auch einige Fans der verrückten Schweden fein gemacht hatten und dem Matsch auf die modische Weise trotzten. The Hives jedenfalls waren die beste Medizin gegen Schmuddelwetter mit ihrem Gaga-Punkrock und einer enormen Laufleistung.
Es sollte aber noch besser werden, denn die Foo Fighters explodierten förmlich. Fleißig in der Rockgeschichte wildernd präsentierten sie ihren geradlinigen Rocksound mit voller Wucht, fetten Bässen, treibenden Drums und rotziger Gitarre. Hier gab es wenig bis keine Klangexperimente, dafür aber in dem Ex-Nirvana-Drummer Dave Grohl einen Frontmann, der spielend ganz alleine die große Bühne füllen würde, der bei den härteren Stücken zum wilden Mann wird, aber auch balladenhafte Gefühligkeit bei den ruhigeren transportieren kann.
Getoppt wurde dieser Auftritt einzig vom Headliner des zweiten Abends, dem Künstlerkollektiv Arcade Fire um das Ehepaar Win Butler und Règine Cassagne. Eigentlich ist die Grundlage ihrer Musik schlichter Folk. Den zelebrieren die Musiker aber mit einem bombastischen, orchestralen Sound, der Klangteppiche aus den unterschiedlichsten Sphären vereinigt, und nebenbei so treibend daher kommt, dass man sich diesem musikalischen Zauber-Varieté kaum entziehen kann. Und als Höhepunkt als ob er sich mit den durchnässten Fans solidarisieren wollte schüttet sich Win Butler eine Flasche Wasser über den Kopf.
Am dritten Abend schließlich waren Incubus als Hauptact an der Reihe, die Show am Sonntag stahlen ihnen aber My Chemical Romance, die mit ihrer durchgeknallten und schrägen Show die Masse zum Kochen brachten.
Exzentrisch auch die Herren vom Kaizers Orchestra, die mit Anzug und Gasmaske das Publikum aufmischten.
Es ging aber auch feingeistiger: So gab es etwa von Bright Eyes zur Geisterstunde Neo-Folk mit musikalischen Versatzstücken aus aller Welt, eine ätherisch anmutende Show der Schwedin Lykke Li, mit einem Streichquartett verstärkten Flüsterpop von Elbow oder sphärisch schwebenden TripHop von Portishead, deren Sängerin Beth Gibbons sich als Meisterin der Melancholie zeigte.
Das war vielen, die vor allem die Party suchten, zu melancholisch, zu düster vor allem da Portishead zur besten Zeit auftraten, direkt vor Arcade Fire. Aber die Party kam bei diesem Festival definitiv nicht zu kurz. Das Partyzelt auf dem Zeltplatz war brechend voll und auf der Bühne sorgten als weiterer Höhepunkt The Chemical Brothers für flirrende elektronische Klänge mit hypnotischer Light-Show.
Und dann waren da noch Kasabian, The Sounds, Wombats, Selig, und, und, und. Oder anders ausgedrückt: Musikalisch strahlte auf dem Southside-Festival die Sonne.
Weitere Fotos vom Southside sind auf der Facebook-Seite von Zakoo zu finden.
