Zum Abschied fließen Tränen
Die Ujester sind gestern wieder aus Nusplingen abgereist – Ein Wiedersehen gibt's im Herbst
Nusplingen, 31.05.2011 von Katja Weiger-Schick
Wie im Fluge waren die drei Tage des Besuchs vorbeigegangen. „Wir sagen nicht Adieu“, sagte eine Ujesterin und kämpfte mit der Rührung, „sondern nur auf Wiedersehen“. Im nächsten Jahr wollen schließlich die Nusplinger nach Polen reisen. Voraussichtlich im Sommer feiert die Kirche San Andreas Ujazd ihre 400-Jahr-Feier mit einem großen Fest. Dazu sind die Bärataler natürlich eingeladen, wie Bürgermeister Tadeusz Kauch mehrfach versicherte: „Ihr alle seid unsere Freunde.“ Die Partnerschaft der weltlichen Gemeinde besteht jetzt offiziell seit zehn Jahren. Bürgermeister Kauch nimmt extra für die Nusplinger Deutschunterricht.
Doch der Reihe nach. Vor der Abreise stand freilich die Ankunft – und zwar eine leicht verspätete, unter anderem verursacht durch eine Polizeikontrolle. Sichtlich erschöpft kamen die Gäste im Bäratal an – nach knapp 14 Stunden Fahrt. Am nächsten Morgen war die Müdigkeit der Delegation jedoch wie weggeblasen. Die Nusplinger besuchten mit ihren Gästen die Wallfahrtskapelle „Maria Mutter Europas“ in der Nachbargemeinde Bärenthal. Gemeinsam trugen sich Bürgermeister Alfons Kühlwein und sein polnischer Amtskollege Tadeusz Kauch in das Gästebuch des Gotteshauses ein – mit dem Wunsch, die Gemeindepartnerschaft werde weiterhin prosperieren und gedeihen.
Mit unterzeichnet wurde dies von den teilnehmenden Nusplingern und Ujestern. Unter ihnen Georg Banduch, der Vorsitzende des deutschen Freundschaftskreises von Ujazd, der sich seit jeher für die deutsche Minderheit in Oberschlesien stark gemacht hatte. „Für mich ist heute ein großer Tag“, so Banduch sichtlich gerührt. Pfarrer Werner Schygulla, der aus Ujazd stammende und beliebte Nusplinger Urlaubspfarrer, war dieses Mal aufgrund eines wichtigen Kirchenkonzerts zu Hause geblieben. Er kommt aber im September nach Nusplingen. Gern erinnerte man sich zu diesem Anlass daran, wie Kühlwein anlässlich der offiziellen Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Nusplingen Richard von Weizsäcker bemüht hatte: „Freundschaft lässt sich nicht befehlen. „Sie muss wachsen.“
Die deutsch-polnische Freundschaft zwischen Nusplingen und Ujazd ist gewachsen – genauso wie das Gingkobäumchen, das 2001 im Namen der Partnerschaft vor dem Ujester Rathaus gepflanzt worden war. Wie innig und herzlich diese Beziehung mittlerweile ist, zeigte der Umstand, wie viel „Privates“ Platz hatte – und das trotz des abwechslungsreichen Programms, das die Jugendmusiktage in Nusplingen boten. Man kam zum Grillen zusammen, schaute sich die Umgebung an, unterhielt sich bis in die Nacht hinein, tauschte Neuigkeiten aus. Selbstverständlich genossen die musikbegeisterten Ujester das reiche Programm von Blasmusik-Kreisverband und MV Nusplingen. Traditionell sangen die Gäste gestern noch ein polnisches Abschiedslied – und schon bog der Bus wieder ein in die Hauptstraße.
