Musik ist die Sprache der Engel
37. Jugendmusiktage in Nusplingen geraten zum eindrücklichen Plädoyer für die Nachwuchsarbeit
Nusplingen, 30.05.2011 von Katja Weiger-Schick
Lebhaft ging’s im Ort zu – die 37. Jugendmusiktage hatten die Gemeinde fest in ihrer Hand. Und das sehr zur Freude ihrer Bürger, die das muntere Geschehen aufmerksam und mit viel Anerkennung verfolgten. Allerorten waren große und kleine Musikergruppen zu sehen, unterwegs vom Einspielen zum Wertungsspiel, auf der Suche nach einer kleinen Stärkung oder nach dem Handy – um das gute Ergebnis zu Hause mitzuteilen.
Während sich die einen beeilten, pünktlich vor den Juroren ihr Können zu präsentieren, zeigten die anderen bereits erleichterte Mienen – wenn alles prima geklappt hatte. Nicht zuletzt hatten all die jungen Musiker für den großen Tag in Nusplingen viele Wochen eifrig mit ihren Dirigenten geprobt. Keine Frage, dass auch so manche Mama und mancher Papa blass vor den Räumen aufgeregt auf und ab pilgerte. „Manchmal ist es für die Eltern schlimmer“, mutmaßte eine Heinstetter Mutter mit leisem Lächeln zu früher Stunde. Ihre Tochter nahm zum ersten Mal an einem Wertungsspiel teil: „Die Aufregung beim Frühstück war grenzenlos.“
Aufregung auf der einen, geübte Betriebsamkeit auf der anderen Seite. Der Nusplinger Musikverein um seinen Vorsitzenden Hans Klaiber hatte in den vielen Wochen der Vorbereitung ganze Arbeit geleistet: Rund 600 Jugendliche galt es logistisch zu versorgen und in die richtige Räumlichkeit zu bringen. Doch der MV leistete diese Herkulesaufgabe mit Bravour: Alles lief wie am Schnürchen. Deshalb dankte Klaiber beim Festakt am Samstag in der Alten Friedhofskirche vor allem seiner Vereinsmannschaft: „Jugendarbeit hängt nicht nur am Jugendleiter allein. Da müssen alle mitziehen.“ Klaibers kurze Begrüßungsrede – ein einziges Plädoyer für die Arbeit am musikalischen Nachwuchs. „Wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen“, betonte der Nusplinger Vereinschef nachdrücklich: „Die Zukunft gehört demjenigen, der in der Gegenwart handelt.“ Ein Ball, den der Vorsitzende des Blasmusik-Kreisverbands, Josef Braun, gern aufnahm. Auch er stellte die Rolle der Jugendarbeit seinen Ausführungen vorne an: „Ich als Nusplinger habe heute ein Heimspiel, und mir geht das Herz auf, wenn ich sehe, wie viele junge Musikanten bei uns zu Gast sind.“
Bürgermeister Alfons Kühlwein indes hielt sich an die Poesie: „Musik ist die Sprache der Engel.“ Matthias Frankenberg, der Erste Landesbeamte des Landkreises, hatte eigenen musikalischen Nachwuchs mitgebracht: seinen Sohn nämlich, der seit knapp zwei Jahren Trompete spielt. Bereits am Freitag hatte sich gezeigt, dass die besten Geschichten das Leben schreibt: Beim offiziellen Fassanstich klappte zunächst alles wie am Schnürchen. Gut gekühlt floss der Gerstensaft aus dem Fässchen, als sich plötzlich mit einem Ruck der Hahn in die Weite der Halle verabschiedete. Die Nusplinger erwiesen sich als wahre Improvisationsmeister. In kürzester Zeit war die ordentlich in Mitleidenschaft gezogene Halle wieder trocken. Selten wohl wurde das Wort feucht-fröhlich so wörtlich genommen...
