Sade

Stuttgart, 12.05.2011

Sternstunde mit Sade

Schön, aber selten: das sind nicht nur die Album-Veröffentlichungen der ­ nach ihrer Sängerin benannten ­ Gruppe Sade, sondern auch ihre Live-Auftritte. 18 Jahre haben die deutschen Fans warten müssen, bis die Gruppe um die britisch-nigerianische Sängerin Helen Folasade Adu, genannt Sade, wieder einmal die hiesigen Konzerthallen betrat.

Das Warten hat sich belohnt ­ auch wenn es beim Gastspiel in Stuttgart noch ein wenig verlängert wurde. Knapp eine Stunde zog ins Land zwischen dem herzhaften Auftritt der jamaikanischen Band The Jolly Boys und dem Hauptact. Manche Fans wurden da ungeduldig, Sade wurde außer mit Jubel auch mit Pfiffen empfangen.

Aber wer immer da auch die Finger zwischen die Zähne gesteckt haben mag, er dürfte sie schnell wieder herausgenommen haben. Denn die knapp 9000 Zuschauer, die in die fast ausverkaufte, bestuhlte Schleyerhalle gekommen waren, wurden Zeuge einer der Sternstunden der Popmusik, einer Demonstration von stilsicherem Geschmack und zeitloser Songperlen.

Der Reihe nach: Im rot beleuchteten Nebel tritt Sade als Silhouette auf die Bühne, es wummert sich der "Soldier of Love" durch die Boxen in die Ohren der Fans. Ein sperriges Stück, weit weg von der geschmeidigen, schwerelosen Eleganz, mit der Sade in den 1980er-Jahren den großen Durchbruch schafften.

Es wirkt wie ein Wegweiser: Nein, wir sind nicht stehen geblieben. Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen, scheinen die Musiker sagen zu wollen. Um dann gleich einen drei Jahrzehnte großen Spagat zu machen, von der zuletzt im
vergangenen Jahr veröffentlichten Single hin zu ihrem Debüt aus dem Jahr 1984: "Your Love Is King". Und da erklang er dann, der sanfte Schmelz des Saxofons von Stewart Matthewman, der eben noch die sperrige Gitarre in der Hand hielt.

Und so geht es gerade weiter: Hier wird lauschige Jazz-Club-Atmosphäre erzeugt, dort treiben die Rhythmen und Gitarrenriffs. Hier darf loungig gechillt werden, dort kommt das Tanzbein zum Zug, wummern die Bässe im Bauch. Das Programm, das Sade da zusammengestellt haben, ist ziemlich perfekt ausbalanciert. Immer gerade dann, wenn die sanften Soul-Jazz-Klänge drohen, davon zu gleiten, wird das Tempo angezogen ­ und umgekehrt.

Und schon schnell weiß man gar nicht mehr, was "alt" und was "neu" ist, bei diesem Wechselbad der Gefühle. Dazu gelingt es der Band und vor allem der Sängerin, Bilder, ja ganze Filme für das Kopfkino zu erzeugen. Bei "Jezebel" mag Sade zwar entspannt am Bühnenrand sitzen und ihre glasklare Stimme getragen durch die Oktaven treiben, als Zuschauer fühlt man sich aber geradezu in einen Film-Noir versetzt, der in den Häuserschluchten Manhattans
spielt ­ dampfende Kanalschächte inklusive.

Oder bei "Is It A Crime": Hier wird mit Vorhängen die Bühne derart gestaltet, dass man sich in einem kleinen Jazz-Club wähnt und nicht in der riesigen Schleyerhalle. Überhaupt, das Bühnen- und Lichtdesign: Mit Hilfe einer einfachen Projektion auf einen transparenten Vorhang scheint Sade plötzlich mitten in einem Fluss zu stehen ­ einer magischen Wasserfee gleich.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Fans nicht wieder geschlagene 18 Jahre auf solch einen Auftritt dieser Band warten müssen.

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Konzert, Musik, Wochenblatt.

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