Aus Geldnot: Stammgast erpresst Wirt

Opfer soll Geldumschlag aus dem Zug werfen – Dabei schnappt die Falle der Polizei zu

Albstadt-Ebingen, 21.04.2011

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Ein 46-jähriger Albstädter wollte seine Geldnot durch einen Erpressungsversuch lindern. Als Opfer suchte er sich den Wirt seines Stammlokals aus. Bei der Geldübergabe klickten die Handschellen.

. Wie die Polizeidirektion Balingen mitteilt, wurde der Gastwirt schon seit Ende März erpresst. Er hatte von einem Unbekannten mehrere Briefe erhalten, in denen er aufgefordert wurde, mehrere tausend Euro zu bezahlen. Der Mann musste annehmen, dass ihm und seiner Familie ansonsten Gefahr droht. Eine Woche, nachdem die ersten Schreiben im Briefkasten lagen, wandte sich der Gastwirt an die Polizei. Die Erpresserbriefe waren auch für die Beamten schwer zu deuten: Der Täter benutzte ein elektronisches Übersetzungsprogramm, mit dessen Hilfe er seine Forderungen in die Muttersprache des Gastwirtes übersetzte. Ein offensichtlich schwieriges Unterfangen, denn die Erpresserschreiben waren „wohl hauptsächlich aus diesem Grund zum Teil schwer verständlich und die genaueren Absichten des Schreibers nicht immer eindeutig“, heißt es in der Mitteilung der Polizeidirektion.

Was dann geschah, hat fast schon „Tatort-Qualität“: Am Dienstag vergangener Woche ging der vierte Erpresserbrief bei dem Gastwirt ein. Der Unbekannte kündigte in dem Schreiben an, dass am Donnerstag darauf die Übergabe des Geldes erfolgen solle. Am Mittwoch folgte eine SMS auf das Handy des Opfers, in der erstmals in deutscher Sprache Anweisungen erfolgten. Am Donnerstag wurde der Erpresser dann konkret: Der Wirt sollte sich am Abend in den Zug setzen und das Geld auf Kommando in einem Briefumschlag auf der Fahrt zwischen Reutlingen und Sigmaringen aus dem Fenster des Zuges werfen. Das Opfer folgte den Anweisungen

Kurz nachdem der Zug den Balinger Bahnhof gegen 21.30 Uhr verlassen hatte, erhielt der Gastwirt den Befehl zum Handeln und warf den Umschlag aus dem Fenster des fahrenden Zuges. Was der Täter nicht ahnte: Die Polizei observierte die Strecke und hatte bereits einen Verdächtigen in der Nähe der Zughaltes Balingen-Süd im Visier. Dieser begann die Bahngleise nach dem Geldumschlag abzusuchen und wurde gegen 21.45 Uhr vom mobilen Einsatzkommando der Polizei festgenommen.

Die Beamten durchsuchten die Wohnung des 46-jährigen Deutschen und fanden dabei weitere Beweismittel. Wie die Polizei mitteilt, wurde der Mann „nach erkennungsdienstlicher Behandlung auf Weisung der Staatsanwaltschaft Hechingen wieder auf freien Fuß gesetzt“.

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 46-jährigen Albstädter, der in der Gaststätte Stammgast war. Als Motiv für seine Tat gab er akute Geldnot an.

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