Bei Leiden hilft der Schraubenschlüssel
Tischfußballturnier in Benzingen lässt im TSV-Vereinsheim die Tische glühen
Winterlingen-Benzingen, 15.03.2011 von Katja Weiger-Schick
Der TSV Benzingen hat wieder zu seinem Tischfußball-Turnier eingeladen. Den kompletten Fußballsport gibt es zu diesem Anlass ausschließlich im Kleinformat. Fröhlich drehen die Mini-Männchen, geschickt dirigiert von den Sportlern am Kickertisch, ihre Runden. Im vollen Benzinger Vereinsheim geht’s hoch her; den Fußballern macht der kleine Bruder ihres Sports augenscheinlichen Spaß: „Bei uns schießt heute sogar der Torwart die Buden…“
Es entwickelt sich sogar so etwas wie Ehrgeiz – auch wenn der olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“ eindeutig im Vordergrund steht.
Der Veranstalter des etwas anderen Sportevents ist die A-Jugend der Spielgemeinschaft Benzingen/Harthausen, die mit dem Erlös etwas für ihre Mannschaftskasse tun will. Die Jungs sind reiselustig und planen demnächst wieder eine Ausfahrt. Nachwuchsarbeit steht beim TSV Benzingen überhaupt hoch im Kurs: „Uns ist wichtig, dass unsere Jugendlichen auch selbst einmal etwas auf die Beine stellen“, sagt Trainer Thomas Oswald, „wie gut das klappt, zeigt dieser Abend.“
In der Tat: An den Hightech-Kickertischen wird engagiert um jeden Punkt gerungen. Insgesamt 16 Mannschaften à zwei Teilnehmer spielen den Titel des Vereinsmeisters aus. Viele neugierige Zuschauer drängen sich um die Tische, fachsimpeln über verschiedene Turniersysteme und Taktiken. Gekämpft wird um jeden Ball – bis dieser wieder klackernd in einer der beiden Torraum-Mulden verschwindet. „Was für eine Bude“, reißt plötzlich ein Teilnehmer die Siegesfaust in die Luft. In der Tat: Da hat die Abwehr des Gegners sauber gepennt: Der Ball ist drin.
Manch ein Zaungast fiebert nicht nur mit, sondern gibt auch vermeintlich gute Tipps. Denn wer zwei Sätze hintereinander verliert, findet sich im Ergebnisplan auf der Verliererseite wieder. Ausgespielt werden immer zwei Sätze; ein Satz dauert an, bis ein Team fünf Tore auf seinem Konto hat. Danach gibt’s, wenn nötig, ein Entscheidungsmatch. Kein Wunder, dass die starren, kleinen Fußball-Männchen an den langen Metallstangen dicke Backen machen: Sie müssen ganz schön viel arbeiten. Die Akteure am Kickertisch hingegen bekommen zur Abwechslung einmal warme Handflächen statt lahmer Beine.
Schiedsrichter Gaiser und sein Kollege Simon Hahn werfen wie beim „echten“ Fußball ein Auge auf Fairness und Regeln. „Alle verhalten sich ganz friedlich“, schmunzelt Rainer Gaiser. Nein, rote Karten gibt es keine – die Sache mit dem „Platzverweis“ dürfte wohl auch etwas schwierig werden. Höchstens einmal, dass ein Mini-Kickermännchen wegen Dauereinsatzes eine Schraube locker hat oder das Spielfeld etwas Staub „zieht“. Aber da hilft Gaiser ganz unbürokratisch mit Schraubenschlüssel oder Putzlumpen nach. Der Form halber: Gewonnen haben das Turnier Berthold Henselmann und Markus Fritz. Aber wie gesagt: Das stand nicht im Mittelpunkt.
