Die Ideengeberin im Hintergrund
Ellen Sieber im Portrait: Sie hält ihrem Mann den Rücken frei – Am Schmotziga ist erste Frauenfasnet
Winterlingen-Benzingen, 02.03.2011 von Bianka Roith
„Ich bin auf gleicher Ebene wie die anderen Zunftfrauen und wir haben eine gute Kameradschaft“, erzählt sie. Sie bleibe gerne im Hintergrund und halte ihrem Mann den Rücken frei. „Es ist ja wichtig, dass er ausgeglichen ist“, so Ellen Sieber. „Außerdem will ich mich lieber anlehnen können und nicht das Sagen haben.“
Doch wer glaubt, sie sei nur das kleine Frauchen von Walter Sieber, der irrt. Sie hat durchaus auch ihren eigenen Kopf. „Er macht nichts, wo ich dagegen bin“, versichert sie. Und auch die Ideen, zum Beispiel für putzige Schnapsfläschchen fürs große Doppel-Ringtreffen, stammen von ihr. „Ich hab einen Gedankenblitz – und er muss es umsetzen“, erzählt sie und grinst. Manchmal sei es aber auch Gedankenübertragung.
Ellen und Walter Sieber sind ein eingespieltes Team. Und das schon seit 1975. Damals lernte sie ihn kennen und war anfangs nicht sonderlich interessiert. Doch dann funkte es und im Mai 1981 wurde geheiratet. Ellen Sieber stammt ursprünglich aus Straßberg. Durch sie kam Walter Sieber erst zur Fasnet. Zwei Jahre ging’s immer in der fünften Jahreszeit in den Skiurlaub, doch dann war Schluss mit der Flucht vor dem närrischen Treiben. Im Jahr der Hochzeit zog das Paar nach Benzingen und trat in die Germanenzunft ein.
Vor der Hochzeit hatte Ellen Sieber bei der Textilfirma Robert Bitzer, Rojona, gearbeitet, doch als 1982 der erste Sohn zur Welt kam, blieb sie daheim, kümmerte sich um Kind und Haus. Im Jahr 1986 kam dann Sohn Nummer zwei. Heute arbeitet Ellen Sieber bei der Gemeinde, hält die Paul-Hepp-Schule in Benzingen und das Haus der Vereine in Ordnung. „Ich arbeite sehr gerne bei Kindern, das ist schön familiär“, erzählt Ellen Sieber. Außerdem wird sie einbezogen und zu den Festle eingeladen. „Die Frau, die um alles guckt, dass alles funktioniert und klappt“, wird Ellen Sieber von Schulleiterin Doris Baumann gerne genannt.
Erreicht die Fasnet ihren Höhepunkt, am Schmotziga, trifft man Ellen und Walter Sieber selten zusammen an. „Ich sollte da sein, wo Du nicht bist“, lautet das Credo. Deshalb befreit Walter Sieber die Schüler und stürmt das Winterlinger Rathaus, während Ellen Sieber im Backhaus in Benzingen mit dabei ist und für die Verköstigung der Gäste mit Leckereien sorgt. Wenn es irgendwo klemmt, etwa bei einer Veranstaltung, hilft Ellen Sieber immer mit. „Ich möchte keine Menschen herumschicken, ich tue es lieber selber“, sagt sie. Nur beim Ringtreffen durfte sie sich zurückhalten.
Bei großen Veranstaltungen ist sie stets bereit, zurückzustecken und anderen Zunftmitgliedern den Vortritt zu lassen. Doch Walter Sieber will seine Frau Ellen an seiner Seite haben. „Ihm ist wichtig, dass ich mitgehe.“ Unterstützung bekommt Walter Sieber aber auch bei seinem Amt als Ortsvorsteher: „Das war ein Ziel, das er sich gesteckt hat. Und wenn er diesen Weg gehen will, soll er das tun. Und ich stehe neben ihm.“
Bei den Hobbys stehen bei Ellen Sieber an erster Stelle natürlich die Germanen und der Sport. „Ich möchte wieder damit anfangen, mit Aquafit, damit ich wieder mehr für mich tue.“
Ihr Ding ist aber auch der Western. „Dann beißt mein Mann auch mal wieder in den sauren Apfel und fährt mit mir nach Bad Segeberg“ oder begleitet sie ins Musical, eine weitere Leidenschaft von Ellen Sieber.
Für diese Fasnetssaison hat sie sich mit Doris Mordan und Elke Lang etwas besonderes ausgedacht: Am Schmotziga veranstaltet das Damen-Trio die erste Frauenfasnet in Benzingen.
