Geislingen, 28.02.2011

„Wie schön’s doch im Rössle war…“

Lobgesänge ohne Ende auf Geislingens Traditionsgaststätte bei der 50. Prunksitzung

„Wie schön’s doch im Rössle war…“
Freude ob der gelungenen Büttenreden und der akrobatischen Darbietungen, Trauer ob des Abrisses des „Rössle“. Mit gemischten Gefühlen feierten Geislingens Narren ihre 50. Prunksitzung.

Es war die allerletzte Prunksitzung im traditionsreichen „Rössle-Saal“, der bald schon einem Discounter weichen wird. Dementsprechend geprägt war auch das Programm, immer wieder wurde zurückgeblickt auf tolle Jahre und ein bisschen getrauert, aber auch nach vorne geschaut, wenn die Prunksitzungen andernorts in der Gemeinde abgehalten werden.

Der Stimmung tat der Abschiedsschmerz keinen Abbruch. Die Sitzung am Samstagabend, für die die Eintrittskarten jedes Jahr sehr begehrt sind, war wie immer gut besucht. Bunt verkleidete Fasnetswütige jeden Alters tummelten sich im Saal und ließen sich durch das abwechslungsreiche Programm unterhalten.

Los ging es mit den Fanfaren und einem Prolog durch Peter Kühne, der auf den bevorstehenden Abend einstimmen sollte. Nach dem Einmarsch und der Begrüßung durch Sprecher Alfred Bisinger, der durch den Abend führte, erwies das Prinzenpaar, bestehend aus Prinz Manuel I. und Prinzessin Melanie I., dem Publikum die Ehre, in einer Thronrede zu den Anwesenden zu sprechen. Das kleine Spandalenballett begeisterte mit einem Huldigungstanz, und dann folgte auch schon die erste Büttenrede. Anton Laux nahm den Zunftrat auf die Schippe. Nach einem traditionellen Gardetanz, der natürlich auch nicht fehlen darf, und einem „Schwenzle“ von Rainer Haag hieß es Bühne frei für den Spandalechor, der aus der Geislinger Fasnet nicht mehr wegzudenken ist. Ganz in weiß als „Rösslegeister“ blickten sie auf die Vergangenheit zurück, amüsierten sich über den Gemeinderat und „merkwürdige“ Baumaßnahmen – wie dem Buswartehäuschen ohne Sitzplätze. Immer wieder gingen sie darauf ein, dass es sich um die letzte Sitzung im Rössle-Saal handelte und dort nun bald ein Supermarkt stehen soll. Das Lied „Rössle Ade“ trugen sie mit der gleichen Begeisterung vor wie ein Lied zu Ehren des Wirtes Herrmann Kübler, der „ein echter Freund“ sei.

Einer vom „BüB“, also vom Bürgerbüro, ist Hubert Gulde, der sich als nächster Büttenredner auf die Bühne begab. Nach einer kurzen Erwähnung seiner vielen Tätigkeiten – schließlich müsse sich „das Ehrenamt auch lohnen“ –, und des„Fürsten vom Zollernalbkreis“, Günther-Martin Pauli, ging auch er auf den bevorstehenden Abriss des Rössle-Saals ein, der ihnen „ein Wahrzeichen raube“. Allerdings hatte er auch „eine Lösung in petto: in Zukunft trifft man sich einfach im Netto“.

Zu rockigen Gitarrensounds brachte anschließend das mittlere Ballett als „Rock Queens“ die Bühne zum Beben. Bei den wahnwitzigen Hebefiguren sparte das Publikum auch nicht mit begeisterten Ausrufen.

Das Thema Netto beschäftigte auch „Roghurt“ Roland Scherer, der alles aus der Sicht eines Joghurtbechers schilderte. Er war zunächst verwundert, schließlich hätte er doch gedacht, er „käme ins Supermarktregal und nun sei er im Rössle-Saal gelandet“.

Einen Zirkus der anderen Art präsentierte anschließend das große Ballett mit seiner „Freak.-Show“. Clowns, Generäle, Artisten und Balletttänzerinnen nahmen die Zuschauer mit auf eine Reise zwischen Genialität und Wahnsinn.

Auch nicht fehlen durfte natürlich die Kultfigur des „Brellers“, dargestellt durch Karl Eith, der auch am vergangenen Samstag wieder einige Gründe zum Weinen fand. Ob es nun um seinen Enkel ging, der in der Schule nicht mehr „Schwäbisch schwätzen“ darf, um seine Gesänge in der Dunkelheit, um die Angst zu vertreiben oder um seine Versuche als Almöhi, das Publikum kam aus dem Lachen fast nicht mehr heraus.

Zu guter letzt war der Spandalechor noch einmal dran und blickte in seiner „Spandalusischen Schlagerparade“ auf die großen Ereignisse des letzten Jahres zurück. Da durften die WM, das schwedische Königshaus, aber auch Lena in Oslo und die Klimaanlageausfälle in den ICEs nicht fehlen.

Mit einem selbst geschriebenen Lied zum Abschluss sollte noch einmal dem Rössle-Saal gehuldigt werden. „Wir werden wohl nie vergessen wie schön es im Rössle war“ tönte es von allen Seiten, niemanden hielt es mehr auf den Sitzen und sogar das Prinzenpaar erhob sich.

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Fasnet.

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