Ungermann ist Kronprinz Josef I.

Schultes wird auf einer Sänfte getragen – Fünf Stunden Show im „Fasnetsland der Unholda“

Obernheim, 28.02.2011 von Volker Schweizer

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Dass ein Bürgermeister auf einer Sänfte getragen wird, kommt nicht alle Tage vor. In Obernheim hatte Schultes Josef Ungermann am Samstag die große Ehre, „sein“ Volk von oben herab zu grüßen.

Anscheinend sind sie mit ihrem neuen Chef zufrieden, die fasnetsverrückten Heuberger, denn beim Hexen-Zunftabend kürten sie Ungermann zu ihrem Kronprinzen. Als Hofnarr wollten ihn nur die wenigsten sehen. Kronprinz Josef I. musste als „Fixstern am Narrenhimmel“ aber versprechen, das Brauchtum weiter sprießen zu lassen und dafür Sorge zu tragen, dass an den „Feiertagen“ vor dem Rathaus eine Bühne aufgebaut wird.

Hofnarr oder einfaches Gefolge? Unter der strengen Aufsicht von Landrat Günther-Martin Pauli und Staatssekretär Hubert Wicker verlief auch diese Abstimmung ziemlich eindeutig. Georg Maier, der laut Zunftmeister René Schatz nur das Rathaus als einzig renovierungsbedürftiges Gebäude zurückgelassen hat, bekam die klingende Narrenkappe aufgesetzt und das Zepter überreicht. Der Aufforderung, zum Lied „Schön war die Zeit“ durch den Saal zu jucken und Schabernack zu treiben, kam er gerne nach.

Die närrische Wahl war nur ein Höhepunkt während der über fünfstündigen Mammutshow „im Fasnetsland der Unholda“. Ihre Gespielinnen hatten sich wieder über den Alten Rottweiler Weg ins Tal aufgemacht, um einige Peinlichkeiten im „Flecka“ aufzudecken. Dann wirbelten auch schon flotte Beine übers Parkett. Unter Leitung von Kathrin Baumgärtner tanzte das Hofballett. Die hübschen Mädels bekamen zu später Stunde noch Unterstützung von drei jungen Herren. Bei den akrobatischen Einlagen im Tanz „In 80 Tagen um die Welt“ und den Abstechern in Amerika, Frankreich und England waren starke Hände dringend von Nöten.

Wie es sich für eine „richtige“ Fasnet gehört, wurde das Ortsgeschehen mehrfach glossiert – eine Paraderolle für Alex Moser, der seit 50 Jahren in der Fasnet aktiv ist. Als lebende Begrüßungsstele nahm er kein Blatt vor den Mund. Die Herbergssuche der Sparkasse habe in einem „Apfelkistle“ geendet, scherzte der Obernarr zum Beispiel. Auch der anwesende MdL Hans-Martin Haller bekam sein Fett ab. Die „Hofminnesänger zu Oberhan“ gingen noch einen Schritt weiter, sie nahmen stimmgewaltig den Verteidigungsminister und das umstrittene Bahnprojekt „Stuttgart 21“ auf die Schippe.

Da der Landrat beim Amtswechsel auf dem Rathaus die Blumen für die Bürgermeister-Frauen vergessen hatte, holte er dies nach und überreichte einen Strauß voller Nudeln. Bei der nachfolgenden Sendung „Wetten, dass ...?“ stand er zusammen mit der Prominenz, darunter auch Pfarrer Renny Mundenkurian, erneut im Mittelpunkt, um das Badner-Lied in abgewandelter Form zu trällern. Alle Wetten, die sich die 20er ausgedacht hatten, wurden übrigens gewonnen. Der Bauhof-Chef erkannte verschiedene Streusalz-Sorten am Geräusch, Fritz Moser aus 1000 Hexen den Besen der Unholda Moserin und Sebastian Moser am bloßen Geruch der Kleidung die Lieblingskneipen seines Vaters.

Amüsantes wusste Jutta Schuler von ihrer Hongkong-Reise zu berichten. Noch mehr angetan war sie von ihrem anschließenden Besuch bei einer Tupper-Party. Zu später Stunde musste noch das Rote Kreuz ausrücken. Die Sanitäterinnen Carmen Steger und Claudia Neher suchten ihr „Opfer“ allerdings vergeblich. Daher musste kurzerhand Ritter Konradin (Joachim Schnell) herhalten.

Weit nach Mitternacht war es dann, als Moderator Jürgen Moser noch einmal alle Akteure auf die Bühne rief und nach Dank und Lob zur weiteren Teilnahme an der Obernheimer Fasnet aufrief. Die Hexerei wird am „Schmotziga“ mit dem Sturm aufs Rathaus fortgesetzt. Und am Fasnetsonntag wartet auf die „Unholda Moserin“ nach dem Umzug ein ganz und gar nicht mildes Urteil...

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