Bei 560 Frauen wird „lebensrettende Diagnose“ gestellt

Professor Dr. Michael Bitzer teilt Ergebnis der ersten Screening-Runde im Kreis mit und wirbt für die Mammografie

Zollernalbkreis, 10.02.2011 von Rosalinde Conzelmann

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Sind die Strahlungen schädlich? Warum hört man mit 69 Jahren auf? Professor Dr. Michael Bitzer beantwortete nach seinem aufschlussreichem Referat über die 1. Screening-Runde im Zollernalbkreis noch zahlreiche Fragen der rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Es waren deutlich mehr Frauen als Männer, die am Dienstagabend im Konferenzraum der Balinger Stadthalle den Worten des Mediziners aufmerksam zuhörten. Professor Dr. Michael Bitzer ist medizinischer Direktor und geschäftsführender Chefarzt des Zollernalb-Klinikums, an dessen Standort Albstadt das Brustzentrum angesiedelt ist. Er ist neben den für das Screening-Programm hauptverantwortlichen Ärzten PD Dr. Ute Kranick-Strobel und Dr. Martin Majer der Kopf der Ärztegruppe, die für die Auswertung der Mammografie-Untersuchungen zuständig ist. „2010 habe ich mir 8000 Mammografien angeschaut“, so der Mediziner, der nicht verhehlte, „dass ich heute mit meinem Vortrag auch Werbung für die zweite Screening-Runde machen möchte“.

Es gäbe immer wieder beunruhigende Pressemitteilungen hinsichtlich des Nutzens der Mammografie. „Dabei ist die Reduktion der Sterblichkeit anhand mehrerer wissenschaftlicher Studien bewiesen“, betonte der Mediziner. Die Mammografie sei eine unangenehme Untersuchung, räumte er ein. Die Brust werde aber durch die Kompression nicht geschädigt. Auch die Strahlenbelastung befinde sich in einem „akzeptablen Bereich“. Bitzer wies aber auch darauf hin, „dass die Mammografie nicht den Frauenarztbesuch ersetzt“.

Er machte noch einige generelle Feststellungen zur Häufigkeit von Brustkrebs und dem Screening-Verfahren: „Zwischen 35 und 50 Jahren ist Brustkrebs die häufigste Todesursache bei Frauen überhaupt.“ Mit jedem Lebensjahr steige das Risiko an. Das Screening werde deshalb seit 2005 flächendeckend allen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren angeboten. „Dabei suchen wir Vorstufen zum Krebs“, stellte er klar – „deshalb sollte nur die gesunde Frau zur Mammografie gehen“. Bitzer wies auf den hohen Qualitätsstandard der Untersuchung hin: „Jede Mammografie wird zwei unabhängigen Ärzten zur Beurteilung vorgelegt.“ Dank der frühen Diagnose könnten die Patienten in den meisten Fällen auch schonender behandelt werden.

Ganz Baden-Württemberg ist in zehn Screening-Einheiten eingeteilt. Der Zollernalbkreis bildet mit den Kreisen Reutlingen und Tübingen die sechste Einheit. Dort hat das Mammografie-Mobil erst 2009 seine Fahrt aufgenommen. Seither haben sich von den insgesamt 126 000 angeschriebenen Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren 72 000 in der mobilen Praxis untersuchen lassen.

Dabei wurde in den zwei Jahren bei acht von 1000 Frauen ein Karzinom entdeckt. Insgesamt wurde bei 560 Frauen eine „lebensrettende Diagnose“ gestellt, so Bitzer, der noch darauf einging, welche Art von Tumoren entdeckt wurden. Der Anteil der Tumore, die als Vorstufen von Krebs in den Milchgängen sitzen, lag bei 22,3 Prozent. 77,7 Prozent waren Karzinome, die streuen könnten. Fast ein Drittel der festgestellten Tumore war kleiner als zehn Millimeter. Bei 76 Prozent der gestellten Diagnosen seien die Lymphknoten nicht befallen gewesen.

Bitzer ermahnte die Zuhörer am Schluss seiner Ausführungen, die Vorsorgetermine bei ihrem Frauenarzt nach wie vor wahrzunehmen, denn „ein Mammografie-Screening ist nichts Absolutes, sie dürfen sich nicht blind darauf verlassen“. Es gebe nämlich auch Tumore, die sehr schnell wachsen können. Seine weitere Empfehlung: „Gehen Sie auch weiter alle zwei Jahre zur Mammografie, wenn sie über 69 Jahre alt sind.“ Er bedauerte, dass das kostenlose Programm derzeit mit 69 Jahren endet. „Wir Mediziner hoffen aber, dass es weitergehen wird, da nun der erste Schritt gemacht ist.“

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