Solistin bietet überragende Leistung
Aufführung von Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ wird zu einem Höhepunkt im Musikleben Albstadts
Albstadt-Ebingen, 09.02.2011 von Wilfried Groh
Freudestrahlend stellte Dr. Wolfgang Blickle vom Lions Club Balingen bei seiner Begrüßung fest, dass alle Plätze in der Albstädter Festhalle bei diesem Benefizkonzert zugunsten der Jugendarbeit der Orchesterfreunde Albstadt und der Arbeit an Grundschülern der Kunst- und Musikschule Albstadt besetzt sind.
Auch Oberbürgermeister Dr. Jürgen Gneveckow, ebenfalls hoch erfreut über den starken Besuch, hob in seinem Grußwort einerseits das uneigennützige Engagement der Lions für das Gemeinwohl hervor, andererseits den großen Anteil von Brigitte Wendeberg an der Musikszene Albstadts.
Auf dem Programm der Orchesterfreunde Albstadt stand das berühmteste Werk des italienischen Komponisten der Barockzeit: Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“. In vier selbstständigen Konzerten für Solovioline, Streicher und Basso continuo werden dabei auf musikalische Weise Frühling, Sommer, Herbst und Winter so dargestellt, wie sie in den von Sibylle Biermann-Rau eindrucksvoll vorgetragenen Sonetten geschildert wurden. Überragende Solistin in diesen Konzerten war die jugendliche Eva Unterweger mit ihrer Violine, die eine überragende, reife Leistung bot. Virtuos und zugleich ausdrucksvoll war ihr Spiel, einfach brillant und überzeugend.
Bestens aufgestellt waren auch die Streicher der Orchesterfreunde Albstadt. Unter dem umsichtigen und präzisen Dirigat von Brigitte Wendeberg zeichneten sie sich durch große Spielfreude und differenziertes Spiel aus, mal machtvoll in den Tuttipassagen, mal exakt agierend in dem wundervollen Wechselspiel mit der Solistin oder bei deren einfühlsamen Begleitung. Mit Ellen Winkel-Lim, Violoncello, und Wolfgang Ehni, Cembalo, war die Generalbassgruppe bestens besetzt.
Schon das erste Konzert „Frühling“ ließ im ersten Satz durch seinen beschwingten Orchesterklang aufhorchen. Die Solistin und die Violinen imitierten mit Läufen und Trillern Vogelstimmen. Vor dem Hintergrund kraftvoller Tremoli erinnerten schnelle Läufe und kurze Solopassagen an Gewitter. Entzückend war, wie im zweiten Satz ein unter Bäumen ruhender Schäfer durch zarte Melodien dargestellt wurde. Mit einem lieblichen, abwechslungsreichen Reigen schloss das erste Konzert.
Beim zweiten, dem Sommer, wurde im ersten Satz eindrücklich die träge Sommerstimmung musikalisch nachgezeichnet. Zum anderen erlebte man Zwischenspiele mit Anklängen an Vogelstimmen, dann lebhaftere Passagen, die an aufkommende Winde erinnerten. Im Mittelsatz wurde durch die melodiöse Solovioline ein schläfriger Hirte gezeichnet, der durch Mückenschwärme in Form von Orchestereinwürfen gestört wurde. Im abschließenden Presto brach in einem Klanggemälde der Sturm los und man spürte, wie Hagel, Blitz und Donner übers Land brausten.
Beim dritten dem Herbst gewidmeten Konzert ,wurde im ersten Teil in einem freudevollen Tanz ausgiebig Erntedank gefeiert. Bei der verklärten Schlaf- und Traumszene des Mittelsatzes ließen die zarten Sordinoklängen das Cembalo gut hörbar werden. Im abschließenden Allegro wurde eine Jagdszene eindrucksvoll portraitiert. Behände Passagen der Solovioline verdeutlichten die Furcht des flüchtenden Wildes.
Beim vierten Konzert, dem Winter, konnte man durch die pochenden Klänge des Orchester im ersten Satz die in Kälte erstarrte Welt drastisch erleben. Im anschließenden Largo gab es eine Idylle am heimischen Kamin mit den schmeichelnden Figuren der Solovioline zu den Pizzicato-Klängen des Orchesters.
Der Finalsatz war schließlich eine musikalische Studie über Lust und Leid des Eislaufens, ehe der Satz mit einem energischen Tremolo endete. Mit langanhaltendem, frenetischem Beifall dankten die begeisterten Zuhörer der Solistin und dem Orchester für diesen einmalig schönen Hörgenuss.
Mit der Sarabande aus der 2. Partita für Solovioline von Johann Sebastian Bach als Zugabe gab Eva Unterweger nochmals eine Kostprobe ihres außergewöhnlichen Könnens. Noch eine weitere Zugabe war nötig: ein Satz aus dem Konzert, das Vivaldi dem Winter gewidmet hat.
