Appell: An alten Bräuchen festhalten

Ringpräsident, Germanenchef und Ortsvorsteher: Walter Sieber ist in dreifacher Funktion gefordert

Winterlingen-Benzingen, 02.02.2011 von Volker Schweizer

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Beim Doppelringtreffen in Benzingen ist Walter Sieber in dreifacher Funktion gefordert: Als Ringpräsident, als Chef der gastgebenden Germanen und als Ortsvorsteher.

Dem Tausendsassa muss deshalb aber nicht bange sein. Denn „seine“ Zunft unterstützt ihn nach Kräften. Vor allem freut er sich darüber, dass sich auch der Nachwuchs stark einbringt. „Wir haben ein Potenzial an sehr guten Leuten.“ Insgeheim hat er deshalb die Hoffnung, dass sich aus diesem Kreis auch ein Nachfolger für die Spitze der Germanen finden wird. Bei der nächsten Hauptversammlung will er die Führung nach 22-jähriger Vorstandstätigkeit in jüngere Hände geben.

„Du bist eingefahren, es fehlt an Ideen“, begründet der 55-Jährige seine Entscheidung. Ein Resümee kündigt er für den Festakt am 11. November an. An diesem Abend lässt die Germanenzunft ihre 40-jährige Geschichte Revue passieren.

Mit Stolz erfüllt ihn die „Fasnetsverrücktheit“ seiner Söhne. Beide sind Maskenträger und engagieren sich im Festausschuss. Der 24-jährige Dirk ist außerdem Mitglied im Narrenrat und verantwortlich für die Internetseite und den Barbetrieb im Zelt. Als Gruppenleiter der Feuerwehr und Mitarbeiter des Bauhofes wurden Kevin Sieber (28) die Aufgaben Technik und Verkehrsregelung übertragen.

Seit fünfeinhalb Jahren ist Walter Sieber auch Präsident des Narrenfreundschaftsringes Zollern-Alb. Seine Bilanz fällt durchweg positiv aus: „Diesen Job möchte ich gerne ein paar Jahre weiter machen.“ Im Präsidium herrsche ein freundschaftliches Verhältnisse. Und auch außerhalb der Fasnet pflegen er und seine Frau Ellen Kontakte zu „tollen, neue Kameraden“. Nicht missen möchte Sieber die Tagungen der Arbeitsgemeinschaft süddeutscher Narrenvereine und -verbände. Dabei könne man viele neue Erkenntnisse und Eindrücke sammeln.

Von Fasnetsmüdigkeit ist bei Walter Sieber also keine Spur zu erkennen. Ganz im Gegenteil. „Es ist bei Veranstaltungen immer ein Erlebnis, langjährige Narrenfreunde wieder zu treffen oder ein einfaches ‚Hallo Walter’ oder ‚Hallo Biber“ zu hören“, betont der leidenschaftliche Obernarr.

Die Entwicklung der Fasnet stimmt ihn allerdings etwas nachdenklich. Immer mehr sei der Wandel zur Party zu erkennen. Deshalb sieht er als wichtige Aufgabe der Zunftmeister an, an alten Bräuchen festzuhalten und diese frühzeitig an die Kinder und Jugendlichen im Ort weiterzugeben.

Was zunehmend auch zum Problem wird, ist die Tatsache, dass immer weniger Zünfte ein Ringtreffen ausrichten wollen. Nicht nur, weil sich die Mitglieder zu weiteren Arbeitseinsätzen nur schwer motivieren lassen. Die Auflagen des Gesetzgebers zu erfüllen ist nicht einfach, bedauert Walter Sieber. Seiner Meinung machen aus Kostengründen die Doppelringtreffen Schule. Ob Nusplingen 2012 Gastgeber sein werde, sei aber noch nicht entschieden. Andere Vereinigungen sind laut Sieber bereits auf den Vier-Jahres-Rhythmus übergegangen.

Mit Freude macht Walter Sieber aber auch seine Arbeit im Rathaus. Seine Tätigkeit als Ortsvorsteher steht für ihn an erster Stelle. Er hat den Neujahrsempfang und letztes Jahr den Benzinger Advent initiiert. In seinem Kopf schwirren weitere Ideen. Vieles scheitert aber an der klammen Haushaltslage. Doch Sieber lässt sich davon nicht bremsen: „Man kann auch mit geringen Mitteln viel Positives erreichen.“

Der Vater von zwei erwachsenen Söhnen stammt aus Hausen im Tal. Aus beruflichen Gründen zog die Familie Anfang der 1980er-Jahre auf die Alb. Sieber ist als Teamleiter der RAB für den Nah- und Schülerverkehr in den Kreisen Zollernalb und Sigmaringen verantwortlich.

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Das Doppelringtreffen beginnt am Freitag, 4. Februar, mit der Vorstellung der Zollern-Alb-Zünfte. Am Samstag, 5. Februar, stellt sich der Alb-Lauchert-Ring vor. Zuvor wird der Narrenbaum gestellt. Über 4000 Hästräger aus 41 Zünften und Vereinen haben sich zum großen Umzug am Sonntag, 6. Februar, angemeldet.

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