Augenblick, verweile doch...
Markus Maurer und seine Suche nach dem unwiederbringlichen Moment
Albstadt-Tailfingen, 02.02.2011 von Holger Much
Es sind starke Frauen, die da auf Markus Maurers großformatigen Fotos selbstverständlich, fast selbstvergessen posieren. Eine stille Sinnlichkeit schwingt mit bei der Synthese, die das Modell mit der Umgebung eingeht: weiche Weiblichkeit gegen die harte, derbe Ästhetik einer verlassenen Fabrikhalle.
Dennoch klingt unterschwellig die Lyrik der Vergänglichkeit mit. Nicht nur, dass der 40-jährige bewusst der scheinbaren Freiheit und Beliebigkeit digitaler Fotografie entsagt und sich wie früher auf die „36 möglichen Aufnahmen in der Knipse“ beschränkt. Markus Maurer ist bei seinen Fotoshootings auch immer auf der Suche nach dem perfekten, dem einen, dem magischen, dem unwiederbringlichen Moment:
Eine bestimmte Bewegung, ein Liedschlag, ein Sonnenstrahl oder ein intensiver Blick – was sonst für immer verloren ist im Strudel der Zeit, möchte Markus Maurer auf Film bannen und wenigstens für eine kleine Zeit Ewigkeit verleihen, ähnlich wie Goethe im „Faust“ formuliert, bezogen auf den Augenblick: „Verweile doch! Du bist so schön.“
„Ich war schon immer ein visueller Mensch“, erzählt Markus Maurer. Spätestens, als er mit neun Jahren seine erste Brille bekam und fasziniert feststellen musste, dass die Welt um ihn herum nicht nur aus diffusen Formen besteht. Jene besonderen Augen-Blicke also, jene Momente, die es Markus Maurer gelingt auf Film zu bannen, landen aber nicht nur im heimischen Archiv. „Bilder sind dazu da, dass man sie sich ansieht“, sagt der passionierte Fotograf. Daher bestreitet er mit der Ausstellung „Feenfabrik“ im Grafikbüro „Logo!“ in Tailfingen bereits seine dritte Ausstellung, die Premiere und ihr Nachfolger fanden beide in Tübingen statt. Damit präsentiert Markus Maurer mit der aktuellen Ausstellung seine charakteristischen Arbeiten das erste Mal in seiner Heimatstadt, in die er vor zwei Jahren wieder zurückgekehrt ist. Ende September werden die Feen mit einer Finissage im Rahmen der Literaturwoche wieder verschwinden.
