Ein geschickter Brückenbauer
Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Martin Heller und Christine Kelch-Heller
Albstadt-Tailfingen, 24.01.2011
Schon allein an den zahlreichen Besuchern in der großen Pauluskirche konnte man gut erkennen, wie beliebt der Seelsorger in Tailfingen war. Hatte Pfarrer Heller zu Beginn des Gottesdienstes angesichts der vielen Verwandten, Freunden, Kollegen, Wegbegleitern und Gemeindegliedern noch schmunzelnd geäußert: „Man müsste eigentlich öfters in Ruhestand gehen“, meinte er beim Schlusswort zwei Stunden später: „Ich fühle mich nicht so ganz wohl, wenn ich so ins Rampenlicht gestellt werde.“
Als ruhig und bescheiden hatten ihn viele Grußredner schließlich auch beschrieben. Zur Bescheidenheit gesellte sich Größe, indem Pfarrer Martin Heller nicht nur vielen Menschen seinen Dank aussprach, sondern gleichzeitig um Verzeihung bat, falls er nicht allen gerecht geworden sei oder manch Erwartung nicht habe erfüllen können. Auf die besondere Vita des evangelischen Pfarrers ging unter anderem Dekan Martin Seitz näher ein. Zunächst habe Heller als Maschinenbauer bei Daimler gearbeitet, sei dann aber Pfarrer geworden und habe nach Jahren in Indien mit seiner jungen Familie lange Zeit in Tansania gewirkt, bevor er in Tailfingen zunächst die Gemeinde Stiegel übernahm und im Jahr 1994 an die Peterskirche wechselte.
Man richtete die Grußworte nicht nur an Pfarrer Heller sondern auch an seine Gattin Christine Kelch-Heller, welche vor allem als Organistin sowie als Leiterin des Flötenensembles Sonatella wirkte und zugleich in der Frauenarbeit und als Leiterin des Pfeffinger Kirchenchors tätig war. Für Kirchengemeinde und Kirchengemeinderat sprach die Laienvorsitzende Brigitte Leibfritz dem Ehepaar ihren Dank aus: „Ihr Tun war und ist in der Gemeinde hoch geschätzt!“ Viel Neues habe Pfarrer Heller in den 20 Jahren in Tailfingen eingeführt, unter anderem im Bereich der Konfirmandenarbeit und mit den Musiktheatern. Und auch den Kontakt mit der muslimischen Gemeinde habe der Seelsorger gepflegt. Deshalb waren auch Muslime in der evangelischen Kirche am Sonntag anwesend.
„Für die Kinder sind Sie die Kirche“ verdeutlichte Kindergartenleiterin Carolin Schulz, die ebenfalls erwähnte, Heller habe Brücken geschlagen zu Familien aus anderen Kulturkreisen. Die gesamte Familie Heller samt den vier Kindern habe sich tatkräftig in die Arbeit des CVJM eingebracht, freute sich Wolfgang Schairer, der Leiter des CVJM Tailfingen. Außerdem hat Martin Heller vor über elf Jahren das ökumenische Männervesper ins Leben gerufen, weshalb sich gleich das gesamte Team um Hans Schöller bei ihm verabschiedete. Gar als „Mister Ökumene“ bezeichnete der methodistische Pastor Martin Metzger den Kollegen.
Als die katholische Elisabethkirche im Jahr 2002 renoviert wurde, habe der evangelische Pfarrer seine Peterskirche für Gottesdienste zur Verfügung gestellt. Nicht nur dafür bedankte sich Stefan Wachendorfer von der katholischen Kirchengemeinde. Für die evangelischen Kollegen sprach Pfarrer Markus Gneiting aus Pfeffingen und lobte Hellers Beständigkeit, Klarheit und Hartnäckigkeit. Walter Conzelmann vom Turnerbund Tailfingen lobte das gute Funktionieren von Sport und Kirche in Tailfingen und Rektorin Adelheid Berger von der Lammerberg-Grundschule beschrieb den Religionslehrer als freundlichen und einfühlsamen Kollegen. Hobbyfotograf Peter Doll überreicht zur Erinnerung eine Foto-CD von Tailfingen.
„Mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass Sie Tailfingen in Richtung Gärtringen verlassen“, meinte Albstadts Oberbürgermeister Dr. Jürgen Gneveckow und weiter: „Für Sie war und ist Nächstenliebe kein leeres Wort sondern Auftrag.“ Musikalisch wurde die Feier vom Kirchenchor unter der Leitung von Kantorin Dorothee Wohlfarth sowie vom Posaunenchor unter der Leitung von Gerhard Gonser umrahmt. Beim anschließenden Empfang konnten sich die Besucher persönlich von Familie Heller verabschieden und am Abend hatte man als Überraschung eine Abendmusik in der Pauluskirche organisiert.
