Der Lauscher in der Tiefe: Wolfgang Dreher von den Albstadtwerken hört im Tailfinger Wohngebiet Stiegel nach dem charakteristischen Rauschen, das ein durch Frost verursachter Rohrbruch verursacht.
Der Lauscher in der Tiefe: Wolfgang Dreher von den Albstadtwerken hört im Tailfinger Wohngebiet Stiegel nach dem charakteristischen Rauschen, das ein durch Frost verursachter Rohrbruch verursacht. Foto: Holger Much.

Albstadt-Ebingen, 04.01.2011

Wenn Frost in die Tiefe kriecht

Bei Minusgraden können Bodenbewegungen zum sogenannten Rundbruch führen

Wenn Frost in die Tiefe kriecht
Wenn die Welt im eisigen Griff klirrender Kälte erstarrt und der Frost regiert, müssen die Mitarbeiter der Stadtwerke ran: Frostschäden müssen aufgespürt und behoben werden.

Wenn die Quecksilbersäule in schwindelnde Tiefen sinkt, freut sich so mancher über die grazilen Kunstwerke, die der Frost an Zweigen oder auf Schneeflächen zaubert. Doch nicht nur oberirdisch, auch unterirdisch ist der Frost nicht untätig, sehr zum Leidwesen der Stadtwerke.

Bisher hielten sich die Frostschäden im Rahmen des Üblichen, erzählt Detlev Vogel, Geschäftsführer der Albstadtwerke: „Typischerweise gibt es spezielle Schäden an Wasserleitungen, die man an der Art des Schadens erkennen kann, dem so genannten Rundbruch“. In Albstadt, in Bitz oder Burladingen – überall dort gäbe es solche für die Jahreszeit normalen Schäden: „Aber nicht mehr als in den Jahren zuvor“. Im tiefer gelegenen Balingen ist laut Günter Schäfer, Abteilungsleiter der Stadtwerke Balingen, aktuell nur ein Frostschaden in Engstlatt bekannt. Ansonsten liege alles im „grünen Bereich“.

Im Normalfall kann Frost den Leitungen nicht viel anhaben, da die Leitungen deutlich tiefer als ein Meter vergraben sind. Doch kriecht er in längeren Kälteperioden einmal tiefer als dieser Sicherheitsabstand, kann es dort durch den Frost zu Erdbewegungen kommen, die die Rohre einfach quer durchbrechen lassen. Wasser tritt aus und die Stadtwerke-Mitarbeiter müssen schnellstens ausrücken.

„Kürzlich hatten wir im Wohngebiet Stiegel so einen Fall“, erzählt Detlev Vogel. „Es wurden erhöhte Wasserauslaufmengen von 12 Litern pro Sekunde festgestellt“. Also wagte sich ein erfahrenes Team auf die schneeverkrusteten Albhöhen, um dort mit einem so genannten Hörgerät den Schaden zu orten. Dabei handelt es sich um eine Art spezielles Mikrofon, das das charakteristische Rauschen lokalisieren kann, das entsteht, wenn sich Wasser durch eine Bruchstelle presst.

Im Normalfall ist, was Frostschäden betrifft, viel Schnee eher gut. Je dicker die Schneedecke, desto weniger kann der Frost angreifen. Bei Ortungs- und Grabungsarbeiten jedoch müssen die dicken Schnee- und Eisschichten mühsam abgetragen werden, um die schadhafte Stelle genau feststellen zu können: „Denn wenn man aus Versehen drei Meter daneben gräbt, sind schnell mal 5000 Euro beim Teufel“, erklärt der Albstadtwerke-Geschäftsführer.

Frostschäden an Gas- oder Stromleitungen kämen praktisch nicht vor. Und dass das Wasser in Leitungen gefriert, in jüngerer Zeit ebenfalls nicht. Früher, als die Verlegequalität der Leitungen noch nicht dem heutigen Standard entsprach, sei dies öfter vorgekommen, erklärt Detlev Vogel, der die gesamte Situation trotz einiger Vorkommnisse als normal für die Jahreszeit bezeichnet. Ganz im Gegensatz zu Gegenden, die in diesem Winter mit ungewohnten Temperaturen und Schneemassen zu kämpfen haben. „Vor wenigen Tagen bin ich durch Heilbronn gefahren“, erzählt der Stadtwerkechef. Dort sei ein Hauptwasserrohr gebrochen gewesen, und ein ganzer Stadtteil sei für Stunden ohne Wasser gewesen.

 

Tipp vom Fachmann: Im Winter die Kellerfenster in der Nähe des Wasserzählers schließen

Fenster zu: Detlev Vogel kennt sich als langjähriger technischer Geschäftsführer der Albstadtwerke aus in Sachen Gas, Strom und Wasser und des Umgangs damit. Auf die Schäden angesprochen, die Frost verursachen kann, hat er einen Tipp für alle Häuslesbesitzer: „Schließen Sie ihre Kellerfenster“, rät der Fachmann. Besonders, wenn dieses Fenster in der Nähe des Wasserzählers liegt. In dem befindet sich Wasser, das, wenn es ungünstig läuft, einfrieren kann. Dann zerspringt das Glas des Wasserzählers, es kommt zu „dem Austritt von Wasser in nicht unerheblichen Mengen“. Das werde dann richtig teuer.

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