Freitag, 24. August 2018 von Rosalinde Conzelmann

Vuole un caffè?

H at man Ihnen beim Lebensmitteleinkaufen schon einmal einen Kaffee angeboten? Mir ist dies zum ersten Mal dieses Jahr im Urlaub passiert. In unserem kleinen Lebensmittelladen in dem verwinkelten ligurischen Dörfchen Costarainera habe ich morgens immer Pane und duftende Brioche geholt und wurde jedes Mal freundlich willkommen geheißen. An einem Morgen plauderten die beiden Betreiberinnen mit einer Kundin, jede hielt eine kleine Kaffeetasse aus Plastik in der Hand. Auf mein „Buon giorno“ folgte ein Lächeln und die Frage, ob ich nicht auch ein Tässchen möchte: Voule un caffè , Signora? Ich habe dankend abgelehnt, die Geste aber hat mich richtig gefreut. Bei uns werden die Lebensmittelmärkte immer größer und anonymer; während es in Italien nahezu in jedem Dörfchen noch einen Tante-Emma-Laden gibt. Dort ist die Auswahl zwar nicht riesig, aber man findet wirklich alles für den täglichen Bedarf. Auch wenn man viel Zeit mitbringen muss, denn die netten Mitarbeiter lassen sich weder beim Schinkenaufschneiden noch beim Abwiegen der Pfirsiche aus der Ruhe bringen, hat mir dieses Einkaufserlebnis gut gefallen. Und beim nächsten Mal werde ich annehmen: Volentieri!

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Mittwoch, 11. Juli 2018 von Rosalinde Conzelmann

Zehn Worte für eine Welt

Es ist dieser eine Satz, der mir nicht aus dem Kopf geht und der heute mehr denn je gehört werden sollte. In einer Zeit, in der Europa und unsere Regierung am Asylstreit zu zerbrechen drohen. Der große Knall ist zwar vorerst aus Machtkalkül ausgeblieben, aber der Kompromiss, der glücklicherweise nun doch noch gefunden wurde, ist zerbrechlich und spaltet unser Land weiter. „Wir sind alle Kinder Abrahams, ob wir wollen oder nicht.“ Zehn Wörter nur, die die Lösung sein könnten. Der, der sie spricht, ist der Oberhirte der katholischen Weltkirche. In der Dokumentation „Ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders sagt Franziskus diesen Satz – eindringlich, schlicht, mit einem Lächeln auf den Lippen. Zuvor hat man den Pontifex auf einem Schiff in Lampedusa, in einem Flüchtlingslager in Lesbos gesehen. Mitfühlend und verständnisvoll für die Schicksale dieser Heimatlosen schaut er nicht weg. Die mächtige Kirche kann ja helfen mit ihrem auf Kosten anderer angehäuften Reichtum, mit ihrer Scheinheiligkeit, werden Kritiker sagen. Ja, das kann sie. Aber wir können es auch, denn: „Wir sind alle Kinder Abrahams, ob wir wollen oder nicht“ – und, ob uns dieser Satz gefällt oder nicht.

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Dienstag, 5. Juni 2018 von Rosalinde Conzelmann

Ein toter Wal zu viel

Es war ein qualvoller Tod für den Kurzflossen-Grindwal. Der stolze Meeressäuger verendete an mehr als 80 Plastiktüten im Magen in einem Kanal an der thailändischen Grenze zu Malaysia. Zuvor erbrach er fünf Plastiktüten. Vergeblich hatten Retter versucht, sein Sterben zu verhindern. Das Tier hat schlicht keine nährstoffhaltige Nahrung mehr aufnehmen können, sagen Biologen. Der tödliche Mageninhalt wog acht Kilogramm. Das Erschreckende daran: Es ist kein Einzelfall. Jährlich verenden zahlreiche Tiere, Schildkröten und Delfine, am Plastikmüll unserer Zivilisationsgesellschaft. Der Mensch vermüllt seinen eigenen Lebensraum; die Weltmeere verkommen zu Plastikgruben, das Wort Recycling klingt wie Hohn. So sinnlos und grausam der Waltod ist, vielleicht schreckt er die Menschen auf, ihr Verhalten zu ändern. Es gibt Projekte, wie den Quadrimaran zum Säubern der Meere des Schweizers Yvan Bourgnon. Diese sollten wir unterstützen und Wegwerfplastik aus unserem Alltag verbannen.

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Samstag, 2. Juni 2018 von Rosalinde Conzelmann

Ein schleimiger Ausputzer

Das derzeit feucht-warme Klima erfreut das Gärtnerherz, denn die Pflanzen schießen in die Höhe. Aber ebenso jubilieren die Schnecken, die sich ihre Bäuche vollfressen. Zum Ärger der Gartenbesitzer. Während meine Bekannten über die Schneckenplage klagen und fast verzweifeln, werden die Pflanzen in unserem Garten nur wenig angeknabbert. Woran das liegt? Ich habe da eine Vermutung. Denn ganz schneckenfrei ist meine grüne Oase nicht. Dort fühlt sich der Tigerschnegel heimisch, ein Artgenosse der Nachtschnecke mit Raubkatzen-Print. Sein Leibgericht sind Pilze und totes Pflanzenmaterial; er jagt aber auch andere Nacktschnecken und frisst deren Eier. Ein paar Mal schon bin ich dem einen oder anderen Tigerschnegel bei Nacht begegnet und habe mich für seine Arbeit bedankt. Ob die „Leopardenschnecke“ wirklich ihren gefräßigen Artgenossen den Garaus macht, habe ich persönlich noch nicht gesehen. Denn in Gärtnerkreisen ist ihr „Einsatz“ umstritten. Viele ekeln sich vor dem Tigerschnegel und sagen, dass er ebenso gerne den Salat wegfuttert wie die spanische Nachtschnecke; andere sind hellauf begeistert. So wie ich. Bei mir sind die schleimigen „Raubkatzen“ jederzeit willkommen.

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Dienstag, 15. Mai 2018 von Rosalinde Conzelmann

Besuch bei den „Froschkindern“

Sehr gut gemacht, liebe Geislinger Feuerwehr! Am Wochenende haben mein Mann und ich bei unserer Radtour die Kinderstube der Gelbbauchunken besucht, die die Wehr, wie schon berichtet, ganz spontan und unbürokratisch vor dem Austrocknen gerettet hat. Das Wasser steht jetzt zehn Zentimeter hoch in dem Graben und die „Kinderschar“ tummelt sich in der Pfütze vor der Verdolung. Zwischen den schwarzen „Tupfen“ mit Füßchen und dem Schilfgras lugt schon der eine oder andere kleine Lurch hervor. Leider hat auch eine Ringelnatter die „Speisekammer“ entdeckt und sich bedient. Auch dieses Tier ist geschützt und gefährdet und hoffentlich nicht allzu gefräßig. Gut, dass ein Teil der Kaulquappen von Naturfreunden auch noch in andere Gewässer gebracht worden sind. Auch Jogger Dirk Müller, der die Rettungsaktion angestoßen hat, ist happy und sagt Danke. Er hofft, dass dieses Beispiel Schule macht.

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