Samstag, 17. November 2018 von Gudrun Stoll

Aber schön muss er sein

O b im Kanzleramt kurz vor dem Fest fröhliche Weihnachtslieder gesungen werden, wissen wir nicht. Der Christbaum für Angela Merkel jedenfalls kommt aus Hechingen.

Und auf dem Stuttgarter Schlossplatz illuminieren wieder 40 000 LED-Lämpchen die Rotfichte aus dem Albstädter Stadtwald? Nicht ganz. Der Weihnachtsbaum für die Landeshauptstadt kommt heuer aus dem knapp 40 Kilometer nordöstlich von Stuttgart gelegenen Welzheimer Wald. Nicht, dass die Stuttgarter unzufrieden gewesen wären mit den Gewächsen von der Zollernalb. Obwohl: Im vorigen Jahr sollen laut einer Umfrage der Bild-Zeitung Passanten gemosert haben, der Baum sei nicht hübsch genug. Dass in 2018 eine 55 Jahre alte und 25 Meter hohe Rotfichte aus dem Rems-Murr-Kreis den Königsbau erleuchten wird, hat aber andere Gründe. Es gab einen Wechsel bei den Partnern, welche die Bäume im Auftrag der Veranstaltungsgesellschaft „in.Stuttgart“ liefern. Der neue Unternehmer stammt aus dem Welzheimer Wald. Da lag es nahe, in heimischem Bestand nach einem Prachtexemplar zu suchen. Die Albstädter sind nicht gram. Der Bestand an Solitärbäumen mit Gardemaß ist begrenzt. Wusste das Vorjahresgewächs vom Albstädter Ochsenberg nicht allen Stuttgartern zu gefallen, kam der Welzheimer Baum mit Verspätung an: Der Schwertransport war breiter als angemeldet und verzögerte sich durch Wartungsarbeiten in Tunneln und durch Baustellen.

Nun drücken wir alle fest die Daumen, dass die schön gewachsene und sorgsam ausgewählte Kanzlertanne, die heute in Begleitung des THW Hechingen auf die Reise geht, ohne Zwischenfälle und strahlend schön in Berlin ankommt.

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Mittwoch, 7. November 2018 von Gudrun Stoll

Die Jagd ist eröffnet

In Mannheim tobt ein Streit um den Sarotti-Mohr. Zwei alte Werbeschilder hängen seit Urzeiten über der Theke eines Kulturzentrums. Ein örtliches Bündnis, das sich für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen einsetzt, nimmt nun Anstoß an dem Relikt aus Kolonialzeiten.

Taugt als Zeichen gegen deutschen Alltags-Rassimus und Karawanen-Rhetorik des amerikanischen Präsidenten tatsächlich die Verbannung der Turban und Pluderhosen tragenden Werbe-Ikone in die Asservatenkammer? Die Firma Stollwerck hat schon vor Jahren auf die neuen Zeitläufte reagiert und im Logo den Mohren durch einen „Magier der Sinne“ mit goldener Hautfarbe ersetzt – hoffen wir inständig, dass kein Weltverbesserer darin ein Herabwürdigung asiatischer Bevölkerungsgruppen wittert.

„Die Jagd auf den Sarotti-Mohr“ ist eröffnet. Diesen Titel trägt ein Buch über die Sammelleidenschaft von Menschen. Verlag und Verfasser locken auf dem Cover mit der putzigen Kultfigur. Weg damit auf den Scheiterhaufen der Geschichte? Unter den Flohmarktschätzen schlummert noch mehr Sprengstoff, um unter dem Banner des Gutmenschentums gegen Diskriminierung, Chauvinismus und Frauenfeindlichkeit zu Felde zu ziehen: Alte Emailleschilder mit dem Konterfei rauchender Indianer und Araber, Heile-Welt-Reklame aus den Fünfzigern mit Mutti an Kochtopf und Waschmaschine. Ganz zu schweigen vom HB-Männle mit seinem Faible für Zigaretten. Igitt. Da könnte man ja gleich in die Luft gehen.

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Dienstag, 9. Oktober 2018 von Gudrun Stoll

Fahr lieber mit dem Auto

Ganz bewusst übte ich vorige Woche den Verzicht aufs Auto und löste mit Familienmitgliedern und Nachbarn ein Baden-Württemberg-Ticket, um Staus auf der B 27 und der leidigen Suche nach einem Parkplatz in Stuttgart zu entgehen. Unser Ziel war das Historische Volksfest auf dem Schlossplatz, das nicht nur uns, sondern mehr als eine halbe Million Menschen begeistert hat. Das will was heißen bei Schwaben, denen selten ein Lob über die Lippen kommt.

Doch gemach, auch die Bruddler kamen beim Ausflug voll auf ihre Kosten. Der Deutschen Bahn sei Dank. Der IRE von Aulendorf nach Stuttgart fuhr um die Mittagszeit bereits mit Verspätung im Ebinger Bahnhof ein und musste an jedem Haltepunkt bis Tübingen den Gegenzug abwarten. Letztendlich summierte sich bis zum Hauptbahnhof Stuttgart der ständige Stillstand auf eine satte Verspätung. Zugpersonal war nicht an Bord, die Toilette defekt. Wer dennoch aufs stille Örtchen musste, dem blieb nichts anderes übrig, als an einem der Bahnhöfe in Wagen Nummer zwei umzusteigen. Improvisationstheater, das eine Gruppe junger Leute, deren zünftiges Outfit den Cannstatter Wasen als Ziel verriet, mit Humor nahm. Senioren dürfte ob solcher Zustände das Lachen vergangen sein.

Weil es so schön war auf dem Volksfest, nahmen wir den „Lumpensammler“, um ohne Umstieg von Stuttgart wieder nach Ebingen zu kommen. Aber auch dieser letzte IRE am Abend schaffte die ruckelige Fahrt auf die Alb nicht ohne Verspätung. Wie heißt es so schön im legendären Song von Wise Guys: „Für Ihre Leidensfähigkeit danken wir spontan“ – thank you for travelling with Deutsche Bahn.

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Donnerstag, 13. September 2018 von Gudrun Stoll

Am Dialog hapert's

Mit der Einführung der Berufsarmee haben sich viele Türen geschlossen, die in Zeiten der Wehrpflicht offen standen für den Dialog zwischen Militär und Bürgergesellschaft, Bürgermeistern und Kommandeuren. Wohl kaum hätte es in jenen Zeiten derartige Irritationen über die Präsenz von Soldaten gegeben, die sich derzeit in der stillgelegten Zollernalbkaserne in Meßstetten aufhalten.

Diese Gruppe wurde, wie sich gestern mit einem Anruf beim Kommandanten des Truppenübungsplatzes Heuberg klären ließ, in den Räumen eingemietet, weil die Unterkünfte in Stetten a.k.M. aus allen Nähten platzen. Doch allein schon die Nachricht, dass auf dem Geißbühl Truppenbewegungen beobachtet wurden, löste in Meßstetten helle Aufregung aus. In der Stadt reagiert man sensibel auf alle Nachrichten, welche die Bundeswehr betreffen. Zumal die dürftigen Informationen aus den oberen Etagen von Generalität und Ministerium über eine mögliche Reaktivierung des Bunkers und Rückkehrpläne nach Sigmaringen viel Raum lassen für Mutmaßungen.

Dass nun auch noch bekannt wurde, dass ein großes Manöver von Nato und EU startet, dessen Ausläufer sich bis auf den Großen Heuberg erstrecken, hat die Gerüchteküche in Windeseile befeuert. Die Rathäuser auf dem Großen Heuberg rechtzeitig über diese ABC-Abwehrübung zu informieren, wäre Aufgabe und guter Stil des Landeskommandos Süd gewesen.

Vielmehr noch bewegt aber eine ganz andere Frage: Wenn das Heer ist Stetten a.k.M. über den Augenblick hinaus mehr Kapazität benötigt, wieso bringt der Bund dann die Zollernalbkaserne in Meßstetten nicht unverzüglich wieder in Schuss, anstatt Millionen in Neubauten zu stecken? Ein guter Anlass für unseren Abgeordneten, ganz energisch Druck zu machen.

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Freitag, 31. August 2018 von Gudrun Stoll

Wer hat an der Uhr gedreht ?

Um's salopp zu sagen: 4,6 Millionen Europäer. Noch nie haben sich so viele EU-Bürger an einer Online-Befragung beteiligt. Mit eindeutigem Ergebnis: 80 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für die Abschaffung der Zeitumstellung aus, weil sie das ewige Hin und Her zwischen Frühjahr und Herbst satt haben. Die Teilnehmer konnten auch ankreuzen, ob lieber dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit gelten sollte. Das Pendel schlug klar zugunsten einer ganzjährigen Sommerzeit aus. Kein Wunder, haben sich doch drei Millionen Deutsche an der Umfrage beteiligt. Und wir schätzen halt das Quäntchen mehr an Lebensgefühl, das uns diese eine Stunde im Sommer beschert: Es ist am Abend länger hell, man kann länger draußen sitzen in Gartenwirtschaft oder Park.

Bindend ist diese Erhebung nicht. Doch auf Grundlage der Ergebnisse sowie anderer Studien und Meinungen will die Brüsseler Behörde entscheiden, ob sie dem EU-Parlament einen Vorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung vorlegt. Die Parlamentarier wären sicher gut beraten, auf Volkes Stimme zu hören – und die Umsetzung einheitlich zu regeln. Damit nicht jedes Land für sich entscheidet, welche Zeit genehm ist. Da wären wir Deutschen sicher wieder Klassenprimus im Diskutieren und Abwägen aller Vor- und Nachteile.

In diesem Jahr müssen wir die Uhren nochmals zurückstellen - Sie kennen ja die Eselsbrücke mit dem Cafébesitzer, der am Ende der Saison die Stühle ins Winterquartier bringt. Aber eine rechtsgültige, klare und schnelle Entscheidung fürs Wahljahr 2019 würde die Lust am Urnengang und an Europa steigern.

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