Dienstag, 18. September 2018 von Daniel Seeburger

Wer ist hier der Boss?

Die Organisation einer Hauswirtschaft plus Garten bedarf einer genauen Planung. Meine Frau und ich haben uns das aufgeteilt. Sie plant und verwaltet die hauswirtschaftliche Seite, also Einkauf, Putzen, Waschen, Bügeln – ich die technische, Belange, also Reparaturen, Instandhaltung, Rasenmähen, Hühnerversorgung. Wobei wir uns natürlich in allen Belangen gegenseitig zur Hand gehen. Soll heißen, ich putze auch die Wohnung und sie reinigt den Hühnerstall und ist auch sonst technisch sehr versiert. Beim Einbau unserer neuen Spülmaschine beispielsweise kam ich an meine Grenzen. Meine Frau regelte das dann problemlos und installierte sogar den Aquastopp. Als wir neulich aus dem Urlaub zurück gekommen sind, standen natürlich die hauswirtschaftlichen Arbeiten im Vordergrund und meine Frau spannte mich dementsprechend mit ein. Da hieß es dann mal einen Tag lang: „Könntest Du vielleicht die Wäsche aufhängen“, „Räume bitte die gebügelten Kindersachen in den Schrank“ oder „Du solltest noch Sprudel und Apfelsaft besorgen“. So schafften wir die Arbeiten, die nach zwei Wochen Urlaub angefallen waren, mit vereinten Kräften an einem Tag. Meine beiden Kinder hatten noch Schulferien und wurden Zeuge des gemeinsamen Werkelns. Abends dann, als wir vom Einkauf zurückkamen und unseren Kühlschrank wieder auffüllten, fragte der Achtjährige meine Frau, die neben mir am Kühlfach stand: „Du Mama, kann Papa nachher mit mir Fußball spielen oder was hat er sonst noch vor?“ Die Jungs schüttelten verständnislos die Köpfe, als wir in lautes Gelächter ausbrachen.

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Mittwoch, 12. September 2018 von Daniel Seeburger

Schafe schubsen

Da liegt ein Schaf auf dem Rücken und kommt nicht mehr auf. Was machen Sie? Meine beiden Jungs waren beim Deichspaziergang an der Nordsee, nahe der dänischen Grenze völlig aus dem Häuschen. Da lag das arme Schaf wie ein Käfer auf dem Rücken, wackelte mit den Beinen und hat laut geblökt. Meine Vermutung: das Tier verendet. Unter rund 1000 Schafen, die da jenseits des Deiches am Friedrich-Wilhelm-Lübke-Loog die Salzwiesen beweiden, könne es schon mal zu Ausfällen kommen, erklärte der Papa dem Nachwuchs. Am nächsten Tag trafen wir den Landwirt und erklärten ihm die Situation. Der gute Mann hat laut gelacht. Ja, das komme immer mal wieder vor. Das Fell der Schafe sei schwer. Wenn die sich ausruhten, würden die manchmal nicht mehr hochkommen, erklärte er. Dann schubse er die Tiere leicht an – und fertig. Tags drauf lag wieder ein Schaf hinterm Deich. Ich rief meine Jungs zum Schafschubseinsatz. Allein, das Tier wollte partout nicht. Aus dem Schubsen wurde ein Anheben. Der Versuch, das Schaf auf die Beine zu stellen misslang und die Schafschubser gaben völlig außer Atem auf. Aber immerhin lag es nicht mehr auf dem Rücken. Was hatten wir falsch gemacht? Leider war der Urlaub schon am nächsten Tag vorbei und wir trafen den Landwirt nicht mehr. Aber ich habe da so eine Vermutung: Nicht alle Schafe, die liegen, kommen nicht mehr auf. Einige wollen sich einfach mal ausruhen. Und dann kommen da so idiotische schwäbische Touristen . . .

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Freitag, 10. August 2018 von Daniel Seeburger

Die Magie eines echten Buches

Die Magie, die ein Buch ausströmen kann, ist unbeschreiblich. Das heißt, ich kann versuchen, mein Gefühl zu beschreiben, das mich durchflutet, wenn ich den Buchdeckel öffne, den Geruch inhaliere, die ersten Zeilen lese – aber wer dieses Gefühl nicht kennt, wird mich nicht verstehen. Meist habe ich im Hinterkopf, welchen Autor ich als nächstes lesen will. Manchmal aber gibt es unvorhergesehene Ausnahmen. So verschenkte kürzlich jemand Hunderte von Romanen – und ich kam zufällig an seinem Stand vorbei. Antiquarische Bücher ziehen mich sowieso magnetisch an. Klar, dass ich stöbern musste – und eine Perle fand: den amerikanischen Literaten Thomas Wolfe. Wolfe starb 1938 mit 37 Jahren an Gehirntuberkulose. Mit „Schau heimwärts, Engel“ hat er Literaturgeschichte geschrieben. Sein 1940 posthum erschienener 700-seitiger Wälzer „Es führt kein Weg zurück“ ist in Deutschland fast unbekannt geblieben – und heute nur noch antiquarisch zu bekommen. Jetzt steckt meine Nase in diesem Buch mit den vergilbten Seiten, das man im Buchhandel nicht mehr bekommt. Mein Exemplar wurde vor 25 Jahren aus einer öffentlichen Bücherei aussortiert. Und bei jeder Zeile denke ich darüber nach, wer da schon vor mir drin gestöbert hat. Mit Wolfe, von einem Kritiker als „Homer des modernen Amerika“ bezeichnet, werde ich zukünftig immer den leicht modrigen, aber keinesfalls angestaubten, sondern ehrwürdigen Geruch assoziieren. So gerne und intensiv ich Computer, soziale Medien oder die moderne Art der Kommunikation nutze, so sehr möchte ich die alte Form der Literaturvermittlung nicht missen. Ein iPhone ist einfach nicht so sexy wie ein echtes Buch.

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Dienstag, 7. August 2018 von Daniel Seeburger

Kälteschock statt Hitzewelle

Am Sonntag war es mir eindeutig zu kalt. Trotz Jacke bekam ich nicht nur einmal so richtige Gänsehaut. Vor allem dann, wenn dicke Wassertropfen auf meine Glatze klatschten. Ich hatte definitiv einen Kälteschock erlitten. Nein, liebe Leser, wir drucken keinen monatealten Artikel versehentlich nochmals. Ich verbrachte meinen Sonntag allerdings auch nicht im Freibad, sondern machte einen Abstecher in die Nebelhöhle bei Genkingen. Während das Thermometer vor dem Höhleneingang selbst im Schatten auf über 30 Grad anstieg, war es einige Meter weiter unten mehr als 20 Grad kühler. Bei acht Grad tropfte zudem das Wasser von der Höhlendecke und ich wurde innerhalb von zwei Minuten vom Hochsommer in den Spätherbst katapultiert. Ungeachtet dessen, dass man gerade bei Hitzewellen in Nebel-, Bären-, Karls- oder Kolbinger Höhle richtig erfrischt wird, sind sie auch noch geologische Sehenswürdigkeiten mit Tropfsteinen, Stalaktiten und Stalagmiten. Wer sich übrigens für eine Höhlenerkundung Anfang November entscheidet, kann den gegenteiligen Effekt erleben. Draußen Frost – drinnen angenehme zehn Grad. Denn die Temperatur in den Höhlen bleibt sommers wie winters fast immer gleich. Nach einer knappen Stunde war es mir dann aber am Sonntag doch zu kalt. Ich ging zurück in die Sonne und genoss erst einmal einen heißen Kaffee – zum Aufwärmen.

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Freitag, 13. Juli 2018 von Daniel Seeburger

Hühner mit Regenjacken

Als Halter von sechs Gartenhühnern schaut man natürlich auch in einschlägigen Gruppen bei Facebook vorbei, um sich Tipps geben zu lassen. Da habe ich beispielsweise mitbekommen, dass das Federvieh sehr gerne Apfelwickler verspeist. Und zwar bevor die sich in die Äpfel eingenistet haben und die Frucht wurmstichig wird. Doch wie fast alles auf der Welt, ist nicht alles uneingeschränkt gut. Soll heißen, meine Hühner fressen zwar den Schädling auf, setzen sich dann aber mit größter Freude auf den Apfelbaum und genießen die Aussicht. Mit der Folge, dass sich die Äste biegen und zu brechen drohen. Aber das ist nicht das einzige Problem. Die Vögel knabbern die Äpfel an. So habe ich nicht nur keine Würmer mehr in den Äpfeln, ich habe überhaupt keine Äpfel mehr. Ein Obstnetz über dem Baum schafft Abhilfe. Dafür muss ich nun tagtäglich die vorwurfsvollen Blicke meiner gackernden Damen aushalten. Das sind kleine Probleme angesichts der Dramen, die sich da in der Hühnergruppe bei Facebook abspielen. Was er denn bei Regen mit seinen Hühnern tun solle, wollte da ein frischgebackener Hühnerhalter wissen. Seine Vögel hätten Regenjacken im Stall hängen, antwortete ein Witzbold. Ganz im Ernst: Meinen Hühnern macht Regen nichts aus. Und wenn er ihnen dann doch zu heftig wird, kommen sie von selbst in den Stall. Um die Regenjacken zu holen.

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