Dienstag, 12. März 2019 von Olga Haug

Versehentlich öko

Kennen Sie den Begriff „accidentally vegan“? Und alle Veganer schreien „Ja!“. Wörtlich übersetzt bedeutet er „versehentlich vegan“ und bezeichnet Lebensmittel, die vegan sind, ohne dass dies vom Hersteller gezielt beabsichtigt wurde und ohne dies explizit zu bewerben. Hierzu kann ich aber leider nur ein einziges Beispiel nennen. Denn ich ernähre mich nur sporadisch vegan – also irgendwie „accidentally vegan“.

Was ich an dieser Stelle aber möchte, ist einen neuen Begriff prägen: „accidentally free of plastic“ (versehentlich plastikfrei). Im Öko-Laden meines Vertrauens habe ich mich neulich überschwänglich gefreut, als ich Sicherheitswattestäbchen für Kinder entdeckt hatte, die ausschließlich aus Bio-Baumwolle und einem Papierschaft bestehen und ausdrücklich auch als solche beworben werden: plastikfrei! Zu Hause schaute ich abfällig auf die Verpackung der Wattestäbchen, die ich sonst immer gekauft hatte und stellte beschämenderweise fest: ausschließlich Bio-Baumwolle und ein Papierschaft – und halb so teuer.

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Mittwoch, 17. Oktober 2018 von Olga Haug

Plastikmüll den Kampf ansagen

Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen und Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton. Das schreibt der WWF und ruft dazu auf, zu handeln – zu Recht. Jeder ist gefragt. Neben Wirtschaft, Industrie und Politik ist auch jeder einzelne Bürger in der Lage, etwas zu unternehmen. Plastik weitestgehend im Alltag zu vermeiden ist gar nicht so schwierig. Schwierig ist nur, sich als Gewohnheitstier umzugewöhnen. Das Obst und das Gemüse beispielsweise vom Markt ohne Verpackung (das gibt es auch im Supermarkt, nur bei Bio wird's etwas schwierig ...), die gute alte Stückseife oder der mitgebrachte Kaffee-to-go-Becher statt beschichtetem Pappbecher mit Plastikdeckel – schon hat man etwas beigetragen. Hat man mit der Plastikverbannung erst einmal begonnen, erkennt man, wie viele Möglichkeiten es doch gibt. Ein Duschgel, ein Shampoo oder eine Seife im Plastikbehälter und mit flüssigen Plastikpartikeln versetzt, kommt mir jedenfalls nicht mehr ins Haus. Das Wasser darf's aus dem Wasserhahn sein, abgefüllt in eine Glasflasche – für unterwegs die Edelstahlflasche. Es ist an der Zeit, etwas zu ändern, bevor nicht nur Fische, sondern wir selbst am Plastikmüll ersticken.

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Samstag, 21. Januar 2017 von Olga Haug

Aus Kleid wird Oberteil

Den meisten wird es nicht entgangen sein: Ich bin schwanger und bin derzeit eher die kugelnde denn rasende Reporterin. Aber das ist kein Problem. Die Vorfreude auf den Nachwuchs ist groß. Weniger erfreulich ist hingegen das allmorgendliche Anziehen. Socken und Schuhe sind eine Qual, von der Strumpfhose ganz zu schweigen. Bin ich erst einmal angezogen, muss ich gefühlt eine halbe Stunde lang tief durchatmen, um wieder in den Normalmodus zu gelangen.

Glücklicherweise sind meine Füße von den weniger schönen Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft verschont geblieben und passen noch in jedes Schuhwerk. Andernfalls hätte ich den persönlichen Notstand ausrufen müssen. Vielleicht habe ich es bereits an anderer Stelle schon mal erwähnt: Ich liebe Schuhe. Zudem hätte ich die geschwollenen Treter im tiefsten Winter eher weniger in bequeme Schlappen stecken können. Allerdings werden meine Klamotten langsam knapp – an Auswahl und Umfang. Und wenn das einstige Kleid zum Oberteil geworden ist, weiß man, dass es nicht mehr allzu lange dauern kann mit dem langersehnten Nachwuchs.

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Donnerstag, 3. November 2016 von Olga Haug

Zeitumstellung macht müde

Es heißt, der menschliche Körper benötigt etwa zwei Wochen, bis er sich an die Zeitumstellung gewöhnt hat. Man ist müde und hat Konzentrationsschwierigkeiten. Und in der Tat, ich war am Montag (und gestern) eine Stunde zu früh wach. Dass ich vor dem Weckerklingeln das Gefühl habe, ausgeschlafen zu haben, kommt nun wahrlich so gut wie nie vor. Und am Abend war ich früher müde als zuvor. Eine Stunde vor dem gewöhnlichen Feierabend kam ich aus dem Gähnen kaum noch raus. Der frühe Sonnenuntergang tut sein Übriges. Die Winterzeit ist eigentlich unsere „normale“ Zeit. Im Winter wird es früher hell und zur Sommerzeit haben wir mehr vom Tageslicht. Ginge es nach mir, würden wir definitiv die Sommerzeit behalten. Die Einführung dieser diente bekanntlich zum Energiesparen. Der erhoffte große Effekt blieb aber aus. Heute ist der Nutzen wohl noch geringer. Ob es jemandem nun doch in irgendeiner Weise ökonomisch oder ökologisch nutzt, weiß ich nicht. Fakt ist jedenfalls: Ich bin müde.

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Dienstag, 20. September 2016 von Olga Haug

Wo es sich gut leben lässt

Der demografische Wandel beschäftigt die ländlichen Regionen. Alle wollen sie in die große Stadt. Studieren, feiern oder arbeiten, oder alles auf einmal – das sind oft die Gründe, warum es die jungen Menschen in die Metropolen dieser Welt zieht. Aber um welchen Preis? Finanziell gesehen um einen durchaus hohen. Wer es überhaupt schafft, eine Bleibe zu finden, der muss auch entsprechend blechen. Vermieter in Tübingen beispielsweise machen sich oft gar nicht erst die Mühe, ihre Objekte auf Vordermann zu bringen. Ist die Wohnung von Schimmel befallen? Kein Problem: Es lässt sich immer jemand finden, der dennoch einzieht und zahlt – viel zahlt. Andere wiederum haben nicht „das Glück“, eine verschimmelte Wohnung beziehen zu können. Sie verzweifeln schier an der Suche. So auch eine Kunststudentin aus Berlin, die schnell eine günstige Bleibe finden musste. Ihre Ansprüche waren nicht hoch. Ein Platz zum Schlafen sollte es sein. Dann passierte das schier Unmögliche: Sie fand eine Unterkunft. Doch um welchen Preis? Finanziell gesehen um einen sehr guten – kostenlos sogar. Und wo ist der Haken, fragen Sie sich? Ein, zwei Haken gibt es tatsächlich – an der Wand zum Klamotten aufhängen. Für mehr gibt es kaum noch Platz. Die Studentin lebt nämlich in einem Gäste-WC. Ja, in einem schmalen, 2,5 Quadratmeter großen Gäste-WC – mit entsprechendem Inventar. Da erinnere ich mich gerne an meine Studienzeit zurück: Ich zahlte den Preis eines Studententickets nach Tübingen und lebte komfortabel und entspannt in Albstadt – ohne Untermieter auf dem Klo.

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