Dienstag, 5. März 2019 von Klaus Irion

Närrisch bin ich nicht

Du musst doch von Haus aus närrisch sein, wenn du aus St. Georgen stammst. Diesen Satz höre ich alljährlich während der Fasnet. Ja, es stimmt. St. Georgen liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu schwäbisch-alemannischen Fasnetshochburgen wie Villingen und Triberg. Auch Rottweil ist nicht allzu weit entfernt. Und dennoch: St. Georgen ist keine Fasnetshochburg. Zwar gibt es dort seit über 50 Jahren die Zunft der Fohrebobbele. Doch so wirklich Fuß gefasst hat die Narretei nie. Das mag an der wechselvollen Geschichte der Stadt liegen. Zwar katholischen Klosterursprungs, wie der Name schon ahnen lässt, wurde St. Georgen nach weltlichen und geistlichen Irrungen und Wirrungen nach dem Dreißigjährigen Krieg endgültig dem evangelischen Württemberg zugeschlagen. Diese „Okkupation“ dauerte rund 160 Jahre, dann wurde St. Georgen durch die napoleonischen Gebietsreformen wieder badisch. Doch die Bevölkerung blieb bis zum heutigen Tag mehrheitlich evangelisch und damit weit weniger närrisch als die sie umgebenden katholischen Lande. Auch ich bin alles andere als närrisch. Im Zweifelsfall schnalle ich mir in dieser Zeit lieber die Ski an die Füße. Jeder nach seiner Façon.

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Samstag, 19. Januar 2019 von Klaus Irion

Grüße an Mike Bost

Kennen Sie Mike Bost? Ich nicht, besser gesagt nicht persönlich. Bost lebt im Süden des US-Bundesstaates Illinois und ist für den dortigen 12. Bezirk Abgeordneter im amerikanischen Repräsentantenhaus. Für mich ist Mike Bost so etwas wie „mein“ persönlicher Abgeordneter. Er erklärt mir hin und wieder in E-Mails die amerikanische Sicht der Dinge. Wie ich einst in Bosts E-Mail-Verteiler geraten bin, ist mir ein Rätsel. Ich besitze nicht die amerikanische Staatsbürgerschaft und habe bislang auch noch nie an der Green-Card-Lotterie teilgenommen. Und dennoch werde ich nun regelmäßig über „meinen“ Abgeordneten Bost direkt in die amerikanische Politik einbezogen. So wie diese Woche wieder, als er mich aufforderte abzustimmen, ob ich dafür, dagegen oder unentschieden bin, dass „mein“ Präsident Donald Trump am 29. Januar eine Rede an die Nation halten soll. Ich habe ohne zu zögern mit Nein gestimmt. Denn der „beste Präsident aller Zeiten“, wie Trump sich in aller Bescheidenheit ja gern selbst bezeichnet, sollte besser gar keine Rede mehr halten. Nun warte ich darauf, dass mir „mein“ Abgeordneter aus Illinois das Ergebnis dieser Abstimmung mitteilen wird. Bis dahin grüße ich aus dem Süden Deutschlands den Süden Illinois.

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Samstag, 13. Oktober 2018 von Klaus Irion

Duldsame Bahnkunden

Mittwochnachmittag, Hauptbahnhof Stuttgart. Menschen irren etwas rat- und ziellos zwischen den Gleisen hin und her. Den ungläubigen Blick immer wieder auf die Anzeigetafel gerichtet. Doch, es stimmt. Nicht nur der nächste, nein auch der übernächste Zug, der die Menschen auf der Neckartalbahn und anschließend auf der Zollernalbbahn in Richtung Süden befördern soll, wird ersatzlos gestrichen. Als Grund wird genannt: Ein medizinischer Notfall in einem entgegenkommenden Zug. Notgedrungen begeben sich alle betroffenen Reisenden in einen IC, der sie immerhin schon einmal bis Plochingen bringt. Dort heißt es dann umsteigen. Im Laufschritt wälzt sich die Masse Mensch Richtung Gleis 59 (die Zahl stimmt wirklich), eine Art Abstellgleis für einen einzigen Triebwagen. Wer nun aber glaubte, es wäre angesichts des unfassbaren Platzmangels zu „dramatischen“ Szenen gekommen, der irrt. Als sich endlich alle Geplagten in den Wagen gequetscht hatten, kehrte absolute Stille ein. Eine Gemeinschaft von Leidenden, die ihr Schicksal ergeben hinnahmen. Vermutlich weil für viele von ihnen solche Szenen inzwischen zum Bahnpendler-Alltag gehören. Hut ab vor allen Duldsamen. Die Deutsche Bahn kann sich glücklich schätzen, dass sie trotz des Fahrtplanchaos' noch solche Kunden hat.

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Freitag, 28. September 2018 von Klaus Irion

CCCP-Trikot im Neckarstadion

E s war der 22. Juni 1988. Die Mercedes-Benz-Arena hieß noch Neckarstadion, Russland noch Sowjetunion. An diesem Tag trafen Italien und die UdSSR im Halbfinale der Fußball-EM in Stuttgart aufeinander. Die Italiener hatten zu meinem Leidwesen den Deutschen in der Vorrunde den Gruppensieg überlassen müssen. Dadurch spielte Deutschland sein Halbfinale in Hamburg gegen die Niederlande, und ich musste stattdessen mit den Tifosi vorliebnehmen. Denn die Blanko-Halbfinalkarten hatte ich natürlich schon lange vor dem Turnier gekauft. Für den Spieltag lieh ich mir von einem Mitschüler ein knallrotes CCCP-Trikot. Vor dem Spiel begrüßten mich einige wenige sowjetische Fans überschwänglich und die Italiener schmunzelten. Nach dem Abpfiff (2:0 für die Sowjetunion) beeilte ich mich, ungeschoren vom Ort des Geschehens wegzukommen. Seit gestern ist klar: Im Jahr 2024 kommt die Fußball-EM nach Stuttgart zurück. Ich freue mich sehr darauf.

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Samstag, 11. August 2018 von Klaus Irion

Woher stammt der Name Irion?

Ich trage einen großen Namen, heißt eine beliebte Ratesendung des SWR, bei der Nachfahren von Persönlichkeiten nach erratenem Nachnamen aus dem eigenen Leben, aber vor allem aus dem Leben des nachnamensgleichen berühmten Vorfahren berichten. Nun kann ich nicht behaupten, dass ich einen berühmten Vorfahren namens Irion habe. Dafür kann ich sagen: Es ist ein außergewöhnlicher, weil eher seltener Nachname. So zumindest sehen es viele Zeitgenossen. Zwei Fragen, die mir in meinem Leben mit Sicherheit am meisten gestellt werden: „Woher kommt dieser Name?“ Und seit ich in Balingen lebe auch: „Sind Sie mit den Irions aus Geislingen oder denen aus Rosenfeld verwandt?“ Zu Frage eins: Die Herkunft meines Namens ist nach wie vor ungewiss. Es gibt die katholische Variante, wonach Irion dem Kölner Ortsheiligen Gereon geschuldet ist. Es gibt die evangelisch-französische Variante, wonach es ursprünglich ein Hugenottenname gewesen sein soll. Und es gibt die religiös neutrale Variante, wonach Irion aus dem alemannischen Sprachraum entstammt. Was die zweite Frage betrifft: Nein, ich habe – zumindest meines Wissens nach – keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen zu den wenigen Irions in Geislingen oder Rosenfeld. Ich bin ein vor vielen Jahren aus dem Südschwarzwald zugereister Irion, und meine Irion-Vorfahren stammen aus Flözlingen bei Rottweil. Diese Nicht-Verwandtschaft gilt auch zu unserer derzeitigen Redaktionspraktikantin Lea Irion aus Ratshausen. Auch wenn in der Öffentlichkeit – wieder einmal wohl unserem gemeinsamen seltenen Nachnamen geschuldet – bereits Verwandtschaftsgerüchte die Runde machen.

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