Freitag, 31. Oktober 2014 von Daniel Seeburger

Bruder Martin und Vater Franz

Nein, heute ist nicht Halloween. Auch wenn wieder kleine vermummte Gestalten durch die Straßen ziehen und ihre älteren Nachahmer einige Stunden später eine vorgezogene Gruselfasnet feiern. Nein, heute ist Reformationstag. Gerade ein Katholik wie ich, der Martin Luther ganz sympathisch findet, weiß diesen Tag zu schätzen. Ich kenne die Gründe, die den Augustinermönch zu einer zuerst vorsichtigen, dann immer härteren Kritik gegen eine Kirche bewogen haben, die zu einer Karikatur ihrer selbst verkommen war. Und ich weiß, dass Luthers Anliegen auch für die katholische Kirche wichtig waren. Als ich vor Jahresfrist den Familienfragebogen des Vatikans ausfüllte, musste ich an Luther denken. Und musste daran denken, dass der Reformator mit Papst Franziskus sicher weniger Probleme gehabt hätte, als anno 1517 mit Papst Leo. Allein schon deshalb, weil die Bescheidenheit des neuen Papstes nicht mit der Prunksucht seiner Vorgänger aus der Renaissance zusammenpasst. Und da kam mir ein ketzerischer Gedanken: Ob Vater Franz, hätte er damals gelebt, und Bruder Martin vor 598 Jahren womöglich gemeinsam an der Wittenberger Schlosskirche gehämmert hätten...?

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Katholische Zahlenakrobatik!


Am 31. Oktober 1517 wird aus Luthers Ideen, die zuerst nur sein eigenes Leben umkrempeln, ein Stück Weltgeschichte. An diesem Herbsttag schlägt er seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg .

2014 minus 1517 ergibt nach protestantischer Rechnung 497.
Wie kommen Sie auf 598 Jahre?
von Lothar Gerstenecker am 31.10.2014 12:21:15

Antwort auf Katholische Zahlenakrobatik!

Also, die 4 liegt auf dem PC-Zifferblock neben der 5 und die 7 neben der 8. 5 bzw. 8 werden falsch mit dem Zeigefinger getippt und logischerweise die 9 mit dem Mittelfinger. Passt und erklärt den Rechenfehler.

Das hat jetzt aber gar nichts mit dem heutigen Erdbeben zu tun. Weder die Hammerschläge im Jahr 1517, noch Seeburgers Kommentar. So welt-(sprich: erd-)bewegend ist er nicht. Sie können also nicht davon ablenken, dass Sie heute mit Rechen und Wollhandschuhen, gar noch mit Wollhandschuhen(!), sämtliche Erdstrahlungen durcheinandergebracht und das Beben ausgelöst haben. Geben Sie's zu, Herr Gerstenecker, dann kriegen Sie fünf Jahre weniger; und bei 100 Punkten gibt's einen Holz-Roller.
von Aniela Schneider am 31.10.2014 21:17:02

Frau Schneider und er Aberglaube!



Meine Bekannte sagt mir gerade, vier von fünf Menschen glauben an okkulte Kräfte, Erdstrahlen oder Pyramidenkraft, an Astrologie oder Reinkarnation, Geistheiler oder Außerirdische.


von Lothar Gerstenecker am 31.10.2014 22:11:17

Es waren "Älienz"!

Liebe Frau Schneider,

eine positive Grundstimmung und Freude an der Gartenarbeit prägen meine Arbeits-Accessoires: Diese schwelgen in herbstlich-sonnigen und kräftigen Farbstimmungen, kombiniert mit dezenten Details. Ein spielerischen Beiwerk, das die ernsthafte Arbeitsmoral aber nicht scheuen muss.

Bei genauer Betrachtung sollte Ihnen schnell klar werden, dass nicht nur Wollhandschuhe an sich Zeitgeist sind, sondern auch hier die Nachhaltigkeitsaspekte eine wichtige Rolle spielen.

Aber Spaß beiseite: Für das Beben mache ich „Älienz“ verantwortlich. Die bauen die Erde zum Zweitwohnsitz aus. Haben auf der Alb damit begonnen.

von Lothar Gerstenecker am 31.10.2014 21:59:12

Vertippt

Vertippt.
von Daniel Seeburger am 31.10.2014 21:14:29

Der Mensch von heute hat nur ein wirklich neues Laster erfunden: Geschwindigkeit.


Unter lasterhaftes Verhalten - im Sinne der christlichen Tradition - fällt Geschwindigkeit aber nicht, oder?
von Lothar Gerstenecker am 31.10.2014 21:34:38

Antwort auf Der Mensch von heute hat nur ein wirklich neues Laster erfunden: Geschwindigkeit.

Manchmal sollte sie wohl drunterfallen, Herr Gerstenecker. Manchmal nicht. Wenn, beispielsweise, ich von Freiburg auf die Alb düse, ist's absolut kontra-produktiv, die Geschwindigkeit den Lastern zuzuordnen. Beim Tippen auf einer PC-Tastatur kann's schon mal passieren, dass sich - vor allem bei Vorausahnungen von Erdbeben - die Finger in der Eile verbiegen, verheddern, verirren und so weiter und so fort.

Was wollen Sie - drüber raus - der Gans vorhalten, dem Delphin, dem Wal oder Elephanten, der ebenso sensibel begabt ist? Den Raben gar mit ihrer Schläue?

von Aniela Schneider am 31.10.2014 22:08:44

Schludrigkeit ist feminin – rührt daher Ihr Verständnis?


Liebe Frau Schneider,

vielleicht kein nonchalanter, aber ein doch ziemlich unsorgfältiger Umgang mit Sensibilität ist nicht nur im Zusammenhang mit dem Reformationstag zu beobachten.

Vertippen kann sich jeder. Danebenhauen allein ist keine Kunst, ja noch nicht einmal eine „Fehlleistung“. Interessant wird es heutzutage erst da, wo die Geschwindigkeit zur Fehlinformation führt.

Es stünde wohl besser um unser Verständnis der vielen Verwerfungen auf der Welt, schlösse das allgemeine Geschichtswissen (und exakte Daten gehören dazu) genauere Berichterstattungen ein.

Schludrigkeit ist feminin – rührt daher Ihr Verständnis?
von Lothar Gerstenecker am 31.10.2014 22:53:38

Antwort auf Schludrigkeit ist feminin – rührt daher Ihr Verständnis?

Was soll so freche Belehrung?
von Aniela Schneider am 01.11.2014 07:41:21

Ich belehre nicht!

Ich stelle Tatsachen fest!
von Lothar Gerstenecker am 01.11.2014 11:28:18

Antwort auf Vertippt

Hab' ich also recht gehabt. - Mein Beitrag entstand, bevor derjenige von Herrn Seeburger veröffentlicht war.
von Aniela Schneider am 31.10.2014 21:18:32

Donnerstag, 30. Oktober 2014 von Holger Much

Die Welt ist klein

Die Welt ist ja so klein. Und spannend verflochten. Nehmen wir beispielsweise Pink Floyd. Das erste Studioalbum seit 20 Jahren der 1965 gegründeten Psychedelic-Rock-Giganten wird am 7. November erscheinen, ein Datum, auf das ich wahrlich hinfiebere. Zumal ich zu Gilmore, Mason und Co. ja fast einen ganz persönlichen Draht habe. Naja - um ein paar Ecken herum wenigstens.

Denn das neue Floyd-Werk „The endless river“ wurde unter anderem von Phil Manzanera produziert, dem ehemaligen „Roxy Music“-Gitarristen. Manzanera produzierte auch ein Album von „Poems for Layla“, einer Berliner Ostfolk-Rockband um den Sänger Nikolai Tomas, bei der die Geigerin Anne da Wolff mitspielte, die ihrerseits wieder mit der früheren „Lemonbabys“-Sängerin Diane Weigmann zusammenarbeitet. Weigmann selbst sang auf mehreren Hits der Band „Die Ärzte“, bei denen nun schon seit vielen Jahren Rodrigo Gonzales am Bass steht, der früher bei den „Rainbirds“ für die tiefen Töne sorgte.

Ende der 80er Jahre waren die „Rainbirds“, natürlich mit Rod Gonzales, in der Zollern-Alb-Halle auf Tour und signierten ihre damalige aktuelle Langspielplatte (ja, so was gab's damals noch) sehr freundlich einem aufgeregten jungen Gymnasiasten, der seit kurzem beim ZAK als Freier Mitarbeiter angefangen hatte und sich heute unbändig auf die neue Scheibe von Pink Floyd freut. Alles ist verbunden.

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Was ist eine LP?


Herr Much, bitte ausführlich erklären. Ihren Kommentar lesen eventuell Personen, die auf die Frage „was ist ein Gugelhupf?“ ganz selbstverständlich antworten:“ Wenn mir der Laptop vom Schoß fällt.“

Übrigens: Die erste Single Arnold Layne, noch mit dem Gründer Syd Barrett, steht in meinem Plattenschrank. Und das Doppelalbum Ummagumma ebenfalls – aber signiert von allen Bandmitgliedern.
von Lothar Gerstenecker am 30.10.2014 23:58:54

Mittwoch, 29. Oktober 2014 von Volker Schweizer

Niedliche Hexen bringen Glück

Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass zu Halloween gar kein so großer Hype mehr gemacht wird? Es gibt sie zwar noch, die furchterregenden Masken und Gummizähne, doch in den Läden fristen sie eher ein Schattendasein. Dafür sind die Regale voll mit Christbaumkugeln und Kerzen in allen nur erdenklichen Farben – mit Weihnachten lässt sich eben doch ein größerer Reibach machen. Auch in den Prospekten, die samstags in den Briefkasten flattern, werden nur noch wenige Kostüme, vor allem für Erwachsene, angeboten. Vor Jahren waren die Blätter voll davon. Und vor Jahren fanden regelmäßig aufwendige Partys statt, zum Beispiel in der Straßberger Schmeienhalle, die immer zum Bersten voll war. Lange ist es her. Die Kinder haben ihren Spaß aber nicht verloren. Bei dem ein oder anderen werden sicherlich wieder kleine niedliche Hexen oder Geister vor der Tür stehen und „Süßes sonst gibt’s Saures“ rufen. Tun Sie Ihnen den Gefallen, es soll Glück bringen und kostet nicht viel!

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Dienstag, 28. Oktober 2014 von Holger Much

Nur Matsch

Um die 16 Grad soll die Durchschnittstemperatur dieses Sommers gelegen haben, hat mir jemand erzählt. Und das dürfte – gefühlsmäßig – schon hoch gegriffen sein. Der kälteste Sommer seit 40 Jahren. Man breite den Mantel des eisigen Schweigens über diese missratene Jahreszeit.

Was mich aber viel mehr daran erinnert, wie sehr aus der Art geschlagen der Sommer war, ist der Sumpf vor dem Haus, der zuvor mal mein Garten war. Das Albstädter In-Wohngebiet Stiegel liegt knapp unter 1000 Meter, nach zwei Fingerbreit Erde kommt purer Stein. Stein, durch den jeder Tropfen Wasser in Rekordgeschwindigkeit nach unten sickert und die Erde-Lehm-Kruste oben knochentrocken zurücklässt. Fingerbreite Risse im gelben Rasen waren oft normal. Früher.

Nun wuchert als Folge des ewigen Regens das Gras giftig grün und halbmeterhoch. Mähen ist jedoch fast nicht möglich, weil der Rasenmäher im Schmodder steckenbleibt. Die Holzterrasse ist mit Algen überzogen und Pilze schauen durch die Ritzen. Mein handwerklich begabter Nachbar hat mit dem Bau eines großen Schiffes begonnen. Immerhin gefällt das den Fröschen, Molchen und Kröten im Garten. Irgendwer hat immer was davon.

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Samstag, 25. Oktober 2014 von Holger Much

Das Desaster mit dem Deckel

Manchmal schafft man Dinge, die man niemals auch nur annähernd hinbekommen würde, wenn man den Auftrag dazu bekäme. So wie ich letztens in der Küche. Mit der Absicht, ein formschönes Spiegelei zum Frühstück zu zaubern, hantierte ich virtuos in der Küche. Zwischen Kaffeekochen, Toast brutzeln, Schinkenscheiben dekorativ auf Teller anordnen und Tomatenschnitze schneiden legte ich – betont sanft und feenflügelleicht – kurz einen Topfdeckel auf die Gusseisenpfanne, in der das Spiegelei verheißungsvoll vor sich hin brutzelte.

Nach etwa einer halben Minute wollte ich den Deckel wieder entfernen. Die Betonung liegt auf wollte. Der Deckel, minimal kleiner als der Pfannendurchmesser, war ein Stück in die Pfanne gerutscht und saß dort nun fest. Bombenfest. Keine noch so rohe Gewalt konnte ihn von seinem Platz bewegen. „Vakuum“, dachte ich, in komplexen physikalischen Fragen bewandert, und schlug ein Loch in den Deckel. Vergebens. Auch der nicht wirklich logische Versuch, die mysteriös-festverschweißte Deckel-Pfannen-Kombi durch Abkühlen voneinander zu lösen, scheiterte kläglich.

Lobenswerterweise besitze ich ein ganzes Arsenal von Pfannen – dem Frühstück stand daher nichts im Wege. Der Deckel übrigens ließ sich auch einen Tag später nicht von der Stelle bewegen und landete, samt Pfanne und eingeschlossenem Spiegelei, im Müll.

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