Samstag, 25. April 2015 von Benno Schlagenhauf

Definition von Pressefreiheit

Das Schöne daran, in der Redaktion einer Lokalzeitung und nicht etwa bei einer großen überregionalen Zeitung zu arbeiten ist, dass man seine Leser und Ansprechpartner genau kennt. Braucht man Infos bei Recherchen, kennt man meistens jemanden, oder man kennt jemanden, der jemanden kennt. Und andersherum funktioniert das genauso gut: Oft wird man angesprochen: „Du bist doch bei der Zeitung, ich hätte da was für euch ...“ So beginnt manche interessante Geschichte, die dann später in der Zeitung steht.

Manchmal gibt es auch lustige Begegnungen, wie etwa neulich, als ein Leser einen Kollegen und mich – eisessend in der Mittagspause – in der Balinger Innenstadt als ZAK-Redakteure erkannte und uns Folgendes amüsiert mit auf den Weg gab: „Das ist Pressefreiheit, wenn die Presse frei hat.“

Den Spruch werde ich mir merken, denn diese Definition von Pressefreiheit gefällt mir besonders gut.

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Freitag, 24. April 2015 von Jasmin Alber

Von Blinkern und Rindvieh

Deutschland ist das Land der Dichter und Denker und Deutsch die wahrscheinlich schönste und vielseitigste Sprache der Welt. Kleinod, Labsal und blümerant, Fingerspitzengefühl, Fernweh, Fremdschämen oder die Schnapsidee – manchmal lassen sich die Wortschöpfungen nicht einmal übersetzen. Mehrere Initiativen kämpfen, meiner Meinung nach nicht ohne Grund, dafür, aussterbende Wörter zu retten. Bei einigen Kreationen oder eher Auswüchsen des Deutschen würden sich Goethe, Fontane und Schiller aber im Grabe umdrehen. Denn wer gibt im echten Leben eine Kostenzusageübernahmeerklärung ab? Viel verständlicher und eindeutiger ist doch: „Ich bezahle das.“ Als Autofahrer setzt man den Blinker und betätigt im normalen Sprachgebrauch nicht den Fahrtrichtungsanzeiger. Statt in die Lebensberechtigungsbescheinigung werden Familienangehörige doch besser in ein Stammbuch eingetragen und zu unerwünschten Pflanzen im Garten passt doch das Wort Unkraut sowieso viel besser als „ausufernde Spontanvegetation“. Abgesehen vom unschönen Klang gibt es noch regelrechte Wortungetüme mit bis zu 67 Buchstaben (so zum Beispiel die Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung, die allerdings – vielleicht wegen des ellenlangen Begriffs? – überhaupt nicht mehr in Kraft ist). Thaddäus Troll hat bereits Rotkäppchen in Amtsdeutsch umgeschrieben – hier ist Lachen garantiert. Für Heiterkeit sorgte auch das Fundstück, auf das ich bei der Recherche für ein Landwirtschaftsthema gestoßen bin: die raufutterverzehrende Großvieheinheit, die eigentlich nichts anderes bedeutet als 500 Kilogramm Kuh.

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Donnerstag, 23. April 2015 von Dagmar Stuhrmann

Die Welt ist voller Bücher

Wer liest, hat mehr vom Leben. Das hört sich vielleicht platt an, trifft aber dennoch den Punkt. Zumindest gilt der Satz für jene, für die, wie für mich, Bücher schlicht eine Selbstverständlichkeit sind. Ich brauche nicht nur zu Hause immer genügend Lesestoff. Auch kann ich mich an keinen Urlaub, nicht einmal an einen Kurztrip erinnern, bei dem ich nicht mindestens drei bis vier Bücher im Gepäck hatte.

Letzteres könnte ich mir ja nun sparen. Schließlich gibt es E-Books, die platzsparende Alternative zum gedruckten Buch. Ist aber nichts für mich, auch wenn der Markt inzwischen satte Zuwächse einfahren kann. Seit einiger Zeit existiert ja nun auch noch eine weitere „Buch“-Art, das „Gesichtsbuch“, besser bekannt als „Facebook“. Zum Lesen und vor allem zum Anschauen gibt's hier reichlich. Ein Produkt unserer schnelllebigen Zeit, in der so vieles oberflächlich geworden ist und man manchmal das Gefühl bekommt, in der Flut von Informationen – gewollten und ungewollten – zu ertrinken. Da wünscht man sich doch einen Rettungsring... Ein herkömmliches Buch kann genau das sein. Es spielt in einer für sich geschlossenen Welt, es hat einen Anfang und ein Ende. Es lebt von Figuren, die – im besten Fall – dem Leser ans Herz wachsen. Das ist bereichernd und spannend.

Am heutigen „Welttag des Buches“ wird das Lesen gefeiert. Für unsere ZAK-SPEZIAL-Seite in dieser Ausgabe haben wir Buchhändler und Bibliothekare um Lesetipps gebeten. Die Empfehlungen sind als Anregung gedacht. Denn, wie schon gesagt: Wer liest, hat mehr vom Leben.

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Mittwoch, 22. April 2015 von Holger Much

Vorfreude ist Trumpf ...

Es kann eigentlich nichts mehr schief gehen: Mein Jahr ist bereits mit strategisch sorgsam ausgewählten Freudehöhepunkten versehen. Immer wenn der Alltag allzu grau zu werden droht, wenn Schmach und Frust übermächtig werden – dann kann ich mir bei einer der im Kalender anstehenden Begeisterungstankstellen wieder etwas Treibstoff holen, der über die trübe Durststrecke hinweg hilft.

Gleich Ende Mai wartet, der alljährlichen persönlichen Tradition folgend, der obligatorische Besuch des WGT im schönen Leipzig fünf Tage in der wunderbaren Kulturhauptstadt – die Freude darauf wächst Tag für Tag. Im Sommer kommt der ehemalige Marillion-Sänger Derek William Dick, genannt „Fish“, ins Ländle, ebenfalls ein Highlight, nachdem ich seit Jahren die Konzerte des Mannes konsequent verpasse.

Und dann, im Dezember, gleich zwei Anlässe, die mein Herz schon jetzt höher schlagen lassen: Einmal beehren die Nordmannen von „Nightwish“ unsere Landeshauptstadt, um ihre neueste, akustische Bombastüberdosis live darzubieten. Und dann wird sich Ende des Jahres natürlich der Vorhang heben, um mit dem wohl berühmtesten Filmvorspann, der im Nichts verschwindenden Schrift, den siebenten Teil der „Star Wars“-Saga in die Kinos zu bringen.

Wohl wissend, dass die Ereignisse selbst, sind sie einmal da und befindet man sich mitten darin, allzu schnell wieder vorbei sind, genieße ich intensiv die Vorfreude darauf. Denn Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

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Dienstag, 21. April 2015 von Rosalinde Conzelmann

TT: Toleranz im Trampelpfad

Allein schon das Wort klingt harmonisch: Tolerance Trail. Die Wirkungsweise ist ebenso harmonisch und soll Konflikte erst gar nicht aufkommen lassen. Konflikte zwischen Radfahrern und Wanderern. Stichwort: Zwei-Meter-Regel. Als einziges Bundesland verbietet Baden-Württemberg Radfahrern und Mountainbikern das Befahren von Waldwegen unter zwei Metern. Bestimmt haben unsere Politiker noch nie Urlaub in Südtirol gemacht. Womit ich wieder beim Tolerance Trail wäre. Zwei Wörter: Tolerance für Toleranz und Trail für Trampelpfad, ein schmaler Weg, von Mountainbikern heiß geliebt, weil das Passieren dieser flowigen Trails Können erfordert und riesig Spaß macht. Natürlich lieben auch Wanderer diese schmalen, ansteigenden Wege mit ihren tollen Aussichten. In Südtirol weisen diese zwei Wörter auf Hinweisschildern darauf hin, dass der Pfad für Radfahrer und Wanderer da ist und die gleichzeitige Benutzung von Respekt und Toleranz voreinander geprägt ist. Kleiner Aufwand, große Wirkung: Es funktioniert und führt sogar zur Annäherung. Bei einer unserer Touren in Latsch auf einem Tolerance Trail wollten wir schon absteigen, um eine Eisentür zu öffnen. Das war völlig unnötig. Zwei Wanderer mit ihrem Vierbeiner standen schon parat, das offene Tor in den Händen. Lächelnd wünschten sie uns eine gute und sturzfreie Weiterfahrt. Ja, meine Herren Politiker. Ich finde, Sie sollten mal zum Wandern oder Radfahren ins Vinschgau gehen.

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