Mittwoch, 17. Dezember 2014 von Jasmin Alber

Anleitung zum Glücklichsein

Um es gleich vorweg zu nehmen: Hier gibt es keine allgemeingültige Anleitung, um glücklich zu sein. Auch die „Happiness-Studie“ schafft das nicht auf über 70 Seiten. Dennoch stellen deren Macher interessante Thesen auf. Die meiner Ansicht nach einschneidendste: Die Ambient Awareness, also die Umgebungswahrnehmung, ist Internet und Social Media sei Dank eine andere. Fluch und Segen, gleichermaßen. Denn gerade weil man über die Plattformen mit seinem persönlichen Netzwerk aus Freunden, Bekannten, Familie und Kollegen einfacher als früher in Kontakt bleiben und Erlebnisse mit ihnen teilen kann, gibt es daran eine Kehrseite. „Die Erwartungen, was in der Freizeit zu erleben ist, steigen“, heißt es in der Studie. „Mit ihnen wächst auch die Angst, etwas zu verpassen.“ Die Jagd nach Zustimmungs-, sprich „Gefällt mir“-Bekundungen und Aufmerksamkeit kann also beginnen. Was auch mir regelmäßig auffällt, ist, dass offenbar bei einigen gänzlich alles festgehalten und veröffentlicht werden muss – nicht nur bedeutende Ereignisse. Das beginnt meist schon mit einem Foto des Frühstücks, das Phänomen des sogenannten „Food Porn“. Ist heute ein Konzert, sieht man vor der Bühne oftmals keine mitsingenden und tanzenden Fans, sondern hunderte Handydisplays, die das Geschehen auf der Bühne dokumentieren. Und es soll kein Rat mit erhobenem Zeigefinger sein – jeder muss das schließlich für sich selbst entscheiden –, aber ich frage mich, ob der Kuchen nicht genauso gut schmeckt, wenn ich kein Foto davon veröffentliche, und der Auftritt des Lieblingsstars nicht schöner im Gedächtnis bleibt, wenn ich ihn aufmerksam verfolge und stattdessen eben keine verwackelten Handyvideos davon habe. Dafür habe ich dann echte, kleine Glücksmomente – nur für mich.

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Den Menschen soll neue Lebensfreude vermittelt werden.


In Südkorea kann man seinen eigenen Tod vorwegnehmen. "Happy dying" heißen solche Seminare zum Beispiel. Sie sollen die Menschen glücklicher machen.

Die Liste der Teilnehmer reicht vom Oberschüler bis zum Rentner. Viele Unternehmen und Verbände meldeten ihre Beschäftigten oder Mitglieder an. Die Teilnehmer zahlen dafür 50 000 Won (etwa 36 Euro).

von Lothar Gerstenecker am 17.12.2014 14:52:42

Dienstag, 16. Dezember 2014 von Thomas Godawa

Wer kennt denn noch Rollerball?

Neulich saß ich vor dem Fernsehgerät um Wintersport zu schauen. Unter anderem wurde dort eine Eisschnelllauf-Disziplin angekündigt, die sich Massenstart nennt. Das ist eigentlich noch nicht weiter verwunderlich, denn den gibt es beispielsweise auch beim Biathlon. Hier war aber die Eisschnelllaufbahn gemeint. Und tatsächlich starten Teilnehmerinnen aus vielen Nationen gleichzeitig und machten sich auf 16 Runden im Eisstadion mit drei Sprintwertungen. Und der Kommentator verwies darauf, dass es hier Regeln einzuhalten gelte, es gehe hier ja schließlich nicht zu wie bei Rollerball. Und da wurde ich stutzig. Wer kennt denn noch Rollerball und kann mit diesem Querverweis etwas anfangen? Den Science-Fiction-Film mit James Caan in der Hauptrolle habe ich in meiner Jugendzeit gesehen, denn in die Kinos kam er 1975. Den jüngeren unter uns dürfte das also nichts mehr sagen. Doch beim Nachschauen im Internet durfte ich feststellen, es gibt ein Remake aus dem Jahr 2002 mit Jean Reno in einer der Hauptrollen. Schau an, schau an, dachte ich mir, Klassiker halten sich und werden gerne auch noch mal nachgeahmt. Meine Erkenntnis, der Begriff Rollerball hat sich also weiter getragen und ist doch bekannter als ich dachte, dem Internet sei Dank.

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Samstag, 13. Dezember 2014 von Holger Much

Tschornalisten sind in Mode

Irgendwie ist es ja fast schon wieder schade: Schöne kreative Ausspracheverzwirbelungen wie den „Expresso“ oder die wunderbaren „Gnotschi“ hört man fast nicht mehr. Mittlerweile hat sich eben doch herumgesprochen, dass der starke schwarze Göttertrunk „Espresso“ ausgesprochen wird und die leckeren italienischen Kartoffelteigklößchen eben „Njocki“. Dafür scheint sich, so habe ich den Eindruck, ein anderer, wirklich grausiger Betonungsmanierismus breit zu machen: Der „Tschornalist“.

Besonders nervig: die Falschbetonung wird neuerdings mit Vorliebe von TV-Vertretern ebenjener Berufsgruppe gepflegt, deren Bezeichnung verhunzt wird, den „Tschornalisten“ selbst. Statt des wunderbar weichen und schlichtweg korrekten, stimmhaften „Sch“ am Anfang, das sich nachvollziehbarerweise vom französischen „Journal“ ableitet, basteln engagiert in die Kamera schauende Medienvertreter jüngst mit boshafter Hartnäckigkeit ein hartes „T“ an den Anfang. Ob es die Kollegen nicht besser wissen? Oder wollen sie damit gar eine innige Verbundenheit mit der englischen Aussprache demonstrieren? Wäre letzteres der Fall, dürfen wir uns bald auf Ausspracheschöpfungen wie „Tschance“ oder „Tschesus“ freuen? Ich bin zwar eher anglophil – hoffe aber, dass uns das erspart bleibt. Und dass aus dem Tschornalist bald wieder ein Journalist wird.

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Jetzt sind auch die Leser auf der Alb auf dem Laufenden!


Von „Tschornalisten“ konnte man schon im Februar 2010 lesen. Allerdings stand das im „Spiegel“.

von Lothar Gerstenecker am 13.12.2014 10:35:34

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Ich verstehe die Aufregung von Much nicht, er ist doch gar nicht betroffen.
von Lisa Witsch am 13.12.2014 11:02:59

Zeit zur Selbstbesinnung!


Lisa, es ist Adventszeit, sei nett!
von Lothar Gerstenecker am 13.12.2014 17:56:16

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Ich bin immer nett, Advent ist für mich nichts Besonderes.
von Lisa Witsch am 14.12.2014 12:25:10

Advent ist, wenn ...

Für die einen ist der Advent die Zeit der Besinnlichkeit. Für die anderen ist es die Zeit des Shoppens bis zur Besinnungslosigkeit.

von Lothar Gerstenecker am 15.12.2014 10:36:41

Freitag, 12. Dezember 2014 von Daniel Seeburger

Penicillingutsle

Ich möchte Ihnen nicht den Appetit auf Ihren Weihnachtsbraten nehmen, aber gerade vor dem kollektiven Festtagsgeschmause sollten einige Gedanken über das Fleisch erlaubt sein. Auch ich esse ab und zu mal ein gutes Stück von Rind, Schwein oder Huhn. Aber ich gebe zu, dass ich immer nachdenklicher werde. Über die ethischen Probleme der industriellen Tierhaltung ist schon viel gesagt worden – der Fleischkonsum steigt trotzdem kontinuierlich. Was mich alarmiert hat, ist der Umgang mit Antibiotika in der Massentierhaltung. Wussten Sie, dass die deutschen Mäster 2013 sensationelle 211 Milligramm Antibiotika „pro Kilogramm behandelter Biomasse“ eingesetzt haben? Würde man das auf einen 80 Kilogramm schweren Erwachsenen umrechen, würde ich pro Jahr 16,9 Gramm Antibiotika zu mir nehmen. Und wenn ich der Praxis der Großmästereien, folge nicht nur bei einer konkreten Erkrankung, sondern prophylaktisch. Quasi täglich ein Penicillingutsle zum Frühstück. Zum Vergleich: Bei einer bakteriellen Atemwegsinfektion verschriebt mir der Arzt Ciprofloxacin. Da nehme ich dann insgesamt über bis zu zehn Tagen zwischen fünf und zehn Gramm Antibiotika zu mir. Nun sind Bakterien nicht dumm. Falsch eingesetztes Antibiotika führt dazu, dass das Bakterium resistent wird und ein anderes Antibiotikum gefunden werden muss. Forscher gehen davon aus, dass sich durch den Einsatz von zu viel und falsch eingesetztem Antibiotika in Ställen langfristig auch für Menschen gefährliche resistente Bakterienstämme bilden. Überspitzt formuliert: Der Genuss von Fleisch aus Massentierhaltung könnte dazu führen, dass wir zukünftig bakterielle Erkrankungen nicht mehr mit Penicillin behandeln können. Meine Konsequenz: Maximal zwei Mal pro Woche Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren aus der Region. Das darf dann auch gerne etwas teurer sein.

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Penicillingutsle auf Rezept!


Warum hat man in den letzten Jahren nicht viel von der Grippe gehört? Weil der Einsatz von Medikamenten in der deutschen Tierhaltung seit 2005 mehr als verdoppelt wurde!

Jeden Tag ein Penicillingutsle auf Rezept … in punkto Effizienz und Nachhaltigkeit sollten darüber auch die „kranken Kassen“ nachdenken.

Ökonomisch ist die Pillenzufuhr über die Weidemast sehr lukrativ.
von Lothar Gerstenecker am 12.12.2014 15:54:29

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Influenza wird durch Viren verursacht. Da können Sie noch so viel Antibiotika schlucken - total wirkungslos.
von Daniel Seeburger am 12.12.2014 16:31:37

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Dass die echte Virusgrippe durch eine Infektion mit Influenzaviren ausgelöst wird,
hat mir meine Tochter erst vergangenes Wochenende sehr ausführlich und „fachfrauisch“ erklärt. Daher wurde mir auch der Besuch des Heidelberger Weihnachtsmarktes untersagt.

Als medizinischer Laie habe ich allgemein formuliert: Grippe. Ich hätte auch Schnupfen, Husten, Heiserkeit, Erkältung oder auch Katarrh (schreibt man das so?) sagen können.

Es ging mir einfach um die Aussage, dass man mit einem Schnitzel oder einer Hähnchenbrust mehr „Gesundheit“ zu sich nimmt, als mit einer Pille!

Die Ironie in meinem ersten Kommentar wurde bemerkt?
von Lothar Gerstenecker am 12.12.2014 18:56:00

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Auch Schnupfen, Husten, Heiserkeit sind in den allermeisten Fällen Viruserkrankungen. Fatal wird's, wenn man meint, eine Erkältung mit Antibiotika bekämpfen zu müssen. Das ist so erfolgreich, wie wenn sie ein brennendes Haus zu löschen versuchen, indem sie das Nachbarhaus mit Wasser bespritzen.
von Daniel Seeburger am 13.12.2014 21:25:37

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Nachdem ich Erkältungskrankheiten (grippale „Effekte“) nur vom Hören kenne, interessieren mich die Viren nicht sehr.

Ich muss allerdings zugeben, dass die Sache auch sehr ernst werden kann. Stichwort: Notaufnahme Krankenhaus. Das ist aber schon 25 Jahre her.

Daher Präventivmaßnahme Nr.1: Im Spätherbst jeden Tag ein Glas warmen Holundersaft (aus dem eigenen Garten) trinken. Im Reformhaus gibt es auch gute Angebote. Das Glas anwärmen und dann nochmals mit Saft in die Halterung eines Schoppenwärmers – als Vater müssen Sie das Ding kennen – stellen. Besser geht es nicht.

Ihr Nachbar will keine Erkältung. Daher nimmt er Holundersaft. Ihre rote Nase ist dem egal. Das entspricht dem Bespritzen des Nachbarhauses mit Wasser.

Aber nochmals: Es ging mir einfach um die Aussage, dass man mit einem Schnitzel oder einer Hähnchenbrust mehr „Gesundheit“ zu sich nimmt, als mit einer Pille!

Weiterhin angenehme Samstagsarbeit. Ich habe auch noch Stunden vor mir.

von Lothar Gerstenecker am 13.12.2014 22:15:23

Donnerstag, 11. Dezember 2014 von Gudrun Stoll

Wer fragt schon die Zuschauer?

Immer schräger, immer blutiger, immer greller: Der „Tatort“ mutiert zur Karikatur. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Ermittler von heute alle einen, auf gut schwäbisch gesagt, „Hau“ haben, zumindest aber in tiefen Beziehungskrisen stecken müssen, um fürs Sonntagabendprogramm zu taugen. Wenn sich die Fernsehmacher da nur nicht täuschen im Wunsch der Zuschauer nach guter Unterhaltung. Ich zumindest habe keinen der jüngst ausgestrahlten „Tatorte“ länger als 30 Minuten mitverfolgt. Zu langweilig, zu dialoglastig, zu verschachtelt, zu sehr auf „Psycho“ getrimmt kamen Geschichten und Kommissare daher.

München, Münster, Wien und Konstanz zählen zu meinen Favoriten. Nun sortiert der SWR den Bodensee-Tatort aus. Nicht jede Jagd von Klara Blum und ihrem Team nach Mördern und anderen Verbrechern mag in den vergangenen 14 Jahren gezündet haben wie das Seenachtsfest. Aber die Krimis vermittelten Heimatgefühl und die Schauspieler gaben ihren Rollen ein markantes Profil. Nun kommt das Ende, weil der SWR Neues ausprobieren möchte. Das ist schade, denn im Dreiländereck im Süden der Republik steckt noch ausreichend Stoff für viele aufregende, charmante und gut erzählte Geschichten in einer Landschaft, die sich wohltuend abhebt vom eintönigen Grau der Stadtkrimis. Der „Tatort“ driftet in die Untiefen eines Zeitgeistes, der Bewährtes schnell aufs Abstellgleis setzt und dem Neuen auf Teufel komm raus huldigt. Zumindest für einen kurzen Augenblick. Dann beginnt das Hase-und-Igel-Spiel von vorne. Ohne Not. Beliebte Ermittler sind wie gute Bekannte, die man sonntags gerne ins Wohnzimmer lässt. Aber wer fragt schon uns Zuschauer?

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