Samstag, 24. Januar 2015 von Volker Bitzer

Fotos entlarven Unfallflüchtige

Es vergeht keine Woche, ja, oft nicht einmal ein Tag, dass die Polizei nicht nach einem Unfallflüchtigen fahndet, der beispielsweise beim Ein- oder Ausparken ein anderes Fahrzeug beschädigt hatte, aber ohne sich darum zu kümmern einfach abhaute. Darüber informiert die Polizei die Zeitung per Pressebericht und bittet per Abdruck um Mithilfe. Wie oft solche Suchaktionen nach verantwortungslosen, egoistischen Autofahrern ins Leere laufen, kann sich jeder selbst vorstellen. Um so origineller war ein Fall, der vor nicht all zu langer Zeit auf unserem elektronischen Redaktionstisch landete. Auch hier beging ein Autofahrer Unfallflucht, nachdem er auf einem Parkplatz ein fremdes Auto mit seinem touchiert hatte. Seine Flucht war aber nicht lange von Erfolg gekrönt. Dank einer cleveren und umsichtigen Frau, deren Wagen beschädigt worden war. Sie hatte nach dem Abstellen ihres Autos – vorausschauenderweise – die Parkszene auf einem Foto festgehalten. „Ach, schau mal, noch andere kommen auf diese Idee“ kam mir sogleich in den Sinn. Weil ich das nämlich auch schon so praktizierte. Aber warum eigentlich nicht grundsätzlich kurz ein Handyfoto machen von der Parksituation und den Autos der Parknachbarn? Samt gut lesbaren Kennzeichen, versteht sich. Im Falle eines Falles gäbe es so zumindest Anhaltspunkte, wer das eigene Heilix-Blechle demoliert haben könnte. Und sollte dieses Vorgehen erst einmal Schule machen, dann sind potenzielle Unfallflüchter ohnehin gewarnt. Diese überlegen es sich garantiert zweimal, bevor sie nach verursachtem Blechschaden feige und rücksichtslos das Weite suchen.

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Na und?

Ein solches Foto würde lediglich beweisen, dass man an dieser Stelle geparkt hat, mehr nicht. Ansonsten würde es auch falschen Anschuldigungen Tür und Tor öffnen und echte Beschädigungen müssten erst bewiesen werden.
von Lisa Witsch am 24.01.2015 17:50:00

Entlarvung im Zwielicht!


Vor knapp 6 Wochen hat der Europäische Gerichtshof in einem Grundsatzurteil entschieden, dass Überwachungskameras auf dem eigenen Grundstück gekennzeichnet werden müssen.

Vor ein paar Monaten übernahm eine Google-Tochter den Hersteller von Überwachungskameras.
Das führte zu einem Aufschrei der Empörung – in der Presse!

Wie passt der ZAK-Vorschlag dazu in die Reihe?
von Lothar Gerstenecker am 25.01.2015 14:00:08

Freitag, 23. Januar 2015 von Holger Much

Selbst parkt der Mann

Schwupps, schon sitzt das Auto perfekt in der Parklücke, und zwar ohne dass der eigentliche Fahrer die Hand im Spiel hatte. Mit dieser automatischen Einparkhilfe wirbt aktuell ein großer Autohersteller. Schon beim Zusehen wird mir flau im Magen. Obwohl gerade ich sicherlich zu der Gruppe von Menschen gehöre, die für diese magisch wirkende Neuheit prädestiniert wären. Denn wenn ich eines nicht kann, dann ist es einparken. Vorwärts geht ja noch gerade so, aber rückwärts in eine Parklücke? Da brauche ich schon mehrere Anläufe.

Dennoch würde ich mir nie so ein Wunderauto kaufen. Da entdecke ich tief in mir ein fest verwurzeltes Misstrauen gegen Technik. Zumindest möchte ich subjektiv das Gefühl haben, die Technik zu beherrschen – und nicht anders herum. Dafür blamiere ich mich auch gern beim Einparken.

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Donnerstag, 22. Januar 2015 von Daniel Seeburger

Niemand zum Leid!

„Jedem zur Freud' und niemand zum Leid!“ Das Motto der Rottweiler Fasnet ist eigentlich das Grundgesetz der gesamten schwäbisch-alemannischen Fasnet. Soll heißen, der närrischen Anarchie sind enge Grenzen gesetzt. Der Spaß hört dort auf, wo jemand durch die Narretei beeinträchtigt wird. Der Narr darf eben doch nicht alles.

Niemand hat etwas dagegen, wenn sich eine neue Narrengruppe bildet. Das ist sogar der Sinn der Fasnet, die eben kein statisches Brauchtum ist. Allerdings sollte man bei Neugründungen Vorsicht walten lassen. Vor allem bei den gerade so beliebten Hexengruppen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, die Hexe in der Fasnet sei eine Karikatur der Hexenprozesse und Hexenverbrennungen, die in Europa zwischen 1500 und 1800 ihren Höhepunkt gefunden haben. Der ausgewiesene Fasnetkenner Professor Werner Mezger weist in seinem Buch „Das große Buch der schwäbisch-alemannischen Fasnet“ darauf hin, dass im alten Brauchtum der Teufel der „Repräsentant der närrischen Welt“ gewesen war und nicht die Hexe. Diese fand erst ab den 1930er-Jahren vermehrt Einzug in die Narretei. Ausgangspunkt war Offenburg. Dort feiert man nachweislich seit dem 15. Jahrhundert Fasnet – allerdings ohne Hexenfiguren.

„Der mittelalterliche Hexenprozeß war eine so heikle (...) Angelegenheit, daß niemand gewagt hätte, Hexen und Hexenverbrennungen in der Fastnacht zu verulken“, führt die Zunft auf ihrer Internetseite aus. Und zieht Grenzen: „Dennoch gibt es immer wieder junge Zünfte, die ihre neu geschaffenen Hexenfiguren mit dem Hinweis auf den letzten Hexenprozess im Ort legitimieren. Dass dies eine Geschmacklosigkeit und Menschenverachtung ersten Ranges ist, erschließt sich ihnen offenbar nicht.“

In der Fasnet darf man sich über andere lustig machen, keine Frage. Allerdings nicht uneingeschränkt. Verbrechensopfer taugen nicht zur Karikatur. Eine neue Hexengruppe in Engstlatt? Nichts dagegen! Aber eine ohne Namen. Denn Anna Murschel gehört nicht in einen Fasnetumzug. An diese mutige Frau muss anders erinnert werden. Beispielsweise mit einem Mahnmal für die Opfer der Verfolgung und Ermordung unschuldiger Frauen.

Facebookdiskussion zum Thema

Leserbrief zum Thema

Stellungnahme der Murschel-Hexen bei Facebook

 

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Kommentar deckt nicht die ganze Thematik ab, in Obernheim geht der Spuk weiter!

Bezüglich der neuen Hexengruppe, die aus unverständlichen und unerträglichen Gründen den Namen "Murschel" trägt, kann ich diesem Kommentar beitreten und begrüße ihn. Ich finde auch, dass der Name unbedingt geändert werden muss. Was Werner Mezger zur Rechtfertigung anderen Schabernaks in Sachen Hexen schreibt, muss jedoch nicht unbedingt stimmen. Man kann die Problematik auch anders interpretieren. In Obernheim wird die anonyme Figur "Unholda Moserin" jedes Jahr als Hexe vor Gericht gestellt, verurteilt und verbrannt, als ob es in diesem Lande nie wirkliche Hexenprozesse und -verbrennungen gegen unschuldige Frauen und Männer gegeben hätte. Es wird Zeit, dass dieser Schwachsinn, für den ich den Vorgang halte, endlich verboten wird.
von Lisa Witsch am 21.01.2015 13:42:18

Donnerstag, 22. Januar 2015 von Jasmin Alber

Renaissance für die Bouillon

Kaiserin Elisabeth soll wie viele Mitglieder des Habsburger Hofstaats ein regelrechter Fan gewesen sein und, zugegeben, sie schmeckt einfach. Doch es handelt sich nicht um aufwendige Haute-Cuisine, sondern um klare Fleischbrühe – extravaganter auch Bouillon oder Consommé genannt. Und eben jene Brühe erlebt derzeit in New York eine „trendy“ Renaissance als „weltweit erstes Komfortessen“. An sich ist das nicht verwerflich, denn die klare Fleischsuppe wird schließlich nicht umsonst als Kraftbrühe betitelt und ist für ihre vitalisierende Wirkung bekannt. Der Clou für die hippen Großstädter: Natürlich gibt's die Bouillon für umgerechnet knapp acht Euro ausschließlich zum Mitnehmen im schicken Pappbecher. Selbst bei hochwertigen Zutaten, die zurecht nicht günstig sind, ist das Wucher. Was mich außer dem horrenden Preis an dem Konzept aber am meisten stört, ist das Widersinnige – abgesehen davon, dass der Erfinder der Mitnehmbouillon (ernsthaft?) plant, im Sommer Klare-Brühe-Eiswürfel zur Erfrischung anzubieten. Denn hinter dem propagierten Konzept des LOHAS und den Unterformen stehen unter anderem Entschleunigung, bewusste Nahrungsaufnahme und das Zurückkehren zu den Wurzeln – Stichwort: bekömmliche Steinzeiternährung – im hektischen, stressigen Alltag. Und das „to go“-Prinzip ist hier dann definitiv fehl am Platz.

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Mittwoch, 21. Januar 2015 von Nico Pannewitz

Arroganz der Jugend?

Im Jahr 2000 beging der amerikanische Schauspieler Richard Farnsworth im Alter von 80 Jahren Selbstmord, da er die Schmerzen seiner Krebserkrankung nicht mehr aushielt. Kurz zuvor hatte er in dem Film „The Straight Story“ die Hauptrolle des sehr alten Alvin Straight gespielt, der in der Geschichte auf die Frage, was das Schlimmste am Altern sei, antwortete: „Die Erinnerung an die Zeit, als ich jung war.“ Der Film und die Geschichte um Farnsworth blieben bei mir hängen. Nicht nur, weil sich wohl jeder Mensch ab und zu Gedanken darüber macht, wie viel Zeit einem wohl noch bleibt. Sondern auch, weil ich mich oft frage, ob ich denn meine bisherige Zeit optimal genutzt habe. Nicht erst seit der Fanta-Kampagne „100 Dinge, die du getan haben solltest, bevor du erwachsen bist“ und dem Kürzel YOLO (You only live once) werden Teenager und junge Erwachsene medial bombardiert mit Ideen und Möglichkeiten, ihr Leben zu „bereichern“. Spätestens jetzt, wo ich langsam auf die 30 zu gehe, kann ich nicht anders, als immer mal wieder zu denken „Dies hättest du nur damals machen können“ und „Du hast ja gar nicht gelebt“. Obwohl ich mich noch nicht als „alt“ bezeichnen würde, denke ich also, bereits etwas nachvollziehen zu können, mit welcher Melancholie und Wehmut manche Menschen auf ihr eines Leben zurückblicken. Dennoch verstehe ich auch, dass das eigentlich weinerlich ist, da ich die verpassten Chancen theoretisch alle nachholen könnte, welche sich auf den zweiten Blick ohnehin oft als Schwachsinn oder nicht der Rede wert erweisen. Was mich zudem etwas nervt, sind die zahlreichen Biografien von jungen Stars, die mittlerweile die Buchmärkte pflastern. Zum einen sind diese statt auf eine ernsthafte Beschreibung ihrer Persönlichkeit innerhalb der Weltgeschichte oft mehr auf kurzfristige, oberflächliche Interessenbefriedigung und schnellen Geldfang ausgelegt, bevor das Licht der Sternchen wieder verlischt. Zum anderen erwecken diese Biografien nicht selten den Eindruck, das „richtige“ Leben sei mit 30 oder 40 bereits vorbei. Und sie verdecken oft die Biografien jener Menschen, die wirklich ein Leben lang etwas geleistet haben und etwas zu erzählen hätten. Oder, wie im Falle von Farnsworth: gehabt hätten.

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