Samstag, 19. April 2014 von Daniel Seeburger

Tanzen am Karfreitag

Ja, ich bin gestern auch nicht tanzen gegangen. Ich habe keine „öffentliche Unterhaltungsveranstaltung“ besucht, die an Karfreitag, aber nicht nur an diesem Feiertag, in Baden-Württemberg untersagt sind. An insgesamt neun Tagen im Jahr gelten diese „Tanzverbote“, beispielsweise auch am Volkstrauertag. Die Verbote spricht übrigens der Staat aus und nicht die Kirchen – auch nicht an Karfreitag. Obwohl ich als Christ den Karfreitag lieber ruhig und ernst begehe, liegt es mir fern, Glaubensfremden ihren Spaß verbieten zu wollen. Wenn sie meinen, gerade an Karfreitag ein Fass aufmachen zu müssen – sollen sie. Aber sie sollten auch daran denken, dass Karfreitag nicht Feiertag und damit arbeitsfrei ist, weil just an diesem Tag die Tanzböden frisch gebohnert worden sind. Und Christen wie Nichtchristen könnten sich Gedanken darüber machen, dass auch gestern unzählige Menschen ihren persönlichen Karfreitag erlebt haben. Menschen, die Angehörige verloren haben, Kinder, die missbraucht werden, Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen müssen, syrische Christen und Muslime, die versuchen, in einem brutalen Krieg zu überleben, Einsame, Misshandelte und Verzweifelte. Angesichts der schreienden Ungerechtigkeit scheint mir die Diskussion darüber, ob an Karfreitag getanzt werden darf, grotesk. Wenn auf dieser Erde niemand mehr hungert und unterdrückt wird und alle Menschen die selben Chancen auf ein sorgenfreies Leben haben – dann tanze auch ich am Karfreitag.

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Donnerstag, 17. April 2014 von Rosalinde Conzelmann

An Tagen wie diesen . . .

Kennen Sie das auch? Diese Tage, die so verquer beginnen, dass man sofort zurück sollte ins Bett und weiterschlafen. Am letzten Donnerstag war so ein Tag. Nachdem ich mich darüber gefreut habe, dass in der Milchtüte noch ein Rest war und diese für meinem Kaffee aufschäumte, musste ich beim ersten Schluck feststellen, dass die Milch sauer war! Und weil ich schwarzen Kaffee nicht mag, war das Thema damit erledigt. Dann halt ein Müsli. Ich bin mir sicher, dass die beiden Becher mit Quark und Yoghurt am Tag zuvor noch gut gefüllt waren. Denkste. Zwei Löffel habe ich noch rausgekratzt, gerademal der Bodensatz für das Schälchen. Okay, also kein Müsli, dafür Toastbrot. Wenn noch eins da wäre! Also ZAK-Lektüre ohne Frühstück. Macht keinen Spaß, auch wenn es heißt, ein voller Bauch studiert nicht gerne. Ich hab's dann gelassen, Kaffee, Frühstück, Zeitung und bin ins Geschäft gefahren – mit der Befürchtung, dass bestimmt über Nacht mein PC abgestürzt ist. War aber nicht so und der Kaffee aus dem Automaten hat auch passabel geschmeckt. Ach ja, die aufgebaute Blitze habe ich (oh Wunder) auch rechtzeitig gesehen. Womit bewiesen wäre, dass alles halb so schlimm ist und saure Milch kein (Tages-) Spielverderber sein muss. Wobei . . . es gibt ja auch jene Tage, da geht es grad so weiter, wie es angefangen hat. Aber das ist jetzt ein anderes Thema.

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Schanghai-Peking-Emmental-Afrika, Reihenfolge beliebig.

Es gibt Tage, an denen man den Redaktionsblog besser weglassen sollte.
von Lisa Witsch am 17.04.2014 13:48:48

Mittwoch, 16. April 2014 von Volker Schweizer

Schiefertafel statt Fahrrad

Wurden Sie am Sonntag als Palmesel gehänselt, weil sie als letztes Familienmitglied aufgestanden sind? Mit dem Palmsonntag begann die Karwoche, und die ist reich an schönen und recht eigentümlichen Bräuchen – vor allem in den katholischen Orten. Noch gut erinnere ich mich an meine Jugendzeit. Weil die Glocken schweigen müssen, sind wir Ministranten mit einer Rätsche – die übrigens immer noch im Einsatz ist – durchs Dorf gezogen und haben die Einwohner lautstark an die Gottesdienste und Andachten erinnert. Vorzugsweise auf Schachtdeckeln, denn da hat es besonders gut gehallt. „Eier in Gratta“ lautet auch heute noch der Heischespruch, mit dem die Gläubigen am Karsamstagmorgen aufgefordert werden, sich für das „Rätschen“ und die Altardienste zu bedanken. Nicht nur mit Eiern, auch mit Schokolade und mit barer Münze. Und wie sah die „Bescherung“ anno dazumal an Ostern aus? Der Osterhase legte noch keine Fahrräder ins Nest, es gab nur Süßes, und auch das nicht in rauen Mengen. Im Heimatbuch ist nachzulesen, dass für die Schulanfänger noch eine Schiefertafel und zwei Griffel dabei waren, denn in der Nachkriegszeit begann das Schuljahr nach Ostern.

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Dienstag, 15. April 2014 von Daniel Seeburger

Ritt auf dem Palmesel

Der Palmsonntag ist für einen ehemaligen Ministranten ein ganz besonderer Tag. Vor allem, wenn er in Dotternhausen Messdiener war – und das Ganze schon 35 Jahre her ist. Denn damals befreiten die Ministranten am Palmsonntag vor dem Gottesdienst den hölzernen Palmesel mitsamt der lebensgroßen Christusfigur aus dem Glockenturm. Dort fristete er das ganze Jahr über sein Dasein. Wir Ministranten hoben den segnenden Jesus aus dem Sattel und setzten uns selbst auf den Esel. Die Beine des grauen Gesellen standen auf vier kleinen Rollen – und jeder Messdiener wurde von seinen Kollegen einmal durch die Kirche gezogen. Heute muss der Palmesel nicht mehr im Glockenturm darben. Denn irgendwann einmal kamen Leute von der Diözese und untersuchten Esel und Reiter. Der Palmesel, so das Untersuchungsergebnis, stammt aus dem Mittelalter und ist eines der wenigen, fast komplett erhaltenen Ensembles dieser Art in ganz Südwestdeutschland. Jetzt steht mein grauer Freund an exponierter Stelle in der Kirche – gut gesichert von einer Alarmanlage. Und ich kann meinen staunenden Kindern erzählen: „Da ist euer Papa auch schon drauf geritten!“

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Samstag, 12. April 2014 von Gudrun Stoll

Ei, ei, ei was blüht denn da

Kennen Sie den Kultfilm „Es weihnachtet sehr“ mit der Griswold-Familie? Vater Clark schmückt das Haus mit Lichterketten, an denen 25 000 Glühbirnen hängen. Diese zum Leuchten zu bringen, sorgt für aberwitzige Situationskomik. Typisch amerikanisch ? Mitnichten. Nicht nur zur Weihnachtszeit steht auch den Deutschen der Sinn nach Rekorden. So schmückt im thüringischen Saalfeld eine Familie in den Wochen vor Ostern ihren Apfelbaum mit 10 000 Eiern. Das Familienoberhaupt erfüllte sich einen Kindheitstraum, als er 1965 das erste Mal die Äste des damals noch jungen Baumes mit 18 Plastikeiern dekorierte. Mehr geht nicht, sagte die Familie, als 2012 die magische Grenze von 10 000 Eiern überschritten wurde. Ihr Garten ist längst zur Pilgerstätte geworden, den bis zu 15 000 Besucher aus dem In- und Ausland jedes Jahr an Osten besuchen. Souvenirs und Postkarten gibt's um die Ecke. Wer's nicht glaubt, kann gerne im Internet googeln.

Das Schmücken eines Osterbaums ist ein schöner und alter Brauch. Bäume dienten schon den Kelten und Germanen als ein Symbol für Leben und Fruchtbarkeit, insbesondere, wenn die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht und die Knospen und Blätter wachsen und blühen. Das Frühlingserwachen beflügelt mittlerweile auch die Älbler zu kreativen Höchstleistungen. Die Kartons mit Christbaumkugeln und Lametta müssen sich auf der Bühne den Platz längst mit Schachteln und Boxen teilen, die prall gefüllt sind mit wetterfester Osterdekoration.

Schlappohrhasen und Terracotta-Hennen stehen friedlich vereint unterm Fliederstrauch. Den in goldener Pracht leuchtenden Forsythien verleihen bunt bemalte Eier einen Farbtupfer. Porzellanputte und hölzerner Troll machen dem klassischen Meister Lampe mächtig Konkurrenz. Selbst der Wetterhahn trägt im flatternden Wind des Frühlings ein kunterbuntes Osterkleid. Kitsch darf sein. Erlaubt ist, was gefällt. Schauen Sie am Wochenende mal etwas genauer in die Gärten ihres Heimatortes. Sie werden ihr blauen (Frühlings-) Wunder erleben.

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