Samstag, 20. September 2014 von Volker Bitzer

Anrufen ist unhöflich

„Schon wieder dieses blöde Telefon“ – kennen Sie auch, oder? Und fragen sich: „Wer will jetzt schon wieder etwas von mir.“ Genau genommen ist Telefonieren in der heutigen Zeit obsolet und in den meisten Fällen sogar aufdringlich und unhöflich. Preschthaft würde der Schwabe sagen. Sehen wir mal von wirklichen Notfällen oder terminlich sofortigem Klärungsbedarf ab, ist ein Telefonanruf eine Attacke. Störend. Egal, ob zu Hause oder im Büro. Denn der Anrufer zwingt den Angerufenem zu etwas, was ihm in diesem Augenblick eventuell nicht gelegen kommt. Reißt den Angerufenen womöglich aus höchster Konzentration, verdienter Ruhe oder sonstigem Tun – sei es beim Braten am Herd, dem Bearbeiten einer Bilanz oder beim Nachrichtenanschauen. Im IT-Zeitalter hat dieser Anruf-Stress eigentlich nichts mehr verloren. Ob per E-Mail oder Skype, WhatsApp oder Instant Messenger... – die meisten sind irgendwie immer online und können, wenn sie wollen, eingehende Botschaften laufend prüfen. Der auf diese Weise „Angerufene“ muss dann eben nicht sofort alles stehen und liegen lassen, nur um genau jetzt auf den Willen eines Anrufers einzugehen. Er kann in Ruhe etwas zu Ende bringen und gelassen etwas später antworten; dann, wenn es ihm vielleicht besser reinpasst. Sei es in zwei oder drei Minuten oder auch erst in einer halben Stunde. Alles abhängig von der gebotenen Dringlichkeit. In modernen Unternehmen ist non-akustische Kommunikation längst Standard. Förderlich und obligat, um Mitarbeiter – in Großraumbüros zudem auch noch unbeteiligte Kollegen – nicht unnötig durch Telefongeschrille von wichtiger Arbeit abzulenken. Das ist „Knigge 2014“ .

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Höflichkeiten verschwinden!


Mit der Technik verändern sich auch die Sprache und die Umgangsformen. Höflichkeit und Etikette sind keine Selbstverständlichkeiten mehr, sie sind schon fast passé.

Und dies nicht nur im privaten, sondern auch im beruflichen Kontext. E-Mails, die vor rund zwanzig Jahren das Schreiben von Briefen und mittlerweile auch das Telefonieren weitgehend ersetzt haben, werden ohne Anrede immer üblicher, statt den «freundlichen Grüssen» genügen «Gruss» oder gar die Abkürzungen «Mfg» und «Lg».

Kondolenzschreiben werden mitunter per E-Mail verschickt, auf einen Brief wird per SMS geantwortet. Die Einsicht, dass jedes Medium auch den Inhalt und die Form tangiert, ist vielen Menschen offensichtlich nicht mehr gegeben.
Das ist unhöflich!

Gar kein Verständnis habe ich aber dafür, wenn man im Restaurant gleich als Erstes sein Telefon auf den Tisch legt – das gehört sich nicht, auch nicht zum BusinessLunch.
Das ist nicht nur unhöflich – das zeugt von schlechtem Stil.

Von Tischmanieren reden wir besser überhaupt nicht!
von Lothar Gerstenecker am 21.09.2014 13:27:41

AB einschalten!

Wer nicht angerufen werden will, sollte entweder sein Telefon abmelden, den AB einschalten oder auf den einen oder anderen Anruf einfach nicht reagieren. Man muss ja nicht unbedingt jedesmal da sein, wenn das Telefon klingelt aber Anrufen als unhöflich zu bezeichnen halte ich für keine gute Idee. Es könnte ja immerhin sein, dass der Anrufer einen wichtigen Grund für seinen Anruf hat.
von Lisa Witsch am 20.09.2014 14:44:40

Freitag, 19. September 2014 von Gudrun Stoll

Eine Baustelle

Das waren noch Zeiten, als die Albstädter flugs in einen Baumarkt fahren konnten, um sich Dübel, Schrauben und Fugenkit für das Werkeln im Eigenheim besorgen konnten. Der Blick in die 80er Jahre, denen mittlerweile schon das Patina goldener Zeiten anhaftet, macht auf schmerzliche Weise den Wandel deutlich. In der Textilmetropole öffnete damals der erste Baumarkt. Es folgte ein zweiter und ein dritter. Der Pionier OBI hat sich schon seit langer Zeit aus der Stadt verabschiedet. Im vorigen Jahr verlor Albstadt durch die Praktiker-Pleite die beiden anderen Märkte. Und nun ? Der Traum vom schnellen Ersatz ist geplatzt, die Planungen für einen Neubau ziehen sich. Für eine Stadt mit über 41 000 Einwohnern, in der – ganz schwäbischer Schaffergeist – am Häusle vieles selbst repariert wird, eine lange Durststrecke. Eine Servicelücke, die der Bürger spürt und Kaufkraft ins Umland abzieht.

Es ist gewiss nicht erste Aufgabe des Rathauses, sich in Marktpolitik und Unternehmensplanung einzumischen. Aber Fakt ist: Albstadt braucht einen neuen Baumarkt. Dringender als weitere Discounter und Lebensmittelläden, an denen in der Stadt wahrlich kein Mangel herrscht. Das Thema Baumarkt gehört auf die Tagesordnung.

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Typisch schwäbisch!


„Schaffe, schaffe …“ erhält man zur Antwort, wenn man einen Schwaben fragt, was er tue. Mit feiern hat es der Schwabe nicht so.

Frau Stoll, erinnern Sie sich: Swinging Sixties, Miniröcke, Mary Quant und das Fotomodell Twiggy?
Und Twiggy feiert heute Geburtstag: 65!

Das gehört heute auf die Tagesordnung!

von Lothar Gerstenecker am 19.09.2014 15:53:11

Donnerstag, 18. September 2014 von Klaus Irion

Von Schützen und Schotten

Ich erinnere mich noch bruchstückhaft. Schullandheim, Südtirol, Mitte der 1980er Jahre. Walter Rabensteiner hieß damals unser Herbergsvater im wunderschönen Dorf Villanders. Das Spannende für mich und weitere politisch interessierte Mitschüler war Rabensteiners Mitgliedschaft bei den Südtiroler Schützen. Einer deutschsprachigen Gruppe, die sich vehement für die Wiedervereinigung mit dem österreichischen Tirol einsetzte. Schon damals hatte Südtirol zwar einen weitreichenden Autonomiestatus, bis zum heutigen Tag aber gibt es Stimmen, die die vollständige Loslösung von Italien fordern. Vermutlich werden gerade diese Menschen heute mit Spannung darauf schauen, wie die Schotten über die Zukunft ihres Territoriums befinden. Schon eine knappe Niederlage der Befürworter einer Abspaltung vom Vereinigten Königreich dürfte Separatisten wie diejenigen in Italien und in etlichen anderen EU-Staaten weiter motivieren. Schon meldet sich die Bayernpartei zu Wort und fordert eine Abspaltung des Freistaats. Dann ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Altbadener hervorkommen und die Trennung von Württemberg propagieren. Ich habe das Gefühl, je mehr die EU rechtlich zusammenwächst, desto größer wird der Wunsch ihrer Bevölkerungen nach einem Europa der kleinen Regionen. Es droht Kleinstaaterei. Eine Entwicklung die mir absolut nicht gefällt.

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Unabhängigkeitsabstimmung in Schottland!


Herr Irion,

die Schwaben gehen halt der Nähe nach. Sie wären mal besser in die schottischen Highlands gefahren. Der Whisky hat seine Reize – nicht nur Tiroler Speckknödel!

Über lange Jahre hat sie Euroskeptikern als Paradebeispiel gedient für die Regulierungswut weltfremder Brüsseler Bürokraten: Die EU-Verordnung «zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurken». Auf fünf Seiten enthält sie detaillierte Vermarktungs-Vorgaben vom Mindestgewicht über die Färbung bis zur Krümmung. Gurken der «Klasse Extra» müssen «gut geformt und praktisch gerade sein (maximale Krümmung: 10 mm auf 10 cm Länge der Gurke)», schreibt sie zum Beispiel vor. Dieselbe maximale Krümmung gilt für die nächsttiefere «Klasse I», doch reicht es hier, wenn die Gewächse «ziemlich gut geformt» sind. Krümmere Gurken hingegen verschlägt es in tiefere Klassen.

Ähnliche Standards Vermarktungs-Normen für insgesamt 26 Arten von Obst und Gemüse abschaffen, darunter neben der «Gurken-Norm» auch gibt es für Knoblauch, Karotten und Melonen.

Zugegeben: Diese Vorschriften gehören noch zu den harmlosesten Verordnungen der Brüsseler Regulierungswut.

Darüber gilt es nachzudenken!
von Lothar Gerstenecker am 18.09.2014 18:43:52

Dienstag, 16. September 2014 von Benno Schlagenhauf

Termin mit der Vergangenheit

Das Schöne am Beruf des Journalisten ist es, immer wieder neue Menschen kennen zu lernen. Ebenfalls schön ist es, dass man durch die Arbeit Leute trifft, die man lange nicht mehr gesehen hat. Manchmal hat man somit nicht nur einen einfachen beruflichen Einsatz, sondern einen Termin mit der eigenen Vergangenheit. So klopfte bei mir in der vergangenen Woche ganz unvermittelt gleich zweimal die eigene Kindheit an.

Als ich die Einladung zum Seniorenfahrtraining in Straßberg durchlas, fiel mir ein Name ins Auge; irgendwoher kannte ich ihn. Als ich dann beim Termin angekommen war, wusste ich es wieder: Bei diesem Polizisten, der nun den Senioren Tipps zum sicheren Autofahren gab, hatte ich in der Grundschule das richtige Fahrradfahren gelernt.

Einen Tag später der nächste Gruß aus etwas späterer Kindheit: Ich schrieb zum Jubiläum der Aidswaisen-Hilfe der Kirchengemeinde St. Josef in Ebingen. Vor zehn Jahren gab es zugunsten des Projekts eine Radelaktion auf Hometrainern, an der Schüler der damaligen 7a des Gymnasium Ebingen teilgenommen haben. Auch ich. Elisabeth Hausch, die das Hilfsprojekt seit zehn Jahren begleitet, hat zum Pressegespräch Archivbilder von der Radelaktion mitgebracht. Auf einem davon ein heutiger ZAK-Redakteur. Ein Foto, das ich bisher noch nicht zu sehen bekommen habe.

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Samstag, 13. September 2014 von Maya Maser

Obamas Kampf

Der „IS“ soll zerschlagen und unschädlich gemacht werden, das ist das erklärte Ziel der Strategie von Barack Obama – ganz bewusst genau dreizehn Jahre nach den Angriffen auf das World Trade Center. Per Luftangriffe natürlich. Den harten Job am Boden sollen doch die Anderen erledigen. Zu abstrus in meinen Augen. Die Bevölkerung ist ein Häuflein Elend. Sie wurde durch den jahrelangen Bürgerkrieg stark geschwächt. Wie sollen die noch gegen die reiche und bis auf die Knochen bewaffnete Organisation, die sich „Islamischer Staat“ nennt, ankommen?

Als 1991 alles losging, war ich noch mit dem Klapperstorch unterwegs. Doch obwohl ich quasi eine geschichtliche Quereinsteigerin bin, fahren mir die allabendlichen Nachrichten aus dem Irak durch Mark und Bein. Der „IS“ – seine Mitglieder sind teilweise jünger als ich – zeichnet Brutalität und Blutrünstigkeit aus.

Obamas Strategie? Ein bisschen Krieg, mal eben kurz eingreifen, um dann das Land wieder sich selbst zu überlassen. Glaubt irgendjemand, so dieses „Krebsgeschwür“ bekämpfen zu können? Wir schreiben das Jahr 2014. Unsere Welt hat schon so einige bewaffnete Konflikte miterlebt, die meistens böse ausgingen. Angeblich lernen wir Menschen ja aus unseren Fehlern. Wie gesagt: angeblich. Da frage ich mich: Können wir Konflikte denn nicht auch ohne Gewalt lösen? Yes, we can. Nicht wahr, Herr Obama?

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Die Welt ist Ba, Ba, Babylon!



Die hängenden Gärten von Babylon gehören zu den sieben Weltwundern der Antike.
In manchem ähneln sich deren Besucher der Moderne aber trotzdem: Sie vernahmen das Geschwätz ihrer Zeit mit Skepsis ...

von Lothar Gerstenecker am 13.09.2014 19:15:17