Der Stern sinkt

Samstag, 18. Mai 2013
von Rosalinde Conzelmann

Das passt wie die Faust aufs Auge: Am Montag wird bekannt, dass Daimler Leiharbeiter beschäftigt, die nicht von ihrem Lohn leben können. Vorgestern präsentierte Daimlerchef Zetsche die neue S-Klasse. Das S steht für Sonder. Ein tolles, exklusives Auto, das sich nicht jeder leisten kann. Dagegen ist nichts einzuwenden. Dass aber der gleiche Autokonzern, der ein Auto mit Massagesitzen, einer High-Tech-Soundanlage, Monitoren und Parfümdufter baut, gleichzeitig in seiner Produktion in Stuttgart ein Zwei-Klassen-Lohnsystem betreibt, ist hochgradig unmoralisch und dem Automobilriesen unwürdig. Da arbeiten Kollegen Hand in Hand, machen die selbe Arbeit – der eine für 8,50 Euro, der andere für 30 Euro. Rechtlich steht Daimler auf der sicheren Seite, das Schlupfloch heißt Leiharbeiter. Moralisch aber ist diese Praxis aufs Schärfste zu verurteilen. In meinen Augen hat der Stern an Glanz verloren. Auch wenn die Berliner Politik, wie gestern bekannt wurde, es grad so schäbig macht.



Der Alle-Bär soll's richten

Freitag, 17. Mai 2013
von Volker Schweizer

Draußen sitzen, einen Spaziergang machen oder radeln gehen – am Wochenende hätten wir Zeit dafür. Es ist jedoch mehr als fraglich, ob daraus was wird. Die Wetterfrösche machen wenig Hoffnung. Ob's der Alle-Bär vielleicht richtet? Der soll eigentlich den Sommer ankündigen, so ist es seit Menschengedenken in meiner alten Heimat Tradition. Dabei wird derjenige, der den Bären spielt, mit Fliederzweigen bis zur Unkenntlichkeit eingebunden. Zwei Treiber führen ihn mit Rutenzweigen durch den Flecken und fordern ihn auf: „Alle-Bär rommerda, jetzt ist der Sommer da, jetzt ist die schönste Zeit, wo man die Bären treibt, Alle-Bär tanz.“ Hat der „Alle-Bär“ (aus dem Französischen: aller = gehen) seinen Aufritt gut gemeistert, klingelt’s im „Kässle“ seiner Begleiter. Die Narrenzunft Dormettingen sorgt dafür, dass dieser schöne Brauch nicht ausstirbt. Und vielleicht schafft es die eigentümliche Gestalt ja wirklich, die Regenwolken zu vertreiben.



Für neues Geld kein Weckle...

Donnerstag, 16. Mai 2013
von Holger Much

Haben Sie auch schon einen? Einen von diesen neuen, hübschen, druckfrisch aus der Presse kommenden Fünf-Euro-Scheinen? Prima. Durften Sie damit einkaufen? Ich hoffe das. Denn da scheint es schon Probleme geben. Die Geldscheine sind und wirken offenbar so dermaßen neu, dass manch einer sich weigert, sie als Zahlungsmittel anzunehmen.

Erst am Mittwoch habe ich morgens meiner Tochter die hübsche Banknote gezeigt. Und weil er ihr so gefiel und sie sowieso noch Geld brauchte, um sich für die Schule in der Pause noch ein Weckle zu kaufen, habe ich ihn ihr gelassen. Armes Kind. Denn in der Schule weigerte sich die Dame, die dort Backwaren verkauft, das Geld zu akzeptieren. Und das arme Mädchen bekam kein Vesper. Auch verschiedene Automaten, höre ich jetzt, spucken das Neugeld schnöde wieder aus. Ungenießbar.

Smaragdgrün bis tiefblau schimmert die Ziffer „Fünf“ auf dem neuen Schein. Sie ist mit einem Speziallack überzogen, der den Schein grifffester und fälschungssicher machen soll. Eigentlich alles toll. Tolles neues Geld. Solange man nicht damit zahlen möchte.



Wachstum um jeden Preis

Mittwoch, 15. Mai 2013
von Benno Schlagenhauf

Voller Euphorie haben die Veranstalter des Southside-Festivals in Neuhausen ob Eck angekündigt, dass nun doch noch einmal 5000 Eintrittskarten für das eigentlich ausverkaufte Festival verkauft werden können. Für 5000 Fans, die sich schon schwarz ärgerten, kein Ticket mehr erwischt zu haben und nun eine zweite Chance bekommen, ist das eine gute Nachricht. Ein Großteil der 55 000 Fans, die sich bereits ein Ticket sicherten, ist sauer – zu Recht. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre wurde das Festival zweimal um 5000 Besucher erweitert. In den Kommentaren auf der Facebook-Seite des Festivals beklagen sich schon jetzt viele, dass das „kleine“ Southside – 2011 waren es noch maximal 50 000 Fans – seinen einzigartigen, familiären Charme zu verlieren drohe. Aus genau diesem Grund, dieser familiären Atmosphäre war das Southside auch immer mein Lieblingsfestival. In fünf Minuten gelangte man bequem von Bühne zu Bühne oder zum Campingplatz. Riesen-Events, wie etwa „Rock am Ring“ mit rund 85 000 Besuchern, wo zwischen Campingplatz und Festivalgelände Shuttlebusse fahren, schreckten mich ab. Da bleibt nur zu hoffen, dass noch ausreichend Flächen in der Nähe des Festivalgeländes zur Verfügung stehen und nicht auch noch beim Southside ein Pendelverkehr notwendig wird, oder noch schlimmer: die Zeltplätze total überfüllt sind.

Hinzu zum ganzen Ärger kommt, dass die Veranstalter den Ticketpreis in den vergangenen Jahren drastisch erhöht haben, um die höheren Ausgaben für die Müllentsorgung zu decken und nun 5000 Tickets verkaufen, die – moderate Mehrkosten einmal ausgenommen – als Reingewinn eingefahren werden. Mit diesem Geld hätten der Veranstalter die gestiegenen Ticketpreise auch etwas milder gestalten können.



Ja wo grünt es denn?

Dienstag, 14. Mai 2013
von Gudrun Stoll

Nun ist sie also eröffnet, die Gartenschau im benachbarten Sigmaringen. Am Eröffnungswochenende kamen 10 000 Besucher. Ein guter Auftakt, zumal das regnerisch-kühle Wetter nicht dazu einlud, die eigenen vier Wände zu verlassen. Auch ich bin neugierig auf die neu gestaltete grüne Oase entlang der Donau und werde der Gartenschau bis in den Herbst wohl einige Besuche abstatten. Schließlich liegt in diesem Falle das Gute sehr nah, gerade mal 32 Kilometer und eine gute halbe Stunde von meiner Haustüre entfernt. Für die Fahrt in die Hohenzollerischen Lande benötigt der ortskundige Zollernälbler auch kein Navi. Ich frage mich nur, wie es einem Stuttgarter, einem Bayern, Österreicher oder Schweizer ergeht. Man sollte doch meinen, dass die Sigmaringer ordentlich werben für ihr Großereignis. Mit großflächigen Schildern an den Bundes- und Landestraßen in, um und um die Stadt herum.

Fehlanzeige. BL, SIG, RV, FN – diese Autokennzeichen tragen die Landkreise, die am Wochenende meine Fahrt an den Bodensee begleitet haben. Raten Sie mal, wie viele Gartenschau-Schilder ich am Straßenrand gesehen habe ? Genau zwei. Platziert an der Strecke zwischen Nollhof und Krauchenwies, quasi vor den Eingangtoren der Gartenschau. Fremde dürften es da schwer haben, die Pforte ins Grüne auf Anhieb zu finden. Zumal auch das Parkleitsystem mit seinen dezent gehaltenen Miniaturwegweisern keine große Hilfe bietet. Liebe Sigmaringer, wundert Euch also nicht, wenn sich manch ein Besucher ins Württembergische verirrt. Wir bringen ihn schon auf den rechten Weg.



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