Mittwoch, 23. Juli 2014 von Volker Bitzer

Rauchen ist schädlich! Echt?

Ganz neu ist es ja nicht, trotzdem muss man sich bei Nachrichten aus den Vereinigten Staaten immer wieder mal an den Kopf fassen. So auch bei der Schlagzeile dieser Tage, dass ein US-Gericht der Witwe eines an Lungenkrebs verstorbenen Kettenrauchers mehr als 23 Milliarden Dollar Schadensersatz zugesprochen hat. Unglaublich. Cynthia Robinson hatte einen Tabakkonzern (laut „Focus“) verklagt, weil ihr Ehemann Michael Johnson 1996 im Alter von 36 Jahren an Lungenkrebs gestorben war. Ihr Vorwurf lautete, dass der Zigarettenhersteller die Gefahren des Rauchens und die Suchtgefahr seiner Produkte in einer Verschwörung verheimlicht habe.

Hierzulande kann man über solche Begründungen, die wohlgemerkt vor Gericht Erfolg hatten, nur lachen. Dass der Glimmstängelgebrauch – Passivrauchen übrigens genau so – die Gesundheit gefährdet, weiß jedes Kind. Und sollte doch auch in jenem Land, das sich mächtigstes und einflussreichstes dieser Erde nennt, doch erst recht Allgemeinwissen sein. Aber nein, derlei Urteile sorgen immer wieder für Erstaunen. Und es bleibt ob solchem „gesunden“ Menschenverstand das mulmige Gefühl, dass Amerika nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern auch das der unbegrenzten Naivität ist.

Kommentare unserer Leser


Keine Frauen-Versteher in der Redaktion?


Unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte Ringelnatz in der angesehenen satirischen Zeitschrift Simplicissimus Gedichte.

Frau Maier ist zwar nicht Ringelnatz - aber lassen Sie der Dame doch bitte die kleine Freude in einer freudlosen Umgebung.

von Lothar Gerstenecker am 23.07.2014 14:44:10

Hilfe!

Herr Gerstenecker, helfen Sie mir bitte: welches Busch-Zitat nehmen wir heute? Es ist einfach nur schrecklich.

Guten Tag,

unabhängig vom Thema: Wenn wir auch bezüglich Ihrer Pseudonyme alle Augen zudrücken - dass Sie gleichzeitig unter mehreren Namen bei uns schreiben, werden wir im Interesse aller Leser nicht weiter dulden.

Die Redaktion

von Frau Maier am 23.07.2014 10:06:22

Antwort auf Hilfe!

Liebe Frau Maier,

mit Reimen habe ich es heute noch nicht so. Gestern war ein sehr langer Abend.
Dass der skandalös gute Merlot aus dem Tessin uns jeweils zu "sinnlichen" Anregungen führte und der sogenannte Zeitungskommentar ungenießbar – äh unlesbar - ist, verzeihe ich darob in nobler und dankbarer Nachsicht.

Zeichnerisch könnte ich Ihren Wunsch problemlos umsetzen. Gedanklich habe ich nur Folgendes vom guten Busch im schweren Kopf: „Tröste Gott, wenn der Mensch auf sich selber zu sprechen kommt!“
von Lothar Gerstenecker am 23.07.2014 11:50:15

Dienstag, 22. Juli 2014 von Daniel Seeburger

So semmer halt, mir Schwoba!

So semmer halt, mir Schwoba! Das habe ich mir gedacht, als ich am Sonntag den Umzug beim Kreismusikfest in Dotternhausen besucht habe. Rund 40 Musikkapellen zeigten Präsenz. Weit über 1000 Musiker marschierten mit klingendem Spiel und unter lautem Applaus der Zuschauer auf Dotternhausens Straßen. Wenn da nur nicht der Regen gewesen wäre. Schon bei der Aufstellung der Kapellen tröpfelte es und die Musiker schauten skeptisch gen Himmel. „Wenn's rengat, schpiel i aber it uff am Sportplatz da Massachor“, meinte ein Trompeter zum Klarinettisten, der neben ihm schritt, „zo wa geit's a Zelt!“ Die Organisatoren dachten sich dasselbe und verlegten, nachdem es sich während des Umzugs „eingetröpfelt“ hatte, Nationalhymne und Rebstock-Marsch ins Festzelt. Dort wurde es allerdings ziemlich eng, als plötzlich alle Musiker reinströmten. Nicht jeder bekam sofort einen Sitzplatz. „Wenn des so ischd“, meinte ein Tenorhornist beleidigt, „no ka do midschpila wer will“. Sprach's und verschwand gen Auto. So semmer halt, mir Schwoba!

Kommentare unserer Leser


Grüße von Busch

Im Sinne Lothar Gersteneckers ist es mal wieder an der Zeit, Wilhelm Busch zu zitieren: «Gedanken sind nicht stets parat, man schreibt auch, wenn man keine hat.»
von Frau Maier am 22.07.2014 10:56:51

Liebe Frau Maier,



auch ein Redakteur Seeburger gibt sich weniger Gefühlseruptionen hin, er tendiert zur Abstrahierung ins Gedankliche, zur unklaren Form, ist häufig ein Wanderer zwischen den beiden Welten der Verzierung und der alternativen Fantasie.

Wilhelm Busch sagte es kürzer, besser und verständlicher:
„ Oft ist das Denken schwer, indes,
das Schreiben geht auch ohne es.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!
von Lothar Gerstenecker am 22.07.2014 15:59:49

Antwort auf Liebe Frau Maier,

Guten Morgen Herr Gerstenecker,
ich sehe das anders, weil ich bei Herrn S. die von Ihnen beschriebenen Eigenschaften nicht sehe. Angelehnt an Busch stimme ich Ihnen jedoch diesbezüglich in vollem Umfang zu.

Guten Tag,

unabhängig vom Thema: Wenn wir auch bezüglich Ihrer Pseudonyme alle Augen zudrücken - dass Sie gleichzeitig unter mehreren Namen bei uns schreiben, werden wir im Interesse aller Leser nicht weiter dulden.

Die Redaktion

von Frau Maier am 23.07.2014 10:01:46

Samstag, 19. Juli 2014 von Jasmin Alber

Spielerisch zu den Wurzeln

Monatelang konnte man sich vor „Quizduell“-Herausforderungen kaum retten, konnte sogar (hätte die Technik funktioniert) in TV-Shows sein Wissen unter Beweis stellen. In den sozialen Netzwerken wurden Traktoren verschickt und bunte Diamanten hin- und hergeschoben. In letzter Zeit sucht der Smartphonenutzer aber wohl andere Abwechslung bei der spielerischen Beschäftigung. Ohne Gegner, Interaktion und schnelles Antworten auf Spieleanfragen, gleich auf welchem digitalen Kanal. Denn blickt man jüngst in die Hitliste der meistgeladenen Apps, erstaunte mich vor allem die Art der Spiele. Stadt-Land-Fluss, Kreuzworträtsel, eine Scrabbleversion und – auf Platz eins – das fast schon antike Microsoft-Kartenspiel Solitär. Zurück zu den Wurzeln, also? Offenbar braucht es für Unterhaltung auf den kleinen Geräten nebenbei nicht unbedingt die neueste Grafik oder Spiele mit realistischen und/oder detailgetreuen Figuren. Mir stellt sich nun die Frage – ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder mich selbst davon auszunehmen – warum man die ganzen Spieleklassiker, die es nun quasi in zweiter Instanz digital gibt, nicht einfach mal wieder „in echt“ spielt . . .

Kommentare unserer Leser

Freitag, 18. Juli 2014 von Hannes Mohr

Erwischt!

Als ich neulich im Urlaub durch das apulische Bari schlenderte, traf ich auf eine Gruppe junger Studenten. Die circa 15-köpfige Gruppe bat mich um meine Zeit für eine Frage. Na klar, antwortete ich. „Wer, denkst du, ist homosexuell von uns – und warum?“, fragte der Sprecher der Gruppe. Im ersten Moment war ich perplex. Mir erschloss sich der Sinn nicht. „Das kann man unmöglich sagen, das sieht man einem Menschen allein am Äußeren nicht an“, antwortete ich. Puh, noch mal geschickt aus der Affäre gezogen. Dachte ich. Doch die Studenten pochten auf meine Antwort. Nun war mir klar, was sie versuchten zu erreichen. Sie wollten erfahren, welche Vorurteile oder Klischees die Passanten beim Thema Homosexualität im Kopf haben. Bevor ich eine Antwort gab, unterhielt ich mich ein wenig mit ihnen; sie stellten sich alle kurz vor. Dann überlegte ich kurz und benannte schließlich drei der Studenten. Dabei erwischte ich mich selbst in Gedanken beim Zeichnen von Klischees. Natürlich lag ich voll daneben. Meine Vorurteile – wie zum Beispiel gepflegtes äußeres, Körpersprache und so weiter – waren alle falsch. Mit meiner Nominierung widerlegte ich sie selbst. Die Studenten haben mit ihrer Aktion sicherlich nicht nur mich zum Nachdenken gebracht. Solche Aktionen können helfen, Grenzen abzubauen. Allein dem Thema muss man sich selbst öffnen.

Kommentare unserer Leser

Donnerstag, 17. Juli 2014 von Daniel Seeburger

Ruhe für die arme Seele

Im Fußball gibt es viele Skandale und Skandälchen. Ein argentinischer Militärdiktator, der offensichtlich bei der WM 1978 den 6:0-Sieg seiner Mannschaft gegen Peru kaufte, um die nächste Runde zu erreichen. Oder ein Spieler, der bei der WM 1986 den Ball mit der Hand ins Tor lenkte und diese unfaire Aktion später als „Hand Gottes“ bezeichnete. Alles geschenkt. Glaubt man den Leitmedien in unserer Republik, gab es den wohl größten Fußballskandal in dieser Republik am Montag, als einige deutschen Spieler bei der Willkommensfeier vor dem historisch vorbelasteten Brandenburger Tor die argentinischen Gegner als „Gauchos“ bezeichneten und dazu ein Tänzchen aufführten. Als Fan von Schalke 04, der die Mannschaft seines Herzens von seinen Dortmunder Freunden auch schon mal als „Scheiße 04“ verunglimpft weiß und mit einem wirklich nett gemeinten „Borussia Doofmund“ kontert, kann ich die Aufregung nicht verstehen. Gerade auch angesichts der Tatsache, dass Fortuna Düsseldorf-Fan Campino von den Toten Hosen aus seiner Abneigung gegen Bayern München keinen Hehl macht und im Song „Bayern“ singt: „Was für Eltern muss man haben / um so verdorben zu sein, / einen Vertrag zu unterschreiben / bei diesem Scheißverein?“ Dem sich eher dem linken Lager zugehörig fühlenden Punksänger eine allgemeine Phobie gegen alle Menschen aus Bayern vorzuwerfen ist Quatsch – und die Münchner sehen das auch so. Sein jüngstes Konzert in der Münchner Olympiahalle war jedenfalls ausverkauft. Bliebe da noch das Problem mit dem Brandenburger Tor. Deshalb mein Vorschlag: Feiern wir den nächsten Titel in München, Stuttgart oder Hamburg. No hätt' dia arm Seel a Ruah!

Kommentare unserer Leser


Wo ist die Pointe?

Herr Seeburger, kommen Sie bitte zur Sache. Was wollen Sie uns eigentlich mitteilen?
von Otto Schneider am 18.07.2014 11:24:49

Antwort auf Wo ist die Pointe?

Trotz der undurchsichtigen Aussage weist Seeburgers furiose Prosa hinreichend Eigenständigkeit auf, um die selbstquälerische Reflexivität – mein späte Erkenntnis zur Verwendung der Mengenlehre - der im Alltag 30/40-Jährigen zu dokumentieren.

Das ist die Pointe.
von Lothar Gerstenecker am 20.07.2014 10:43:54

Antwort auf Antwort auf Wo ist die Pointe?

Sie meinen also, er wolle sich selbst quälen? Das wäre eine logische Erklärung und der Text klingt irgendwie auch so. Allerdings hat der Text noch einen Nebeneffekt: Er quält auch andere.
von Otto Schneider am 20.07.2014 17:00:14

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Wo ist die Pointe?

Herr Schneider,

Augen zu und durch!

Oder um es mit Ringelnatz zu sagen:
"Die Leute sagen immer: Die Zeiten werden schlimmer.
Die Zeiten bleiben immer. Die Leute werden schlimmer."

Schönen Sonntag noch.
von Lothar Gerstenecker am 20.07.2014 17:33:09