Samstag, 28. März 2015 von Hannes Mohr

Das Schlangen-Dilemma

Im Supermarkt oder im Kaufhaus habe ich grundsätzlich das Gefühl, mich stets an der langsamsten Warteschlange anzustellen. An allen anderen Kassen geht es vermeintlich schneller voran. Das ist natürlich Quatsch. Und dennoch hat man diese subjektive Einschätzung. Daran habe ich mich gewöhnt. Aufregen bringt nichts – lieber die Zeit nutzen und noch ein wenig Willenskrafttraining vor dem Regal mit den Spontankäufen absolvieren. Oder man philosophiert über die Einkäufe im Wagen der anderen Kunden.

Amüsant finde ich diejenigen Leute, die glauben, mit gekonnter Kassen-Wechsel-Taktik schneller voranzukommen. Der Schuss kann nach hinten losgehen. Als ich mich neulich im Supermarkt an eine Kasse angestellt hatte, ging es einem Paar vor mir nicht schnell genug. Gemeinsam spähten sie zu der Kasse nebenan. Da sollten sie um einiges schneller zum Abschluss kommen, vermuteten beide. Also schnell rüber. Gut für mich; ich rückte vor. An der anderen Kasse ging es ihnen ebenfalls zu langsam. Also wieder zurück in „meine“ Schlange – diesmal hinter mich. An der Schlange nebenan freute sich ebenfalls vorgerückter Kunde über den Wechsel der Beiden. Das Ende vom Lied: Sowohl der Nachrücker an der Kasse neben mir, als auch ich kamen vor dem Mann und der Frau zum Bezahlen. Ohne das Wechselmanöver hätten sie uns hinter sich gelassen.

Aufgrund dieses Warteschlangen-Dilemmas haben viele Kaufhäuser mittlerweile umgestellt auf ein System mit einer einzigen Schlange. Das schont die Nerven der Kunden, die sich nicht mehr qualvoll für eine Schlange entscheiden müssen – um sich dann doch wieder falsch anzustellen. Zu kurz kommt dann keiner mehr.

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Freitag, 27. März 2015 von Holger Much

Mauskewitzens kleine Dieberei

Vor unserem Küchenfenster steht ein Tisch im Garten, darauf ein wenig Garten-Nippes wie eine gusseiserne Vogeltränke, ein Buddhakopf , eine verschnörkelte Wanne mit kleinen Blümchen und ein niedliches Vogelhäuschen. Das sieht so aus, als wäre es tendenziell auch eher zu Dekozwecken geschaffen denn zur reellen Fütterung von Vögeln.

Dennoch haben wir es mit allerlei Kernen und einem dicken Meisenknödel bestückt, und die gefiederten Gesellen besuchen das Häuschen dennoch gern – Deko hin, Deko her. Seit wenigen Wochen jedoch hat der kleine „Drive In“ neue Kundschaft bekommen.

Statt Meisen, Spatzen oder Kernbeißern, die sonst immer gern zu Gast sind, sitzt morgens gerne ein ganz anderer kleiner Geselle im Häuschen. Manchmal sieht man nur die großen Ohren, wie sie über den Meisenknödel lugen, dann wieder ist er vom Küchenfenster ganz zu sehen: Herr Mauskewitz, wie er mittlerweile heißt, scheint aufgrund seines bräunlichen Felles wohl eine Wald- oder Feldmaus zu sein, der in dem riesigen Thujabaum im Garten zu wohnen scheint. Von dort hat er nun das Vogelhaus als gemütliches Plätzchen zum Brunch entdeckt. So hockt er dort oft zehn Minuten lang ganz entspannt, schlemmt und genießt das schöne Wetter. Ab und zu ist Frau Mauskewitz auch dabei, dann vespern sie zu zweit.

Die Vögel zeigen sich verwundert über die pelzigen Gäste, nehmen diesen ihre kleinen Diebereien aber offenbar nicht übel. Es ist auch genug für alle da – ein Gedanke, den sicherlich auch die dicke arrogante Nachbarskatze hat, die regelmäßig hier entlangschleicht.

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Donnerstag, 26. März 2015 von Volker Bitzer

Warum nicht gleich 30-Zone?

Auf der Bundesstraße 27 zwischen Balingen und Bisingen müssen sich die Autofahrer künftig auf Tempo 120 einstellen. Das auf einer bestens ausgebauten, vierspurigen Straße, obendrein an vielen Stellen schnurgerade und mit optimalem Weitblick. Diese Tempodrosselung ist Unsinn hoch zehn. Zumal die B 27 auf diesem Teilabschnitt absolut keinen Unfallschwerpunkt markiert. Vertretbar ist diese Geschwindigkeitsbegrenzung von Bisingen, weiter Richtung Hechingen; mit der gefährlichen und doch etwas unübersichtliche Senke. Aber was, bitteschön, soll dieser Schabernack auf dem anderen Teilstück?

Nein, es geht nicht ums Rasen, aber ums zügige Überholen. Wenn schon langsamer, dann wenigstens 140 Stundenkilometer, aber doch nicht 120. Vier von fünf Bürgern – so zeigt das Stimmungsbarometer – ärgern sich über dieses Vorgehen. Aber im stillen Kämmerlein will offenbar wieder ein Polit-Schreibtischtäter vermeintlich Gutes tun. Das Gegenteil ist der Fall. Denn mit nur 120 Sachen ist es heutzutage sogar beschwerlich, einen durchzugsstarken Lkw zu überholen. Vielmehr könnte die Tempominderung dazu führen, dass künftig unsägliche Brummi-Wettkämpfe auf beiden Fahrspuren zwischen Balingen und Bisingen (und umgekehrt natürlich) ausgetragen werden. Das freut dann die Autofahrer, vielfach Pendler, ungemein.

Der Vorstoß aus dem Landratsamt Zollernalb (in Ansprache mit Regierungspräsidium und Polizei) nimmt in diesem Falle grotesk-tübingerische Züge mit Palmer'scher Anti-Autogesinnung an. Aber gut ist: Wohin Politik abseits von offensichtlichen Bürger-Mehrheiten führen kann, sieht man zunehmend an so genannten Wahlabenden. Diese kommen immer wieder.

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Mittwoch, 25. März 2015 von Klaus Irion

Abgründe des Aktienhandels

„Wir dürfen nicht alles dem Diktat des Marktes unterwerfen“, haben dieser Tage Balingens evangelischer Dekan Beatus Widmann und der Pfarrer der katholischen Heilig-Geist-Gemeinde Balingen, Wolfgang Braun, unisono verlautbart. Anlass war die Ablehnung beider Kirchengemeinden bei der Frage eines zweiten verkaufsoffenen Sonntags in der Kreisstadt. Auch die Worte „durchaus gewollte Kapitalismuskritik“ fielen in diesem Zusammenhang.

Diese mahnenden Worte der beiden Geistlichen kamen mir gestern bei einer der allerersten Meldungen über den tragischen Flugzeugabsturz in Südfrankreich in den Sinn, die über den Fernsehsender n-tv in die Haushalte der Republik ausgestrahlt wurde. Das Unglück war noch keine Stunde alt. Das Ausmaß der Luftfahrtkatastrophe noch nicht annähernd zu klären. Die Zahl der Toten und/oder Überlebenden noch völlig unbekannt. Und doch stand laut n-tv-Nachrichtenband bereits fest, dass die Aktien der Lufthansa und ihrer Tochter Germanwings „unter Druck stehen“.

Gute Güte, welche Abgründe des Aktienhandels taten sich hier wieder einmal auf. Wer weiß, vielleicht hing das Wohl und Wehe der Aktionäre in dieser ersten Stunde sogar davon ab, ob es „nur“ zehn oder doch 150 Tote gab. Ich will mir die Parameter, die das „unter Druck stehen“ ausgelöst haben, gar nicht weiter vorstellen. Wo bitteschön bleibt hier der letzte Rest an Wirtschaftsethik? Wo bleibt das menschliche Innehalten an den Börsen dieser Welt? Ist es tatsächlich wirklich so, dass die Börsencomputer in Sekundenschnelle und quasi eigenständig auch den Kosten-Nutzen-Faktor eines Absturzes „eiskalt“ kalkulieren? Der Markt ist nicht alles. Recht haben die beiden Pfarrer.

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Dienstag, 24. März 2015 von Daniel Seeburger

Warum Wähler (nicht) wählen

Wenn man die Wahlbeteiligungen bei den OB-Wahlen in Albstadt und Balingen betrachtet, stellt sich die Frage, ob die Kommunalwahlen wirklich noch die „Wiege der Demokratie“ sind. Gerade bei Wahlen in den kleinsten politischen Einheiten, den Kommunen, bleiben die Wähler zu Hause. Ist es überhaupt sinnvoll, die Oberbürgermeister und Bürgermeister direkt zu wählen, wenn ein Großteil des Souveräns kein Interesse an einem Votum hat? Dabei muss man sehen, dass die kleinen Gemeinden ausscheren. In Weilen unter den Rinnen beispielsweise lag die Wahlbeteiligung bei der Bürgermeisterwahl bei rund 85 Prozent im ersten und knapp 80 Prozent im zweiten Durchgang. Das sind Spitzenwerte, von denen man in Albstadt und Balingen träumt. Allerdings ist ein Schultes eines kleinen Dorfes naturgemäß im Ort bekannter als der Oberbürgermeister einer großen Stadt. Die Ursachen einer schlechten Wahlbeteiligung können also nicht an der schieren Unmöglichkeit einer umfassenden Präsenz eines OB liegen. Da muss es andere Gründe geben.

Das Onlineportal Statista veröffentlichte kürzlich seine Statistik zur Wahlmüdigkeit in Deutschland. Dabei ging es zwar nicht vordergründig um Bürgermeisterwahlen, die Ergebnisse sind trotzdem interessant und durchaus übertragbar. Im Jahr 2009 gaben 73 Prozent der Befragten Unzufriedenheit mit Politikern und Parteien als Hauptgrund für die Wahlmüdigkeit an. 68 Prozent glaubten, durch Wahlversprechen belogen zu werden. Dass keine Partei ihren Ansichten entspräche, davon waren 48 Prozent der Befragten überzeugt. 44 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass ihre Stimme keinen Einfluss hat. Lediglich 37 Prozent interessieren sich nicht für Politik. Mangelndes Interesse an der Politik kann also nicht die Hauptursache für schlechte Wahlbeteiligungen sein – auch nicht in Albstadt und Balingen.

Diese Zahlen zeigen aber auch, was getan werden muss, um die Wähler wieder an die Urnen zu bringen. Man braucht mehrere Kandidaten – ein breites politisches Spektrum muss abgedeckt sein. Bewerber sollten nichts versprechen, was sie später nicht umsetzen können. Wichtig ist auch die Transparenz politischer Entscheidungen und Prozesse. Denn nur wer erklärt, weshalb etwas so ist, wie es ist, ist glaubwürdig.

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