Samstag, 28. Februar 2015 von Rosalinde Conzelmann

Retro erlebt Renaissance

Putzlappen aus Baumwolle, ein Kartoffeltopf aus Blech, ein Bonbonglas mit Brausestäbchen, fein gehäkelte Tischsets, Vorhänge aus weißer oder bunter Spitze, kuschelige Plaids aus Wolle und handgemachte Poufs in allen Variationen: Retro erlebt einen Aufschwung. Die Deutschen lieben es wieder bieder und spießig in den eigenen vier Wänden. Omas Kruscht, der in den vergangenen Jahren von kaltem Stahl, kühlem Beton, meterhohen, glatten gefliesten Wänden und schnörkellosen Wohnstilen in den Keller oder auf den Sperrmüll verbannt wurde, kommt zu neuen Ehren. Wohl dem, der ganz in Sammler- und Jägermanier, alles Liebgewonnene gehortet und als Flohmarktfreund sogar vermehrt hat. Der kann jetzt auftrumpfen mit seinen Schätzen und die gute alte Zeit zum Leben erwecken. Da bewahrheitet sich der Spruch, alles kommt wieder. Ich bin gespannt, wie lange es dauern wird, bis Omas Heile-Welt-Wohnstil von den Innenarchitekten und Designern dieser Welt wieder vom Thron gestoßen wird und König Beton wieder regiert. Ich persönlich bin schon seit vielen Jahren ein Retrofan und habe ein Faible für Flohmarktartikel, die eine Geschichte erzählen und für historische Baustoffe. Dem aktuellen Trend mit tüttelti hier und kuscheldi da gebe ich maximal noch einen Winter.

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Freitag, 27. Februar 2015 von Klaus Irion

Dank an alle Puzzler

Puzzle sind ein zeitloser Zeitvertreib. Und wenn am Ende dann noch solch ein schönes Bild wie das vom Balinger Zollernschloss zusammengesetzt wurde, wird der bloße Zeitvertreib zum Kunstwerk für die eigenen vier Wände. Wer alles das exakt 3332 Teile zählende Zollernschloss-Puzzle aus den 1970er-Jahren sein eigen nennt, wer es wann und mit wem zusammengesetzt hat, ob es heute noch an der Wand hängt oder nicht? All diese Fragen wurden uns in den vergangenen drei Tagen von Lesern mitgeteilt. Hintergrund war der Artikel über den Fund eines solchen Puzzles in einem zu entrümpelnden Gästehauses in Machern bei Leipzig. Dass der Finder und jetzige Besitzer des Anwesens gebürtiger Rosenfelder ist, hatte dem ganzen eine fast „unheimliche“ Note verliehen. Vielen Dank allen ZAK-Lesern von dieser Stelle, die unserem Puzzle-Rätsel-Aufruf gefolgt sind. Ihnen, aber auch allen anderen viel Spaß beim Puzzlen. Wobei das Motiv mit dem Zollernschloss wohl schon seit vielen Jahren nicht mehr auf dem Markt ist. Puzzle-Hersteller aufgepasst! Vielleicht wäre es Zeit für eine Neuauflage.

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Donnerstag, 26. Februar 2015 von Thomas Godawa

Ballett der Stewardessen

Eigentlich habe ich nicht mehr damit gerechnet. In unserem durchorganisierten Leben mit digitaler Vollsteuerung, Bewegtbildern und Video-Sequenzen war das auch nicht zu erwarten. Ein echtes Ballett der Stewardessen, so wie früher. Die Frauen im Fliegeroutfit der Aegean-Airlines bauten sich beim Vorrollen auf die Startbahn in der Gangmitte, am Cockpit und am Heck auf und vollführten ihre Anzeigen der Sicherheitseinrichtungen nach Ansage aus dem Lautsprecher, erst auf griechisch und dann auf englisch. Dabei mit Atemmaske und Schwimmweste in der Hand nicht peinlich auszusehen ist schon schwer genug, es aber dann auch noch mit Eleganz und Grazie über die Bühne, respektive in den Mittelgang zu bekommen, ist schon aller Ehren wert. Applaus der Passagiere gab es für diese Vorführung der Sicherheitshinweise nicht. Ich glaube auch, das wäre unangebracht gewesen. So gesehen ist es für die Flugbegleiterinnen sicher erfreulich, dass heute in den meisten Passagierflugzeugen Monitore aus der Decke herunterklappen, auf denen man die Sicherheitshinweise aus der Konserve abspielen kann. Übrigens, das griechische Englisch ist hier auch viel verständlicher.

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Mittwoch, 25. Februar 2015 von Olga Schwab

Lieber Olga als Nussnougat

Sind Sie mit Ihrem Vornamen zufrieden? Ich war es eine Zeit lang ganz und gar nicht. Olga! Das klingt sehr osteuropäisch – und ist es auch. Jedes Mal, wenn ich mich bei einer fremden Person vorstellte, folgte sogleich die Frage, ob ich aus Russland komme. Ja, das tue ich. Aber ich bin eigentlich Deutsche, was an meinem Nachnamen auch eindeutig zu erkennen ist. Aber das interessiert die meisten nicht. Ich heiße Olga, also bin ich Russin. Nun, so schlimm finde ich das nicht. Viel schlimmer fand ich früher hingegen, dass es nie etwas zu kaufen gab, das meinen Namen trug. Sie kennen doch sicherlich Schnickschnack wie Ketten, Tassen, Armbänder und Allerlei, das mit einem Vornamen versehen ist. Mag das Namensangebot noch so groß gewesen sein, mein Name war nie dabei. Nicht dass ich diesen Krimskrams gerne gehabt hätte, ich wollte einfach nur mal etwas kaufen, das meinen Namen trug – wie andere Kinder eben auch. Fehlanzeige! Die Enttäuschung ist nun längst verflogen und ich bin im Nachhinein sehr froh darüber, dass meine Schränke nicht mit allerlei „Olga“-Dingen überquellen. Mein Name gefällt mir mittlerweile auch ganz gut, erst recht, wenn ich von solch verrückten Eltern höre, die ihr Kind Nutella nennen wollen – so geschehen in Frankreich. Eine Kette mit seinem Namen würde das Kind sicher niemals finden können, dafür aber Regale voll Gläser mit Nussnougatcreme. Zum Glück des Kindes hat das französische Gericht die Namensgebung verhindert.

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Dienstag, 24. Februar 2015 von Jasmin Alber

Miss-Wahl der besonderen Art

Die amtierende Miss Universe ist Paulina Vega, als schönste Deutsche wurde zuletzt Elena Schmidt gekürt. Die Kartoffel des Jahres 2015 hingegen heißt „Heideniere“, kommt aus dem niederländischen Soltau, setzte sich ebenfalls gegen viele Konkurrentinnen durch und löste die Vorjahressiegerin „Granola“ ab. Sachen gibt's, dachte ich, als ich zum ersten Mal von dieser Miss-Wahl der besonderen Art gehört habe. Der vermeintlich sinnlose Wettbewerb wurde aber für einen guten Zweck, nämlich für den Erhalt und zur Rettung der Kartoffelvielfalt, vor elf Jahren ins Leben gerufen. „Ein Kriterium für die Wahl ist, dass die Sorte schon etwas geleistet haben muss“, lautet eine Richtlinie des auslobenden Verbands Bioland. Das beginnt bei besonderen, natürlichen Resistenzen gegen Schädlinge und endet bei einem herausragenden Geschmackserlebnis. Und anders als bei den Wahlen der schönsten Frauen und Männer, zählen bei der Kartoffel andere Werte. Vorrangig gehe es um alte, regionale Sorten der Knolle. Die heißen dann „Rosa Tannenzapfen“ oder „Mecklenburger Schecke“. Ginge es rein um den Namen eines Gemüses, stünde der Sieger dieses Wettbewerbs für mich aber ohne zu zögern fest, gibt es doch eine Rosenkohlkreuzung – Achtung, Wortwitz – namens „Vorfahrt beachten“.

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