Freitag, 5. September 2008

Wenn Männer aus Liebe sängen

„Des wär' a G'schroi en der Stadt“, sinnierte Richard Renz vom BNAN im Rahmen der letzten Wanderung unserer ZAK-Sommeraktion, „wenn mir Manna au no alle senga miasted“, und erntete allgemeines Gelächter. Denn Vogelmänner, lernten wir auf der Wandertour, müssen das tun:

Wollen sie der Dame ihres Herzens imponieren, müssen sie kräftig, unüberhörbar und – wir wollen's mal vermuten – auch „schön“ singen. Das Plustern des Gefieders und das ein- oder andere Gehüpfe kommt dazu. Fertig ist die Balz.

Schon komische Vorstellung: Eine Schöne stöckelt erhobenen Hauptes und zufrieden lächelnd die Fußgängerzone entlang, während ihr drei Herren hinterherlaufen und lauthals singen. Der Erste intoniert vielleicht: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön...“, der zweite schmettert: „Verdammt ich lieb Dich, ich lieb Dich nicht,,,“, während der dritte „I was made for loving you Baby...“ röhrt – und jeder hofft, dass gerade sein Musikgeschmack die Angesungene betören möge. Unrealistisch? Vielleicht. Wer sich allerdings mal an einem Samstagnachmittag ins Straßencafé setzt und zuschaut, wie die tollen Kerls mit Sonnenbrille mit ihren aufgemotzten Schlitten und lautem „Umz-Umz-Umz“ aus den Boxen betont langsam ihre Runden drehen, der erkennt: So groß sind die Unterschiede auch nicht.

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Donnerstag, 4. September 2008

Manieren über Bord

Leuten, die erst abends von der Arbeit nach Hause kommen, bleibt viel erspart. Vor allem lästige Anrufe unseriöser Werber. Das böse Erwachen kommt im Urlaub. Das Telefon klingelt, das Display zeigt keine bekannte Nummer an - aber man kann ja nie wissen. Vielleicht streikt der Automotor des Lebensgefährten, ruft eine Schulfreundin an, die sich jahrelang nicht gemeldet hat.

Dann die Ernüchterung. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine unbekannte Stimme. Angeblich von einem Umfrageinstitut, das die Trinkgewohnheiten der Deutschen erforscht. Von wegen. Drei Tage später meldet sich ein lästiger Weinhändler, der seinen Vertreter vorbei schicken will. Mit einem Geschenk. Als Dankeschön für die Teilnahme. Viele Jahre war ich zufrieden mit der Telekom. Bis zu jenem Anruf aus einem Call-Center, den ich dummerweise nicht sofort abgeblockt habe und der mich ohne eigenes Zutun von der 0815-Kundin mit Standard-Anschluss in die Luxuskategorie des DSL-Nutzers erheben wollte. Den Gipfel der Unverfrorenheit geleistet hat sich ein Buchclub, dessen Mitarbeiterin nicht nur ein Krimipaket schnüren wollte, sondern auch Vergünstigungen anbot beim Einkauf namhafter Marken. Wenn sie dann bitte für die Einkaufskarte meine Kontonummer haben könnte. . .

Schade, dass Manager wie Telekomchef Obermann und all die anderen Firmenbosse den Ärger nicht persönlich ausbaden müssen, den ihre aggressive Firmenpolitik anrichtet. Bis Telefonwerbung endgültig verboten wird, hilft nur eines: Manieren über Bord werfen und sofort den Hörer auflegen. Damit die Damen und Herren von der Werbefront erst gar nicht zu Wort kommen.

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Mittwoch, 3. September 2008

Sonntag mit Schrecken

Der Tag heute vor 30 Jahren ist wohl im Gedächtnis eines jeden haften geblieben. Für mich beginnt er erinnerlich damit, dass ich – noch halb schlafend – im Bett liege und wie hypnotisiert zuschaue, wie meine Bücher aus dem Regal zu Boden stürzen. Wie in Zeitlupe, eines nach dem anderen. Während ich dann noch kurz ein dumpfes Grollen vernehme, stürzt auch schon meine Mutter in mein Jugendzimmer im Dachgeschoss des Hauses und schreit: „Volker, schnell, steh auf, ein Erdbeben!“ Und schon ist es vorbei. Von den zirka 28 Sekunden, die das Beben an jenem frühen Sonntagmorgen des 3. September 1978 die Erde rund um Albstadt erzittern ließ, habe ich den Großteil verschlafen. Und was für viele ein Spuk mit Grausen, ist für mich nur mehr die vage Erinnerung an herab fallende Bücher. Doch sollte auch ich noch das Ungemach dieser Naturgewalt zu spüren bekommen... Rund fünf Stunden nach dem großen Stoß, es ist kurz nach elf, zittern die Wände noch einmal. Und auch das Nachbeben war noch heftig genug, um ein unvergessliches Bild an jenen Schreckens-Sonntag zu behalten.

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Dienstag, 2. September 2008

Zurück in die Stadt

Es ist noch nicht allzu lange her, da war es gewollt und in Baden-Württemberg auch so gefördert, dass die Menschen, respektive junge Familien, „raus aufs Land“ zogen und sich ein Häuschen bauten. Doch dieser Trend kehrt sich gerade um. Die jungen Familien sind inzwischen älter geworden. Mutter und Vater wohnen in einem Haus, dass ihnen eigentlich zu groß geworden ist. Und sie würden im Alter auch gerne die Annehmlichkeit der kurzen Wege nutzen, die sich in der Stadt anbieten. Die Kinder sind mit den Enkeln schon in die Stadt gezogen, weil sie sich das Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz nicht mehr leisten können und weil die Betreuungs- und Bildungsangebote in der Stadt zahlreicher sind und besser zu erreichen. Damit entfällt auch der tägliche Zeitaufwand, der bisher auf der Straße liegen blieb und dabei auch noch Kraft und Nerven gekostet hat. Also kommen sie wieder zusammen, die verschiedenen Generationen und zwar in der Stadt. Und davon profitiert wiederum die Stadt, die schon tot gesagte. Städte sind schon von jeher der Hort der Innovation und der gesellschaftlichen Bewegung gewesen. Fortschritt wurde in der Stadt entwickelt und nicht auf dem Dorf.

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Samstag, 30. August 2008

Die Anderen sind schneller

Denken Sie manchmal nicht auch, dass sich die ganze Welt gegen Sie verschworen hat? An jeder der drei Supermarktkassen stehen drei Kunden. Nach einem kurzen Blick in die Einkaufswagen stellen Sie sich an der vermeintlich kleinsten Schlange an. Kunde Nummer eins hat Probleme mit der ec-Karte, Kunde Nummer zwei stellt überrascht fest, dass er ein Päckchen Butter vergessen hat und spurtet los zum Kühlregal, bei Kunde Nummer drei vertippt sich die Kassierin – nach mehreren Stornoversuchen kommt endlich der Marktleiter mit dem rettenden Kassenschlüssel. Der Kunde, der sich nach mir an die Nachbarschlange angestellt hat, ist längst zu Hause, bis ich endlich genervt meinen Geldbeutel zücken darf.

Ähnliche Situationen gibt's an der Tankstelle, an der Biertheke beim Rockkonzert oder an der Kinokasse. Die Anderen sind immer schneller.

Ein freundlicher Kunde im Baumarkt gab mir neulich einen Tipp. Nachdem ich 15 Minuten an der Infotheke gewartet hatte und langsam sauer wurde, huschte er ungefragt an mir vorbei, packte den gerade ankommenden Baumarkt-Mitarbeiter am Hemdärmel und unterbreitete ihm seine Wünsche. Nachdem ich ihm sehr bestimmt, aber keineswegs unfreundlich unterbreitet hatte, dass er sich nicht so einfach vordrängen könne, blaffte er mich in breitestem Heuberger Idiom an: „No munder eich halt au wehra!“ Auf meine Antwort, dass ich das eben gerade versuche, brüllte er: „Ja munschd du, i hätt da ganz Obed Zeit?!

Diese Logik ließ mich augenblicklich verstummen . . .

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