Samstag, 2. August 2008

Ein Euro- Schnäppchen

„Was? Das sind ja beinahe sechs Mark!“ So viele Ausrufezeichen kann der Mann gar nicht machen, um sein Erstaunen über den deftigen Preis eines „Weizen“ adäquat rüber zu bringen. Sie kennen das auch? Solche und ähnliche Ausrufe, mit denen der Unmut über die (T)Euerung seit Einführung des neuen Geldes geäußert wird. Und bestimmt gehören Sie dann auch zu jenen, die noch immer umrechnen; Faktor zwei stets im Hinterkopf? Ja? Die Mehrheit der Deutschen hängt zumindest der besseren Vergleichbarkeit wegen noch immer an der guten alten D-Mark. Schätzungsweise wird das auch noch eine Weile lang so bleiben, wenngleich, ich muss es zugeben, die Fälle, bei denen ich den „eingebauten“ Währungsrechner bemühe, spürbar zurück gehen. Menschen, die einen Großteils ihres Lebens die Mark umdrehen mussten, rechnen gerne um. Zu Hilfe kommt den Deutschen der geschickte Zweier-Kurs. Andere Euro-Nationen sind da bei weitem nicht so begünstigt. Sei es drum. Ganz ohne Geldwert-Korrektur gehen wohl nur die Jüngsten der Nation, welche die DM kaum oder gar nicht aktiv erlebten, zur Sache. So fragte mich kürzlich meine achtjährige Patentochter ganz arglos: „Die neuen Turnschuhe kosten doch nur 70 Euro!“. Jaja, dachte ich mir: „Sind ja auch nur 140 Mark!“ Ein wahres Schnäppchen.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 1. August 2008

Schwäbisch- alemannisch

„Ah, d'r Schwob isch do“. So sagte einst meine Freiburger „Hauswirtin“ Rosa Gassenschmidt. Die Aussage traf mich tief in meiner badischen Seele. Schließlich gehört meine Geburtsstadt St.Georgen im Schwarzwald – Napoleon sei Dank – seit Beginn des 19. Jahrhunderts zum badischen Teil des heutigen Schwarzwald-Baar-Kreises. Was haben wir Heranwachsenden uns damals lustig gemacht über die Schwaben, „drüben“ in Schwenningen, Schramberg oder Rottweil. Und voll Scham minutenlang geschwiegen, wenn „unsere“ heiß geliebten SERC-Jungs im Schwenninger Bauchenbergstadion mit Schwaben-Schlachtrufen nach vorne gepeitscht wurden.

Nun lebe ich ich schon seit 16 Jahren jenseits des Neckars, habe schwäbisch eingeheiratet und Kinder, die wenig meines alemanischen, noch des schwäbischen Sprachgebrauchs meiner Frau angenommen haben. Habe in meiner Tübinger Zeit „Leserbrief-Schlachten“ miterlebt, die sich um die Frage drehten, wie viel schwäbisch darf man im ach so akademischen Tübingen den „Fischköpfen“ zumuten und mich dabei – selbstverständlich – auf die Seite der Schwaben geschlagen. Immer den Zorn eines Freiburger Sprachwissenschaftlers im Ohr, der einst eine in einem Sprachseminar wegen ihres alemanischen Dialekts ausgelachte Mitstudentin lautstark mit den Worten verteidigte: „Jeder Dialekt ist eine Hochsprache für sich“. Er sprach mir aus der Seele.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 31. Juli 2008

Schnäppchen locken!

Es sind Ferien. Und das ist nicht zu übersehen. Die Cafés rund um den Balinger Stadtbrunnen sind gut besetzt, in der Fußgängerzone herrscht geschäftiges Treiben, man sieht lachende Mütter, Omas, die genüsslich ein Eis schlecken und Kinder, die ausgelassen im Stadtbächle mit Wasser um sich spritzen. Und man sieht Schilder, mannigfach. „Radikal reduziert“, „alles um die Hälfte“ oder „bis zu 70 Prozent Rabatt“ „schreit“ es darauf den vielen Passanten entgegen. Wegschauen geht einfach nicht. Ich geb's zu: Mein „Jagdinstinkt“ ist geweckt – und damit das Konzept der Geschäftemacher aufgegangen – und ich stürze mich auf die „Reduzierten-Ständer“ . Trotz der drückenden Hitze schleppe ich fünf Teile in die Kabine und versuche, mich möglichst schweißarm umzuziehen. Meine Kabinen-Nachbarin stöhnt, stürmt vor den Spiegel und schüttelt den Kopf. Meine Teile passen und gefallen mir auch alle. Jetzt überschlage ich die Posten im Kopf. „Fünf Teile – muss das wirklich sein?“. Ich zaudere. Nur kurz. Der Schnäppchenjäger in mir gewinnt. Schließlich habe ich – ich rechne nochmals nach, es stimmt wirklich – über die Hälfte gespart! Glücklich trage ich meine Schätze nach Hause, beseelt vom Gedanken, dass Schnäppchentouren und Joggen irgendwie ähnlich sind. Denn bei beiden „Sportarten“ werden Glückshormone ausgeschüttet. Schade nur, dass die Schnäppchenjagd unterm Strich ein bisschen teurer kommt, man nicht abnimmt dabei und nur zweimal im Jahr glücklich macht!

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 30. Juli 2008

Tägliche Aufreger

Geht’s Ihnen auch so? Es gibt Tage, da regt einen morgens schon das auf Gute Laune getrimmte Radioprogramm auf allen möglichen Sendern auf. Dann auf dem Weg zur Arbeit. Nichts gegen die Sportfanatiker, aber müssen Zweiradfans, womöglich als Gruppe nebeneinander, auf der Bundesstraße fahren, wenn parallel ein ausgewiesener Radweg verläuft? Und was ist mit den Traktoren? Da gibt’s ja welche, die wohl aus Bequemlichkeit lieber einen Stau in Kauf nehmen, anstatt zu den Hauptverkehrszeiten den nächstliegenden Feldweg aufzusuchen. In die Mittagspause kommt man zu spät, was zur Folge hat, dass die Plätze im Lieblingslokal besetzt sind. Also wird durch die Stadt getingelt, um nach einer Alternative zu suchen. Nerv. Entspannung am Abend vor dem Fernseher? Ja, wenn man keine Anrufe bekommt, wo einem Millionengewinne versprochen werden, oder der Ton bei der 23. Werbeunterbrechung nicht wieder automatisch lauter wird. Lieber in den Garten raus? Die Tage konnte man in den vergangenen Wochen an einer Hand abzählen. Oder ins Internet? Auch eine Alternative. Nur blöd aber, wenn man aufgrund des Anbieterwechsels wochenlang keine Verbindung hat. Nun aber „beruhigt“ sich die Lage. Der Urlaub beginnt – hoffentlich ohne Stau, Regen und mieser Unterkunft.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 29. Juli 2008

Unerwartete Auszeit

Eigentlich wollte ich am vergangenen Sonntag nur ein Eis holen und etwas bummeln. Der Spaziergang vom Parkplatz bis zur Eisdiele beim Schwarzen Tor in Rottweil wurde von heftigem Donner gestört. Noch bevor ich mein Ziel erreicht hatte, begann es aus allen Kübeln zu schütten. Ich stand direkt vor der Kapellenkirche mit ihrem grandiosen Turm aus dem 14. Jahrhundert. Wollte ich die Kirche nicht schon lange einmal anschauen?

Was der gotische Turm verspricht, hält die Kirche, die im 18. Jahrhundert barockisiert wurde, nicht. Aber immerhin blieb ich trocken. Ich setzte mich in den Raum direkt unter dem Turm. Eine schwache Lampe beleuchtete eine Pieta. Davor ein Sandbehälter mit einer fast abgebrannten Kerze. Es war angenehm kühl.

Während es draußen unentwegt regnete, gewöhnten sich meine Augen langsam an das schwache Licht und ich entdeckte nun den unteren Teil eines großen Kruzifixes, das sich nach oben in der Dunkelheit verlor. Nach wenigen Minuten erlosch die Lampe, die mit einer Zeitschaltuhr gekoppelt ist. Nur noch das Kerzenlicht schimmerte schwach.

Meine anfängliche Ungeduld wich immer mehr einer inneren Ruhe. Nur ein einziges, schwaches Licht in der Dunkelheit, flackernde Schatten, der Lärm der Straße gedämpft – und immer wieder der rollende Donner.

Fast eine Stunde dauerte das Gewitter. Ich trat aus der Dunkelheit wieder auf die schwül-dampfende Straße hinaus. Manchmal wird man ganz unvermittelt aus dem Alltagstrott heraus gerissen und die Seele nimmt unerwartet eine Auszeit.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.