Mittwoch, 13. August 2008

Das Ende von Olympia

Stellen Sie sich vor, ihre Nachbarn würden sich so richtig zoffen. Nach üblen Beschimpfungen und obszönen Gesten eskaliert es immer weiter. Der Kotflügel des einen Nachbarn bekommt eine Delle, der andere Nachbar reißt den Gartenzaun nieder und sägt den Kirschbaum um. Dann wollen sich die Bewohner des Viertels, wie jedes Jahr in den Ferien, zu einem gemeinsamen Sporttag treffen. Mit einem kühlen Bier und Gegrilltem, aber auch mit Fußball, Tennis und Völkerball. Die Vorfreude auf das Fest lässt durch die Eskalation unter den Nachbarn nach...

Ähnliches können wir gerade auf der weltpolitischen Bühne beobachten. Die Olympischen Spiele sollten ein Sportfest des Friedens sein. Schon die Wahl von China als Austragungsort war problematisch. Ein Staat, der Minderheiten unterdrückt, sich vor fast 50 Jahren unter fadenscheinigen Gründen Tibet einverleibt hat und das Recht auf freie Meinungsäußerung einschränkt, ist nicht der ideale Ort für die Olympischen Spiele.

Und dann bekriegen sich jetzt auch noch die Nachbarn Georgien und Russland. Die weltweite Familienfeier ist empfindlich gestört, niemand hat mehr so richtig Lust auf die globale Sportparty. Georgien zieht nun seine Mannschaft zurück, Russland sollte gleichziehen. Denn man kann nicht gleichzeitig friedlich Sport treiben und Bomben werfen.

Und das IOC hält sich mal wieder vornehm zurück. Das ist das Ende der olympischen Idee.

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Dienstag, 12. August 2008

Frage der Moral

Kennen Sie Dr. Dr. Rainer Erlinger? Woche für Woche kümmert er sich im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ um die großen Sorgen und kleinen Nöte von Menschen, die unter Gewissensbissen leiden oder von ihm wissen wollen, ob sie sich in einer bestimmten Situation ethisch-moralisch richtig verhalten haben.

Stellen Sie sich folgende Situation vor. Sie stehen am Bahnhof Engstlatt, wollen ein Ticket lösen, haben einen Fünf-Euro-Schein in der Tasche, aber kein Münzgeld. Nun ist der Fahrscheinapparat aber kaputt, einen Ticketschalter gibt es in Engstlatt schon lange nicht mehr. Was würden Sie tun? Den Zug vorbeirauschen lassen? Schwarzfahren? Den Vorfall beim Einsteigen dem Zugfahrer sofort melden? Letzteres ist richtig – so zumindest machen einem die Mitfahrbedingungen der Deutschen Bahn im Zugabteil unmissverständlich klar. Des weiteren steht dort aber auch, dass im Zielbahnhof ein Ticket nachbezahlt werden muss.

Stellt sich nun die Frage, ist es moralisch verwerflich, wenn man den Bahnhof verlässt, ohne ein Ticket nachzulösen, wenn man im Zug den Zugführer auf das fehlende Ticket hingewiesen hatte? Schließlich, so könnte man ja argumentieren, hat man ja – in bester Absicht – alles versucht, vor Fahrtantritt ein Ticket zu lösen und dies auch dem Zugführer gemeldet. Ist das dann trotzdem schwarzfahren? Rechtlich wohl schon. Bleibt die Frage der Moral. Dr. Dr. Erlingers Antwort würde mich interessieren.

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Donnerstag, 7. August 2008

Bsirske in die vierte Klasse

Neulich besuchte ich die vierte Klasse der Dotternhausener Grundschule. Die Kinder beschäftigten sich nach den starken Hagelgewittern mit dem Klimawandel – natürlich auch ein Fall für die Zeitung.

Bei einem Flug nach Mallorca verursache man pro Kopf so viel Kohlendioxid-Emmissionen, wie wenn man ein Jahr Auto fahre, erzählte mir ein Viertklässler. Das saß! Vielflieger war ich zwar nie. Wenn ich aber einmal gen Süden abhob, dachte ich kaum an die Umweltsünde, die ich da beging. Das zu tolerierende „Jahresbudget“ eines Menschen liegt übrigens bei 3000 Kilogramm CO2. Wer täglich 35 Kilometer Auto fährt, produziert schon jährlich 2000 Kilogramm des Klimakillers.

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Verdi-Chef Frank Bsirske Urlaub in der Südsee macht. Während sich viele Bürger über die hohen Kosten der für Bsirske kostenlose Flugreise echauffieren und es skandalös finden, dass der Verdi-Chef just als Aufsichtsratsmitglieder jener Fluglinie in den Urlaub entschwand, die seine Gewerkschaft einige Tage später bestreikte, lässt mich das eher kalt. Das müssen die Gewerkschaftsmitglieder unter sich ausmachen.

Aber Bsirske ist auch Mitglied der „Grünen“. Und die haben den Anspruch, DIE Umweltpartei zu sein. Bei seiner Flugreise in die Südsee produziert der grüne Gewerkschafter rund 5000 Kilogramm CO2 – fast doppelt so viel, wie das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen.

Mein Tipp an Bsirske: Besuchen Sie mal die vierte Klasse in Dotternhausen. Sie können, wie ich, viel dazu lernen.

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Mittwoch, 6. August 2008

Heute keine Wetterwarnung

Mittwoch, 6. August 2008, es könnte ein besonderer, zumindest einer der eher selteneren Tage werden, ein Tag ohne warnwürdiges Wetterereignis. Seit Jörg Kachelmann mit seiner Meteomedia Aktiengesellschaft mit dem staatlichen Wetterdienst um die Wette warnt, gibt es so gut wie keine Wetterlage mehr, die nicht warnwürdig ist. Regen wird zum Starkregen, aus Blitz und Donner werden „organisierte Gewitterlinien“, der Wind bläst meist nur noch in Sturmstärke. Wird es dann mal ein schöner Sommertag, darf natürlich die Warnung vor Hitze oder Schwüle nicht ausbleiben.

Die vielen pauschalen und großflächigen Warnungen lassen sich sicher damit erklären, dass der Herausgeber nachträglich für sich in Anspruch nehmen kann, entsprechend gewarnt zu haben. Für private Wetterdienste sind Unwetterwarnungen längst zum Geschäft geworden. Detaillierte Dienste bietet Kachelmanns Firma einem erweiterten Nutzerkreis an, meist sind es Kommunen und Firmen, die dafür bezahlen.

Einige Versicherungsgesellschaft zahlen Kachelmann größere Summen, um guten Kunden einen kostenlosen Unwetterwarnservice zu bieten, der „automatisch, präzise und ortsgenau“ per SMS oder E-Mail warnt, wenn das Wetter für den Versicherungsnehmer oder sein „Hab und Gut“ zur Gefahr werden kann. Ob Versicherer sich weniger Kosten im Schadensfall ausrechnen? Nur gut, dass als Konsequenz noch kein Unterlassungsvorwurf im Raum steht, man hätte „Hab und Gut“ nach einer Warnung nicht rechtzeitig geschützt. Zu einen fehlt es dazu meist an den tatsächlichen Möglichkeiten und Propheten wie Jörg Kachelmann an den für präzise und ortsgenaue Warnungen erforderlichen göttlichen Fähigkeiten.

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Dienstag, 5. August 2008

Wenn Kunst Flügel verleiht

Das verdient ein Extralob, finde ich! Unsere erste Kunsttour am Freitag (wir berichteten am Samstag) schärfte nicht nur allen Teilnehmern den Blick für die Kunstwerke der „SkulpTour“ entlang des Radweges zwischen Balingen und Schömberg, sondern hat auch gezeigt, dass Kunst Türen öffnen kann. Es schien so, als ob der Spaß für eine Leserin, die mit ihrem Auto samt Velo im Gepäck aus Albstadt angereist war, nach wenigen Metern zu Ende war. Paff machte es beim Finanzamt, der Reifen war platt. Die zündende Idee kam von einem hilfsbereiten Mitradler, der auf das Fachgeschäft „ Sport Paul“ verwies. Schnellen Schrittes schob die Albstädterin ihr Rad über zwei Kreuzungen dorthin und berichtete von ihrem Missgeschick. Der Chef zeigte Verständnis, handelte schnell und stellte der Kunstfreundin ein Leihrad vor die Tür. Und so viel Freundlichkeit beflügelte die Radlerin geradezu. Zwar leicht aus der Puste, aber freudestrahlend hatte sie die Gruppe bereits in Erzingen wieder eingeholt. Bei der Rückfahrt wartete eine weitere nette Überraschung: Der Platten war geflickt. Und da sag noch einer, Sport und Kunst vertragen sich nicht und der Kundenservice gehe flöten! A propos Lob: Soeben aus Berlin von ihrem Kunsttripp zurückgekehrt, nahm eine Teilnehmerin unsere Kunstführerin Gundi Kleinschmidt mit den Worten zur Seite. „Die Kunst in der Provinz braucht sich nicht zu verstecken“. Aber das wissen wir Balinger ja schon lange.

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