Mittwoch, 10. September 2008

Der Wert jeden einzelnen Tages

Heute soll eines der größten Experimente der Physik starten. Die Wissenschaftler des Kernforschungszentrums CERN in Genf setzen ihren gigantischen, unterirdischen Teilchenbeschleuniger in Gang. In der riesigen, 27 Kilometer langen Röhre, dem „Large Hadron Collider“ (LHC) werden Wasserstoff- Atomkerne mit bisher unerreichter Wucht ineinander krachen .

Der LHC hat mit 120 Megawatt den Strombedarf wie Genf. Ein Magnetfeld, 100 000-fach stärker als das der Erde, hält die Wasserstoff-Kerne auf Kurs. Die Anlage, 150 Meter unter der Erde , wird auf rund minus 271 Grad Celsius gekühlt. Was damit erreicht werden soll? Die Wissenschaftler wollen, kurz gesagt, eine Art „Urknall“ simulieren und sehen, woraus sich ganz am Anfang aller Dinge die Existenz an sich speiste.

Dass dabei auch winzige „Schwarze Löcher“ entstehen könnten, ruft Mahner wie den Tübinger Chaosforscher Prof. Dr. Otto E. Rössler auf den Plan. Solch ein Schwarzes Loch könne zur Apokalypse führen, so Rössler.

Nun wollen wir alle mal so optimistisch sein und den Herren von CERN glauben, die zwar einräumen, Schwarze Löcher könnten entstehen, die würden sich aber sofort wieder auflösen.

Allein der hypothetische Gedanke daran, dass alles Bekannte, die ganze Welt, einfach alles, worüber wir doch – Hand aufs Herz – allzu gern schimpfen und jammern, aufhören könnte zu existieren, allein dieser Gedanke reicht, um die Sonne ein wenig heller scheinen zu lassen und die Welt und die Mitmenschen so kostbar erscheinen zu lassen, wie wir sie jeden Tag wahrnehmen sollten.

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Dienstag, 9. September 2008

Ein Hoch auf die Vereine

Ohne Vereine wäre in den meisten kleinen Flecken „tote Hose“ angesagt. Denn nicht überall sitzt ein Michael Maier, der wie in Ratshausen für ein ausgefülltes Kulturprogramm sorgt. Die Kollegen und Gemeinderäte wissen daher sehr wohl, was sie an ihren Kapellen, Wanderfreunden, Fußballclubs oder Narrenzünften haben. Sie sind es schließlich, die dafür sorgen, dass was „geht“, Besucher von auswärts kommen und so eine Gemeinde attraktiv machen.

Doch Vereine leisten noch viel mehr. Herausragende Beispiele gibt es hierfür genug. Gerade im oberen Bezirk. Dort hat man sich zusammengeschlossen, um alten und baufälligen Gebäuden neues Leben einzuhauchen. St. Peter und Paul in Nusplingen, der Wasserturm in Benzingen und „S’Käpelle“ in Harthausen sind herausragende Beispiele dafür. Deshalb sind die Verantwortlichen meist auch nicht kleinlich, wenn sie außerhalb der üblichen Förderung um Finanzspritzen gebeten werden, zum Beispiel für neue Uniformen, Sportutensilien, Rasenmäher oder schweres Gerät. Dies sollte auch in Zeiten klammer Kassen so bleiben. Denn es ist schon schwierig genug, Menschen zu finden, die sich engagieren wollen. Nicht nur aus Zeitgründen, sondern weil sie oft Kritik ausgesetzt sind. Deshalb die Frage an die ewigen Meckerer: Können Sie sich ein Leben in ihrem Heimatort ohne Konzerte, Turniere, Narretei, Zeltfeste oder überregionale Großveranstaltungen vorstellen? Deshalb am besten Mund halten oder selbst ein Amt übernehmen.

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Samstag, 6. September 2008 von gelöscht

Für eine Kultur der Toleranz

Kultur – kaum ein anderer Begriff wird so gerne und häufig benutzt, wenn es um die höheren Dinge im Leben geht: Den Schöngeist, das künstlerische Etwas, das den gewöhnlichen Menschen aus der Masse emporsteigen lässt, wie es einst der Phönix aus der Asche tat. Und Hand aufs Herz, wer mag sich nicht auch gerne kulturbeflissen nennen. Wo Kultur gedeiht, ist der Kult nicht weit, und ein kultiviertes Gegenüber kann einen an sich sinnfreien Abend retten . . .

Alles Kultur, oder was? Eigentlich ja, denn sobald der Mensch etwas selbst gestaltet, entsteht Kultur. Und genau um diese bodenständige Sorte geht es morgen auf dem Balinger Marktplatz. Menschen unterschiedlicher Herkunft werden ihre Traditionen und Gewohnheiten zeigen, über 20 Gruppen haben sich für das „Fest der Kulturen“ angekündigt. Ein multikulturelles Tagesmenü wird serviert, das bunter und abwechslungsreicher kaum sein könnte. Brasilianische und afrikanische Trommeln hier, schwäbische Mundartgedichte und ein Mitmach-Theater dort. Dazwischen Tänze und Musikeinlagen aus 1000 und einer Nacht. Sehnsüchtige Blicke in die Südsee sind das i-Tüpfelchen. Alle Darbietungen werden sich dem diesjährigen Motto „Heimat“ widmen. Und genau das ist auch die Gemeinsamkeit aller Kulturen, die sich hier zeigen: Sie haben in Balingen eine neue Heimat gefunden. Das Fest ist daher viel mehr als eine netter, sonntäglicher Zeitvertreib. Hier wird im persönlichen Gespräch für mehr Toleranz und Offenheit geworben, Vorurteile abgebaut und Freundschaften geschlossen.

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Freitag, 5. September 2008

Wenn Männer aus Liebe sängen

„Des wär' a G'schroi en der Stadt“, sinnierte Richard Renz vom BNAN im Rahmen der letzten Wanderung unserer ZAK-Sommeraktion, „wenn mir Manna au no alle senga miasted“, und erntete allgemeines Gelächter. Denn Vogelmänner, lernten wir auf der Wandertour, müssen das tun:

Wollen sie der Dame ihres Herzens imponieren, müssen sie kräftig, unüberhörbar und – wir wollen's mal vermuten – auch „schön“ singen. Das Plustern des Gefieders und das ein- oder andere Gehüpfe kommt dazu. Fertig ist die Balz.

Schon komische Vorstellung: Eine Schöne stöckelt erhobenen Hauptes und zufrieden lächelnd die Fußgängerzone entlang, während ihr drei Herren hinterherlaufen und lauthals singen. Der Erste intoniert vielleicht: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön...“, der zweite schmettert: „Verdammt ich lieb Dich, ich lieb Dich nicht,,,“, während der dritte „I was made for loving you Baby...“ röhrt – und jeder hofft, dass gerade sein Musikgeschmack die Angesungene betören möge. Unrealistisch? Vielleicht. Wer sich allerdings mal an einem Samstagnachmittag ins Straßencafé setzt und zuschaut, wie die tollen Kerls mit Sonnenbrille mit ihren aufgemotzten Schlitten und lautem „Umz-Umz-Umz“ aus den Boxen betont langsam ihre Runden drehen, der erkennt: So groß sind die Unterschiede auch nicht.

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Donnerstag, 4. September 2008

Manieren über Bord

Leuten, die erst abends von der Arbeit nach Hause kommen, bleibt viel erspart. Vor allem lästige Anrufe unseriöser Werber. Das böse Erwachen kommt im Urlaub. Das Telefon klingelt, das Display zeigt keine bekannte Nummer an - aber man kann ja nie wissen. Vielleicht streikt der Automotor des Lebensgefährten, ruft eine Schulfreundin an, die sich jahrelang nicht gemeldet hat.

Dann die Ernüchterung. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine unbekannte Stimme. Angeblich von einem Umfrageinstitut, das die Trinkgewohnheiten der Deutschen erforscht. Von wegen. Drei Tage später meldet sich ein lästiger Weinhändler, der seinen Vertreter vorbei schicken will. Mit einem Geschenk. Als Dankeschön für die Teilnahme. Viele Jahre war ich zufrieden mit der Telekom. Bis zu jenem Anruf aus einem Call-Center, den ich dummerweise nicht sofort abgeblockt habe und der mich ohne eigenes Zutun von der 0815-Kundin mit Standard-Anschluss in die Luxuskategorie des DSL-Nutzers erheben wollte. Den Gipfel der Unverfrorenheit geleistet hat sich ein Buchclub, dessen Mitarbeiterin nicht nur ein Krimipaket schnüren wollte, sondern auch Vergünstigungen anbot beim Einkauf namhafter Marken. Wenn sie dann bitte für die Einkaufskarte meine Kontonummer haben könnte. . .

Schade, dass Manager wie Telekomchef Obermann und all die anderen Firmenbosse den Ärger nicht persönlich ausbaden müssen, den ihre aggressive Firmenpolitik anrichtet. Bis Telefonwerbung endgültig verboten wird, hilft nur eines: Manieren über Bord werfen und sofort den Hörer auflegen. Damit die Damen und Herren von der Werbefront erst gar nicht zu Wort kommen.

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