Donnerstag, 6. November 2008

Ich habe einen Traum

„Zum ersten Mal wird dieses Land zu meinem Land“. Der alte Mann aus dem New Yorker Stadtteil Harlem freute sich gestern mit Tränen in den Augen über den Wahlsieg von Barack Obama. Und auch der amerikanische Bürgerrechtler Jesse Jackson konnte seine Tränen nicht zurückhalten, als er von Obamas Erfolg erfuhr.

Am 4. April 1968 weinte Jesse Jackson auch. Damals waren es keine Freudentränen. Er stand neben Martin Luther King auf dem Balkon des Lorraine Motel in Memphis, als dieser von einem Attentäter erschossen wurde. Seit gestern weiß man, dass die Kugeln zwar King getötet haben, seine Ideen aber nicht treffen konnten.

Barack Obama hat in Chicago lange in sozialen Organisationen mitgearbeitet. Er war immer an der Seite der Unterdrückten, Schwachen und Diskriminierten. Und die hoffen jetzt auf ihn. Hoffen auf eine kleine Revolution der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit.

„Wir müssen unseren Kampf stets auf der hohen Ebene der Würde und Disziplin führen“, rief Martin Luther King am 28. August 1964 rund 250 000 Demonstranten in Washington zu. „I have a dream“ – diese Worte aus der Rede wurden berühmt. Der Traum von Martin Luther King beginnt mit Obama Realität zu werden. Und nicht nur Jesse Jackson weint Freudentränen.

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Mittwoch, 5. November 2008

Ende gut. . .

Es wurde Zeit. Ganz ehrlich. Wer wollte in Deutschland einen solch langen Wahlkampf erleben, wie ihn die Amerikaner vorgemacht haben ? Keine Frage, es war spannend. Streckenweise beste Unterhaltung. Aber die Unsummen, die ein Präsident benötigt, um an die Macht zu kommen, stimmen nachdenklich. In den USA können sich Millionen von Menschen nicht einmal eine Krankenversicherung leisten. Doch die Kandidaten geben unbekümmert Millionen von Dollar für Werbespots aus. Geld ebnet den Weg ins Weiße Haus. Auch das eine Erkenntnis aus der größten Wahlkampfschlacht, die es in Amerika jemals gegeben hat. Wer dort einzieht, wissen wir heute zum Frühstück. Ich persönlich hoffe auf den Wechsel - und auf Obama. Ganz ohne Show.

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Dienstag, 4. November 2008

Sind Sie Handy- oder Mailtyp?

Ja klar, dass wir im Kommunikationszeitalter leben, ist ein alter Hut. Dass die ständige Erreichbarkeit immer und überall ungeheuer nervt, aber mittlerweile einfach auch auf breiter Basis vorausgesetzt wird, ist leider ein Allgemeinplatz, wenn auch ein wahrer.

Recht interessant kann es aber sein, die Auswirkungen dieser Entwicklung auf sich selbst und die lieben Mitmenschen zu beobachten. Denn auch hier greift die Evolutionstheorie und beginnt, die Menschheit in verschiedene Kommunikations-Spezies aufzuteilen. Zu welcher gehören Sie?

Da gibt es beispielsweise den gewissenhaften E-Mail-Verfechter. Mehrmals täglich auch privat seine Mails zu „checken“ gehört für ihn zum guten Ton, per Mail ist er oder sie immer und überall erreichbar.

Der Internet-Junkie ist immer und überall online. E-Mail? Für ihn schon fast kalter Kaffee. Er ist per „ICQ“, „MSN“ oder „Yahoo-Messenger“ ständig mit allen in Kontakt, während er auch noch präsent ist in verschiedenen „Foren“. Er ist im WWW zu Hause.

Der SMS-Abhängige hingegen fühlt sich unwohl, wenn das Handy nicht alle 20 Minuten summt, und noch unwohler, wenn er auf seine SMS keine Antwort erhält. Und hier beginnt das Problem: Denn während Mailfreund sein Handy grundsätzlich irgendwo liegen lässt oder den Ton aus hat, so dass SMS ihn selten oder wenn, dann zu spät erreichen, vergisst der SMS-Verfechter natürlich, in seine Mails zu schauen, was wiederum seinen mailbegeisterten Kumpel erzürnt.

Ach, was war das noch schön, als nur das Telefon oder der Postmann zweimal klingelte...

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Freitag, 31. Oktober 2008

Manchmal läuft was falsch

Wenn ich manchmal abends die Nachrichten schaue, meine ich, ich bin im falschen Film. So etwas gibt es doch gar nicht, in meinen bis vor kurzem noch vom christlichen Abendland geprägten modernen Zivilisationsvorstellungen. Finanzkrise hin oder her, wo bleibt eigentlich die Moral.

Dass Unternehmen Leitungen oder Rechte verkaufen und diese dann zum eigenen Gebrauch wieder zurück leasen, mag einem bis vor wenigen Monaten noch als gelungener Gag erschienen sein. Den Verantwortlichen wird im Moment das Lachen vergangen sein.

Nun erfährt die Öffentlichkeit, dass Bürgermeister ihr Sparschwein am Weltspartag nicht zu den kommunal eingebundenen Kreditinstituten getragen haben, sondern zu ausländischen Investmentbanken, weil es dort ein paar Prozentpunkte mehr an Zinsen zu geben schien. Mancher Bürger reibt sich verwundert die Augen, warum Kommunen aber und aber von Millionen zinsgünstig anlegen müssen, während Schwimmbäder geschlossen werden und Kindergärten vor sich hin vegetieren.

Apropos: Wie war das noch mit dem Weltspartag, der heute wie jedes Jahr von den Banken begangen wird ? Der Bürger soll dabei zum verantwortungsbewussten Umgang mit Geld – kein Witz – angehalten werden. Gedanken dazu macht sich auch ein Finanzblatt: „Weltspartag und Halloween etwa ließen sich schön verschmelzen. Da jagen die kleinen Monster kreischend und drohend von Tür zur Tür und liefern den monetären Teil der Beute danach bei den Banken ab. Gier kann gar nicht früh genug geübt werden.“

Manchmal glaube ich, dann doch nicht im falschen Film zu sein, vielleicht habe ich einfach nur schlecht geträumt.

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Freitag, 31. Oktober 2008

Hitverdächtig!

Ein kleiner Junge summt sein Lieblingslied lautstark in den Telefonhörer mit dem Wunsch, „dass ihr das jetzt spielt“, zwei Freundinnen nehmen Urlaub, um gemeinsam von morgens bis abends Radio zu hören und ja keinen der 1000 Hits zu verpassen. Ich ertappe mich dabei, dass ich nach dem Haustüraufschließen sofort den Radioknopf ansteuere und lautstark bei den alten Rockfetzen mitsinge. Bei Alice Coppers „Poison“ drehe ich so richtig auf, dass sogar mein alter roter Kater kurz sein Ohr „verschüttlad“, wie wir Schwaben so schön sagen. Zudem vermute ich bei jedem zufrieden grinsenden Autofahrer, der mir entgegenkommt, dass der jetzt bestimmt auch die SWR 1-Hitparade hört. Musik macht glücklich. Eine Erkenntnis, die der bekannte Ulmer Hirnforscher Professor Dr. Dr. Manfred Spitzer seit Jahren Eltern predigt, um ihre Sprösslinge vor dem Computer und Fernseher wegzulocken. Denn das macht dumm. Diese These ist wissenschaftlich belegt. Zurück zur Musik. Ich würde mir wünschen, dass diese Musikbegeisterung auch in die vielen Gesangvereine und Chöre überschwappt. Denn die haben landauf, landab Nachwuchssorgen. Das wäre dann so richtig hitverdächtig! Und würde zudem noch mehr Menschen glücklich machen.

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