Dienstag, 7. Oktober 2008

Von wegen „persönlich“

Vor einiger Zeit war ich in einem großen Möbelhaus in Reutlingen. Dort bestellte ich mir ein neues Sofa. Ein Mitarbeiter ließ mir sogar eine persönliche Skizze meiner neuen Couch aus dem Computer, damit ich nicht vergesse, wie sie aussieht. Damals hieß es nämlich, die Lieferzeit betrage sage und schreibe 13 Wochen. Nichts desto trotz warte ich seither jeden Tag ungeduldig auf eine Nachricht, wann das schicke Polstermöbel endlich kommt. Dann klingelte neulich das Telefon und am anderen Ende war doch tatsächlich eine Stimme, die sagte, sie sei vom betreffenden Einrichtungshaus. Innerlich jubelte ich. „Wir freuen uns sehr, dass Sie bei uns eingekauft haben und möchten uns persönlich dafür bedanken. In unserer Filiale in Reutlingen steht daher für Sie ein ganz persönliches Dankeschön bereit“, säuselte es in mein Ohr. Eigentlich eine nette Idee. Wenn das Ganze auch so persönlich gemeint wäre, wie das Möbelhaus vorgab. Denn es war kein freundlicher Mitarbeiter, der mich da anrief. Sondern eine schnöde Computeransage – monoton und blechern. Die, zu allem Überfluss, ausgerechnet beim Wort „persönlich“ mehr als einmal hängen bleib. Auch die zwei „Design-Sektgläser“, die mir persönlich versprochen wurden, bekommt wahrscheinlich jeder zweite Kunde geschenkt. Von wegen persönlich. Ich hoffe nur, dass wenigstens die Möbelpacker persönlich vorbei kommen und nicht irgendein Roboter das Sofa direkt vor meiner Wohnung vom Lkw kippt.

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Donnerstag, 2. Oktober 2008

Großer Bahnhof für die Oper

Lieben Sie Oper ? Ich schon. Nicht jede - mit Wagner kann man mich buchstäblich (ver)jagen. Aber Mozart und die Italiener immer wieder und am liebsten im Opernhaus. Stuttgart hat in den vergangenen Jahren mit seinen Aufführungen selten enttäuscht. Am Fernseher war Oper bislang eher eine Geduldsprobe. Die Live-Atmosphäre fehlt.

Aber am Dienstag geschah Unglaubliches. Die Oper kam zu den Menschen. Zu den Reisenden, die am Hauptbahnhof Zürich ankommen oder umsteigen. Inmitten der Pendlerströme und Touristengruppen erklang Verdi. La Traviata zwischen startenden Zügen und Lautsprecherdurchsagen. Große Kunst in den Alltag versetzt. Das schweizerische Fernsehen wagte das schier Unmögliche. Der Erfolg gibt den Machern recht: Die Zuschauer am Ort des Geschehens waren mehrheitlich begeistert, die dreistündige Übertragung - die auch Arte ausstrahlte - erreichte Traumquoten. Wenn Kultur vom hohen Roß steigt, den Staub vom Image wischt, dann geschehen manchmal echte Wunder.

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Mittwoch, 1. Oktober 2008

Das sind intakte Familienbande

„Ich möchte“, verkündete mir mein Vierjährigen jüngst mit ernster Miene, während er mit seinem Auto zum Fernlenken veritable Bremsstreifen auf dem Wohnzimmerparkett fabrizierte, „ich möchte Automechaniker werden und Motoren reparieren – wenn ich einmal so groß bin wie Du“.

Da freut sich doch das Vaterherz, wenn der Sprössling sich bereits im zarten Alter um seine berufliche Zukunft sorgt. Was also macht der verantwortungsvolle Erziehungsberechtigte? Er bestärkt das zarte Karrierebewusstsein, lobt und fragt nach, was der hoffnungsvolle junge Mann noch für Zukunftsperspektiven hat.

„Wenn ich dann groß bin und Autos repariere“, bekomme ich also weiter zu hören, „dann verdiene ich viel Geld. Und dann werde ich in unserem Haus wohnen, das leider schon etwas alt und vergammelt ist, aber das macht nichts. Ich werde hier wohnen bis in alle Ewigkeit. Und Mama wohnt auch hier und meine Schwester.“ Dann dreht der kleine Mann ein paar Runden unterm Couchtisch und meint: „Und Du darfst auch hier wohnen“. Wie schön, wenn man mit 40 schon weiß, dass man im Alter gut versorgt ist.

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Dienstag, 30. September 2008

Wiedersehen im Schnee

„Raser prallt gegen Leitplanke“ „Überholmanöver endet glimpflich“ ... – fast jeden Tag wartet der Polizeibericht mit solchen oder ähnlichen Schlagzeilen auf. Dass unter den Opfern zum guten Glück meist „nur“ Verletzte sind, wundert, wenn man das Verkehrsgeschehen live mitbekommt, zum Beispiel auf der täglichen Fahrt von Balingen nach Albstadt. Da geht es schon los bei der „Blume“. Manche, die auf die B 463 reindonnern, drücken derart rücksichtslos aufs Pedal, dass man meinen könnte, sie würden gleich abheben. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt es dann nach der Lärmschutzwand bei Weilstetten – trotz durchgezogener Linie. Man prescht nach vorne und schert in allerletzter Sekunde wieder ein. Dann die vielen Abbiegemöglichkeiten in Ebingen. Sicherheitsabstand einhalten? Blinken? Warum auch? Schlagartig abbremsen und die Karre nach rechts ziehen, so macht man es heute. Oder neulich beim kleinen Kreisverkehr. Langsam heranfahren und schauen? Nein, mit viel Mut und schätzungsweise 80 Stundenkilometern brettert man geradewegs über die Pflasterfläche. Ob große Kiste oder kleiner Rutscher, ob Fahrer mit Schildmütze oder mit wehenden Haaren, ein Wiedersehen gibt’s allemal. Denn spätestens, wenn sich ein kleiner Hauch von Winter einstellt, „hängen“ viele der Straßenrowdys, entweder im Graben oder auf der Meßstetter Steige. Denn im Temporausch vergisst man oft, dass man mit abgefahrenen Sommerreifen unterwegs ist.

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Samstag, 27. September 2008

Herbstzauber

„Neblig, trübe, kühl“ – so kündigen die Meteorologen morgens im Radio die Tage an. Kein Zweifel der Sommer nimmt Abschied, obwohl die Urlaubsbräune noch nicht verblasst und die Erinnerungen an sonnige Tage in Italien noch ganz frisch sind. Entgegen der nüchternen Analyse der Wetterfrösche sehe ich den Herbst mit anderen Augen. Von wegen trübe und trist! Beim Sonntagsspaziergang entlang des Albtraufes leuchten die Wälder und Wiesen in den schönsten Herbsttönen und beim Blick in meinen Garten offenbart sich ein braun-gelb-rot-grünes Farbenspiel. Die Weinrebe, ein im Sommer grüner Klettermaxe par excellence, verleiht der Hauswand nun ein rotes Gewand in allen Schattierungen. Grün-weiß reckt das Papyrusgras seine feinen Stängel in die Höhe, purpur-aubergine leuchtet der japanische Fächerahorn, in sattem Grün wiegt sich die Mini-Zypresse im Wind und wie bunte Farbkleckse stellen Astern und Chrysanthemen ihre Blütenpracht zur Schau. Auch die kleine Enzianpflanze braucht sich in edlem creme-weiß nicht zu verstecken und bildet einen schönen Kontrast zu den blau-blühenden Lavendelbüschen und der zart-orangefarbenen Stockrose. Neidisch „blicken“ die verblassenden Geranien in den Fensterkästen und die Weinrebe, die ihre Blätter zwischen einzelnen nicht abgeernteten Traubendolden bereits fallen lässt, auf diese Farbenpracht. Ihre Tage sind gezählt, jetzt heißt es Platz machen für den Herbstzauber. Doch keine Sorge. Der nächste Sommer kommt bestimmt.

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