Dienstag, 2. September 2008

Zurück in die Stadt

Es ist noch nicht allzu lange her, da war es gewollt und in Baden-Württemberg auch so gefördert, dass die Menschen, respektive junge Familien, „raus aufs Land“ zogen und sich ein Häuschen bauten. Doch dieser Trend kehrt sich gerade um. Die jungen Familien sind inzwischen älter geworden. Mutter und Vater wohnen in einem Haus, dass ihnen eigentlich zu groß geworden ist. Und sie würden im Alter auch gerne die Annehmlichkeit der kurzen Wege nutzen, die sich in der Stadt anbieten. Die Kinder sind mit den Enkeln schon in die Stadt gezogen, weil sie sich das Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz nicht mehr leisten können und weil die Betreuungs- und Bildungsangebote in der Stadt zahlreicher sind und besser zu erreichen. Damit entfällt auch der tägliche Zeitaufwand, der bisher auf der Straße liegen blieb und dabei auch noch Kraft und Nerven gekostet hat. Also kommen sie wieder zusammen, die verschiedenen Generationen und zwar in der Stadt. Und davon profitiert wiederum die Stadt, die schon tot gesagte. Städte sind schon von jeher der Hort der Innovation und der gesellschaftlichen Bewegung gewesen. Fortschritt wurde in der Stadt entwickelt und nicht auf dem Dorf.

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Samstag, 30. August 2008

Die Anderen sind schneller

Denken Sie manchmal nicht auch, dass sich die ganze Welt gegen Sie verschworen hat? An jeder der drei Supermarktkassen stehen drei Kunden. Nach einem kurzen Blick in die Einkaufswagen stellen Sie sich an der vermeintlich kleinsten Schlange an. Kunde Nummer eins hat Probleme mit der ec-Karte, Kunde Nummer zwei stellt überrascht fest, dass er ein Päckchen Butter vergessen hat und spurtet los zum Kühlregal, bei Kunde Nummer drei vertippt sich die Kassierin – nach mehreren Stornoversuchen kommt endlich der Marktleiter mit dem rettenden Kassenschlüssel. Der Kunde, der sich nach mir an die Nachbarschlange angestellt hat, ist längst zu Hause, bis ich endlich genervt meinen Geldbeutel zücken darf.

Ähnliche Situationen gibt's an der Tankstelle, an der Biertheke beim Rockkonzert oder an der Kinokasse. Die Anderen sind immer schneller.

Ein freundlicher Kunde im Baumarkt gab mir neulich einen Tipp. Nachdem ich 15 Minuten an der Infotheke gewartet hatte und langsam sauer wurde, huschte er ungefragt an mir vorbei, packte den gerade ankommenden Baumarkt-Mitarbeiter am Hemdärmel und unterbreitete ihm seine Wünsche. Nachdem ich ihm sehr bestimmt, aber keineswegs unfreundlich unterbreitet hatte, dass er sich nicht so einfach vordrängen könne, blaffte er mich in breitestem Heuberger Idiom an: „No munder eich halt au wehra!“ Auf meine Antwort, dass ich das eben gerade versuche, brüllte er: „Ja munschd du, i hätt da ganz Obed Zeit?!

Diese Logik ließ mich augenblicklich verstummen . . .

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Freitag, 29. August 2008

Weckruf von James Blunt

Radiowecker sind fiese Erfindungen. Grund eins: Sie reißen einen immer zu früh aus den süßen Träumen. Grund zwei: Sie tun das mit Musik. Selbst wenn man schnell genug ist und den Wecker durch einen beherzten Tastendruck in Windeseile mundtot macht, hat man doch schon verloren. Denn ganz egal, was einem entgegendudelt, wenn man den ersten Augenaufschlag des Tages wagt: Man bekommt es für den Rest des Tages nicht mehr aus dem Kopf. Ob's der neueste Hit von Madonna ist oder, viel schlimmer, das ewig gleiche Gesinge namenloser „girl groups“ – die Melodie, die man beim Aufwachen hört, haftet im Kopf. Wie mit Uhu festgeklebt. Im schlechtesten Fall den ganzen Tag. Auch – oder gerade dann – wenn einem das Lied überhaupt nicht gefällt. Letzten Sommer wollte es der Zufall, dass ich dreimal hintereinander von James Blunt und seiner Simona aufgeweckt wurde. Beim ersten Mal fand ich das Lied eher schlicht. Als ich's dann aber drei Tage lang ständig „1973“ vor mich hingesummt hatte, war's zu meinem persönlichen Ohrwurm geworden und ich war reif für die Tat. Ich hab mir die CD gekauft. Es war eine gute Entscheidung. Denn seither bin ich von James Blunts Weckruf via Radiowecker verschont geblieben.

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Donnerstag, 28. August 2008

Unser täglich Brot

Jetzt fahren sie wieder. Den ganzen Tag und fast die ganze Nacht, soweit es der Taupunkt hergibt. Die Rede ist von den Mähdreschern, die nun kleine und große Felder abernten. Immer darauf bedacht, dass der Stundeneinsatz stimmt. An den Rändern stellen die Bauern große Transportwagen auf, die das Getreide aufnehmen. Kaum ist einer voll, steht schon der nächste da, während der Bauer seine Ernte schnell ins Trockene bringt.

Wenig ist übrig geblieben von der verklärten Romantik vergangener Tage, die sich in Volksliedern widerspiegelt. Niemand spannt mehr den Wagen an, um die goldenen Garben einzuholen. Heute gibt es diese zu Garben gebundenen Getreidehalme nur noch zu Erntedank und zu Dekorationszwecken, den Herbst symbolisierend.

Auch die Müller sind schon seit Jahrzehnten aus unserem Lebensumfeld verschwunden. Nun folgen langsam die Bäcker nach. Immer weniger Gemeinden haben noch ihren Bäcker. Im Ausbreiten begriffen sind nur noch Backfilialen von Großbäckereien. Brot gibt es nur noch im Einkaufszentrum.

Aufgrund des Hochs Axel über Süddeutschland und der daraus resultierenden trockenen Witterung, wird auch in nächster Zeit unser täglich Brot gesichert sein – vielleicht fällt ja auch noch ein bischen Biosprit ab.

In Anbetracht dieser Aussichten schlucken wir gern den Ärger hinunter, versperrt ein Mähdrescher wieder einmal den flotten Weg nach Hause.

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Mittwoch, 27. August 2008

Höchste Zeit für Lebkuchen

Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten? An dieses Zitat von Franz Beckenbauer in einem Werbespot für ein Mobilfunkunternehmen musste ich vorletzte Woche beim Einkaufsbummel durch Reutlingen denken. Bei der Suche nach kurzärmeligen Schnäppchen dröhnten himmelhochjauchzende Klänge aus den Lautsprechern. Sicherlich ein Versehen, denn noch gab es eine Etage tiefer keine Lebkuchen zu kaufen. Lange wird es aber wohl nicht mehr dauern, bis man uns wieder monatelange auf das Fest der Feste einstimmen möchte. Es ist auch höchste Zeit, denn zwischenzeitlich haben Kürbisse aus Ton, schauderhafte Gestalten, Vampirzähne und Gummispinnen schon Staub angesetzt. Damit diese Utensilien für Halloween, ein Ereignis, das man auch hierzulande immer ausschweifender feiert, für klingelnde Kassen sorgen, stehen sie schon seit geraumer Zeit einträchtig mit den Restposten an Sonnencremes in den Regalen. Es ist sicherlich nur noch eine Frage der Zeit, dann gibt es bereits Nikoläuse und Schokohasen im Doppelpack Oder: Nimm drei Himmelsheilige, dann gibt’s ein Langohr gratis dazu. Verkehrte Welt? Stimmt! Aber zugegeben, ein bisschen freue ich mich auch schon wieder auf die Praline mit der Kirsche darin ...

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