Samstag, 3. Januar 2009 von gelöscht

Gute Vorsätze reichen nicht

Selten konnte man den Rutsch ins neue Jahr dermaßen wörtlich nehmen wie dieses Mal. Schlimme Vorfälle blieben allerdings aus, denn wir haben uns alle offensichtlich darauf eingestellt und uns nicht ohne Not aufs sprichwörtliche Glatteis führen lassen. Ob dies mit den guten Vorsätzen fürs neue Jahr genauso ist, mag man dagegen bezweifeln. Denn in der Alkohol geschwängerten Silvesterstimmung kommen doch alle Jahre wieder die launigsten Aussagen zustande. Harmlose Klassiker wie „weniger rauchen oder wenn's geht sogar ganz aufhören“, „gesünder ernähren und mehr Sport treiben“ oder einfach „sich nicht mehr so sehr wegen irgendwelchen Nicklichkeiten aufregen“ drangen in den letzten beiden Tagen im Dutzend an mein Ohr. Schön wäre es, wenn dies nicht nur Lippenbekenntnisse sind und ebenso schnell verpuffen wie die Raketen und Knaller in der kalten Silvesternacht. Vielleicht sollten wir uns mehr Durchhaltevermögen zutrauen und uns nicht so schnell bei Rückschlägen entmutigen lassen. Frei nach einer chinesischen Volksweisheit: „Fürchte dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen, fürchte dich nur vor dem Stehenbleiben.“

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Freitag, 2. Januar 2009

Glück in kleinen Dosen

Es geschah im Supermarkt: Gedankenverloren schob ich den Einkaufswagen vor mir her, als mein Blick urplötzlich an ein paar kleinen Döschen im Regal hängen blieb. „Vital“ stand da, „Fit“ und „Aktiv“ – Wörter mit nahezu magischer Anziehungskraft. Kurz darauf lagen die Pillen und Pülverchen in meinem Wagen. Schließlich kann man mitten in der Erkältungszeit doch nicht genug fürs Immunsystem tun, oder? Zwar predigen Ernährungswissenschaftler, wann immer man sie lässt, dass es viel besser ist, Obst und Gemüse zu essen statt Vitaminpillen zu schlucken. Was sie allerdings vergessen: Die Pillen passen perfekt in unsere schnelllebige Zeit. Weil wir unseren Alltag vollstopfen mit all den unglaublich wichtigen Dingen wie Arbeit, Freizeitaktivitäten, „Events“ und Konsum. Und dabei ganz vergessen, dass die wirklich wichtigen Dinge, zum Beispiel, sich gesund und naturbelassen zu ernähren, des einen Luxus' bedürfen, der bei all dem seltsamerweise auf der Strecke bleibt: nämlich Zeit.

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Mittwoch, 31. Dezember 2008

Woher kommt der „Rutsch“?

Jeder will ihn, jeder braucht ihn und jeder bekommt, da will ich wetten, einen gewünscht: den berühmten alljährlichen „guten Rutsch“. Da freut man sich und stellt sich, ist man beim Silvesterfeiern noch zu solch intellektuellen Höchstleistungen fähig, vor, wie man irgendwie elegant in das neue Jahr gleitet oder eben rutscht. Fließend sozusagen, mühelos. Aber spätestens beim „Hals- und Beinbruch“ versagt die Fantasie. Was daran nun bitte schön sein soll, sich sämtliche Knochen zu brechen, kann man sich beim besten Willen nicht vorstellen.

Doch wie so oft fallen wir auf die irrige Annahme herein, deutsch klingende Ausdrücke seien auch deutsch. Weit gefehlt. Des Rätsels Lösung liegt im Hebräisch-Jiddischen. Dort bedeutet „Rosh“ schlicht so viel wie Anfang. Lautmalerisch wurde „Rutsch“ daraus, und wer einen guten Rutsch wünscht, wünscht eben einen guten Anfang. Wohingegen das ebenfalls hebräische „Hazloche und Brache“ mit „Glück und Segen“ übersetzt werden kann, ein Ausdruck, der sich eingedeutscht in das etwas sinnfremde „Hals- und Beinbruch“ verwandelte.

Aber eigentlich ist es ja egal, was genau wir sagen. Meinen müssen wir es. Und so kommt's auch an. In diesem Sinne: Guten Rutsch!

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Mittwoch, 31. Dezember 2008

Mit Zuversicht

„Yes we can“: Was haben wir gestaunt über die Amerikaner und deren Mut, Obama zum ersten schwarzen Präsidenten zu wählen. Wie groß war das Entsetzen über Bänker und Börsianer, die mit riskanten Geschäften Milliarden verzockt und eine globale Finanzkrise ausgelöst haben. Wie schlimm werden die Folgen sein ? Und wie viel Ehrlichkeit zur Lage der Nation ist von Politikern zu erwarten, die sich rüsten für das Jahr 2009 mit acht Kommunalwahlen, vier Landtagswahlen, der Bundestagswahl und der Europawahl ?

Wir brauchen Mut und Zuversicht. Und Menschen, die Probleme anpacken. Keine Visionäre, sondern Pragmatiker.

Das Jahresende ist kein Ende und kein Anfang, sondern ein Weiterleben. Schauen wir also kurz zurück, was die Menschen auf der Zollernalb in den vergangenen zwölf Monaten bewegt, berührt, betroffen hat.

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Mittwoch, 31. Dezember 2008

In der Balinger Post-Schlange

Queue up, please! Mit dieser simplen Aufforderung haben die Briten das Schlangestehen von je her perfektioniert. Kein Gedränge an Bushaltestellen, keines an Fahrkartenschaltern. Inzwischen aber sind auch die Deutschen in dieser Angelegenheit „very british“ wie das Beispiel der Balinger Post beweist. Dort ist es mitnichten so, dass nur in der hektischen Vorweihnachtszeit das Schlangestehen zur viertelstündlichen Geduldsprobe werden kann.

An dieser Stelle muss ich gleichwohl für die Schaltermitarbeiter eine Lanze brechen. Zuvorkommend und freundlich werden die Kunden bedient. Die wiederum – so zumindest mein Eindruck – danken es den Postbediensteten, indem sie ihren Schlangesteh-Frust hinunterschlucken und eben nicht an der falschen Stelle rauslassen.

Zwei Verbesserungsvorschläge seien an dieser Stelle aber dann doch noch erlaubt. Die segensreiche Einrichtung, für Kinder Schlange-stehender Eltern einen Maltisch mit Stiften bereitzustellen, könnte durch das eine oder andere Blatt Papier vervollkommnet werden. Und der Fernseher mit nichtssagendem weil absolut minimiertem Nachrichten-Endlosband sorgt in der Schlange keineswegs für Kurzweil. Höchstens für Kopfschütteln, dann nämlich, wenn Christian Klars Freilassung zwischen MMWs Konzert für seine Fans (vermutlich Marius Müller-Westernhagen?) und die Erschöpfungs-Zustände von Katie Holmes (wer war nun das schon wieder?) gepresst wird.

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