Freitag, 7. September 2018 von Lydia Wania-Dreher

Ballast abwerfen

Kofferpacken ist eine Kunst für sich. Und ich falle eindeutig in die Kategorie Minimalismus. Das habe ich erst neulich wieder gedacht. Da verstaute ich meine sieben Sachen für ein verlängertes Wanderwochenende in einem Rucksack. Bei jedem Teil überlegte ich mir, ob ich es wirklich brauche, oder ob es nicht auch ohne geht. Und am Ende blieb mal wieder erstaunlich wenig übrig: Kamm und Haarspray braucht kein Mensch in den Bergen – eine einfache Bürste tut es auch. Das kleine 3-in-1-Duschgel ersetzt Seife, Shampoo und Gesichtsreinigung. Und eine warme Jacke reicht vollkommen. So blieb mein Rucksack leicht und mein Rücken freute sich.

Aber auch bei anderen Urlauben packe ich à la Minimal-Art. Oft habe ich den kleinsten Koffer von allen dabei. Statt zig T-Shirts nehme ich lieber Rei aus der Tube mit. Wenn ich dann die großen Taschen der anderen sehe, freue ich mich immer, dass ich nicht so viel Ballast mit mir rumschleppen muss und mit wenig auskomme. Vermisst habe ich bisher übrigens noch nichts. Im Gegenteil, wenn ich nach dem Urlaub alles wieder auspacke, ärgere ich mich über die Dinge, die ich gar nicht gebraucht habe.

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Donnerstag, 6. September 2018 von Nicole Leukhardt

Aber bitte mit Schlagobers!

Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen – dieses Sprichwort wird Goethe zugeschrieben. Was Goethe verschwieg – man kann drei Fremdsprachen relativ gut beherrschen und in Österreich trotzdem an der Speisekarte scheitern. Im Café Graf Leopold, just unterhalb des Grazer Uhrturms, blätterte ich mit knurrendem Magen durch die Speisenauswahl. Dass man in Österreich nicht einfach Kaffee trinkt, sondern einen Braunen oder einen Verlängerten mit Schlagobers bestellt, finde ich ganz charmant. Ich ging trotzdem auf Nummer sicher und bestellte einfach Cappuccino. Auch unter einem Antipastiglaserl konnte ich mir noch etwas vorstellen. Endgültig ratlos ließ mich allerdings das Angebot „Verhackert oder Grammelschmalz im Glas“ zurück. Die Googlesuche war hilfreich: Verhackert ist ein Brotaufstrich aus Speck, Grammelschmalz ist auf der Alb als Griebenschmalz bekannt. Wer die Speisekarte ins Englische übersetzt hat, war wohl trotzdem kein Goethe-Fan. Denn aus „Verhackert oder Grammelschmalz“ wurde „Verhackert or Kren (horseradish)“. Und wie das Schmalz zum Meerrettich wird, ist vermutlich ein weiteres gut gehütetes Geheimnis steirischer Küche.

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Mittwoch, 5. September 2018 von Volker Bitzer

Dicke Luft unter dem Schirm

Sommerzeit ist Freiluft-Vergnügen. Was gibt es Schöneres, als draußen im Biergarten oder auf der Terrasse eines Restaurants die warmen Monate zu genießen? Bei einem kühlen Pils, 'nem schönen Rosé, einem Eisbecher oder einem Cappuccino. Das am besten im wohltuenden Schatten, von obenher gut beschirmt gegen die Sonne.

? Ja, das kann so richtig Spaß machen. Wäre da nicht hin und wieder richtig dicke Luft unter den großen Sonnenschirmen, die – geschickt überlappend aneinander gereiht – wie ein Dach für Behaglichkeit sorgen. Allerdings so auch den stinkenden Qualm der Raucher wie eine Dunstglocke über den Tischen halten. Das kann bisweilen so schlimm sein, dass man selbst im Sommer lieber im rauchfreien Innenraum sitzt.

? Die Gastronomie – bislang leider nur die etwas gehobenere – hat aber dankenswerterweise reagiert: Hier darf auch im Außenbereich nicht an allen Tischen frei drauflos gepafft werden. Hier gibt's, ausreichend distanziert, das Rauchereck: mit hindernislosem Abzug des blauen Dunstes gen Himmel. Freie Bahn also für ungesunde Laster. Und frischere Luft für leidende Mitmenschen.

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Dienstag, 4. September 2018 von Dagmar Stuhrmann

Verzweifelte Gläsersuche

Der heiße Sommer bleibt nicht ohne Folgen: Die Natur schüttet ihr Füllhorn in Form einer reichen Zwetschgenernte aus. Die Bäume sind so voll, dass die Äste zu brechen drohen. Da hilft nur, sie von ihrer Last zu befreien und aus den Früchten Kuchen, Kompott und Marmelade zu machen. Ich hatte mich für Letzteres entschieden – sah mich bei der Umsetzung des Plans dann aber mit einem überraschenden Problem konfrontiert. Auf der Suche nach Schraubverschlussgläsern für meine Marmeladekochaktion wanderte ich von Geschäft zu Geschäft. Überall das gleiche frustrierende Bild: Dort, wo die Marmeladegläser stehen sollten, nichts als leere Regale. Im Fachgeschäft meines Vertrauens – wo ich tatsächlich noch ein paar Exemplare ergattern konnte – erfuhr ich, dass die Gläserproduzenten im Moment total hinterherhinken und vor allem die gängigste und gefragteste Gläsergröße nicht geliefert werden kann. Die Händler müssen deshalb ungläubig dreinblickenden Kunden erklären, warum sie keinen Gläsernachschub heranschaffen können. Eine kuriose Erfahrung in unserer Überflussgesellschaft, in der es doch ansonsten von allem immer mehr als genug gibt.

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Samstag, 1. September 2018 von Benno Schlagenhauf

Heimspiel in der Fremde

Am Sonntag treten die Fußballer der TSG Balingen gegen den amtierenden Meister der Südwest-Regionalliga an. Mit dem FC Saarbrücken kommt ein Klub, der bereits in der Bundesliga gespielt hat und dank treuen Fans auch zahlreiche Gästezuschauer mitbringt. Jedoch nicht nach Balingen. Denn das Heimspiel – sicherlich eines der Saison-Highlights für Aufsteiger Balingen – wurde wegen Sicherheitsbedenken von der Bizerba-Arena ins Stadion des SSV Reutlingen verlegt.

Darüber, ob die Einstufung als Hochsicherheitsspiel und die hohen Auflagen in diesem Fall gerechtfertigt sind, kann man streiten. Es macht für Saarbrückens Ultras sicherlich einen großen Unterschied, ob sie zu einem Spiel gegen einen langjährigen Rivalen oder gegen einen ihnen unbekannten Aufsteiger spielen. Aber sei's drum: Es ist halt so entschieden worden.

Bleibt zu hoffen, dass die Balinger neben den verpassten Einnahmen im eigenen Stadion und den Mehrkosten in Reutlingen nicht auch noch den Heimvorteil einbüßen müssen.

Denn wenn genug Balinger die Reise nach Reutlingen antreten und ihr Team unterstützen, hält vielleicht auch „auswärts“ im Stadion an der Kreuzeiche die beeindruckende Serie: Seit 18. März 2017 hat die TSG kein Heimspiel mehr verloren.

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