Freitag, 21. September 2018 von Holger Much

Das gibt fast einen Caprese

Gibt es eigentlich so etwas wie einen Pulitzerpreis für herausragende gärtnerische Glanzleistungen? Wenn ja, hätte meine Frau diese Auszeichnung mehr als verdient.

? Sie hegt und pflegt seit vielen Jahren drei Olivenbäumchen, die auch stets Jahr für Jahr tapfer austreiben und sogar ab und an kleine Blüten ausbilden. Man muss dazu sagen, dass die Bäumchen diese Leistung weder in den südlichen Gefilden von Balingen vollbringen, noch beispielsweise im relativ geschützten Talkessel von Ebingen, sondern auf den von eisigen Winden umbrausten Hochflächen des Tailfinger Wohngebietes Stiegel. Dort kann man in strengen Wintern von ferne eher Mammuts vorbeiziehen sehen als Olivenbäume züchten.

? Dennoch dürfen wir uns über eine kleine botanische Sensation freuen: Nach dem warmen Sommer hat eines der Bäumchen doch tatsächlich eine einzige, winzige Olive hervorgebracht. Wenn das so weitergeht, haben wir in zwanzig Jahren genug Früchte, um einen Caprese aufzupeppen.

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Donnerstag, 20. September 2018 von Jasmin Alber

Ehre, wem Ehre gebührt

Kennen Sie Lise Meitner, Katherine Johnson und Edith Wilson? Mir sagten diese Namen bis vor kurzem herzlich wenig. Eben bis zu jenem Tag, als ein Newsletter ins E-Mail-Postfach flatterte.Hier wurde über die neue Kampagne eines bekannten Textmarker-Herstellers berichtet. In dieser Werbung werden die drei Frauen gewürdigt, da sie Außerordentliches für die Menschheit geleistet haben – aber bislang ein Schattendasein fristeten. Die Botschaft der Werbekampagne: Hebe das Bemerkenswerte hervor. Und so wurden die Frauen in alten Schwarzweißaufnahmen von damals – womit wohl? – deutlich herausgestellt. Ein Infotext informiert die Leser über die herausragenden Leistungen der drei: Lise Meitner lieferte nicht nur als Erste den Versuchsaufbau, sondern auch die theoretische Erklärung für die Kernspaltung. Den Nobelpreis dafür bekam jedoch der Chemiker Otto Hahn (der Meitner in der Folge immerhin mehrfach für den Nobelpreis vorgeschlagen hatte). Die afroamerikanische Mathematikerin Katherine Johnson berechnete die Flugbahn für Apollo 11 – Ruhm und Ehre gab es aber für andere. Edith Wilson lenkte, nachdem ihr Gatte, der US-Präsident Woodrow Wilson, einen Schlaganfall erlitten hat, mehr oder weniger im Hintergrund Staatsangelegenheiten in durchaus turbulenten Zeiten. Neben dem vermutlich wichtigsten Aspekt der Anzeigen, nämlich den Absatz der Stifte zu steigern, leistet der Hersteller so noch einen, wie ich finde, sehr bedeutenden Beitrag: Eben diese Frauen ins Rampenlicht zu stellen – oder besser gesagt mit Textmarker-Neongelb auf den historischen Fotos gebührend hervorzuheben. Bitte mehr davon!

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Mittwoch, 19. September 2018 von Lydia Wania-Dreher

Ganz besondere Früchte

Äpfel wohin das Auge blickt. In diesem Jahr hängen die Obstbäume richtig voll. Auch in unserer Redaktion geht das nicht spurlos vorbei. Fast jeden Tag bringt ein anderer Kollege Äpfel aus seinem Garten mit und hat dazu auch gleich noch eine Geschichte zu erzählen, denn mit einer kleinen Anekdote isst es sich noch viel besser. So stammen die Früchte des einen Kollegen von einem gepfropften Baum. Daher weiß er die Sorte nicht, was unter den fachkundigen Apfelbaumbesitzern in der Redaktion gleich zu Mutmaßungen führt. Das könnte doch ein so und so sein oder vielleicht auch der oder der.

Ein andere Kollege weiß ganz genau, was er in seinen Garten gepflanzt hat: einen Fraas'schen Sommerkalvill. Quasi einen Ur-Balinger. Denn er ist nach Dekan Christoph Friedrich Fraas benannt. Dieser war nicht nur Geistlicher in der Eyachstadt, sondern auch ein begeisterter Obstzüchter. Durch Zufall entdeckte Dekan Fraas die robuste Sorte mit den süßen Früchten. Im September 1850 wurde dann Eduard Lucas auf seiner pomologischen Reise, die ihn auch durch Balingen führte, auf die schmackhafte Apfelsorte aufmerksam. Der königliche Garteninspektor beschrieb in einem Buch erstmals den sogenannten Fraas'schen Sommerkalvill. Schön, dass es heute noch einige Bäume dieser alten Balinger Sorte gibt und wir auch heute noch die Früchte des Dekans genießen können.

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Dienstag, 18. September 2018 von Daniel Seeburger

Wer ist hier der Boss?

Die Organisation einer Hauswirtschaft plus Garten bedarf einer genauen Planung. Meine Frau und ich haben uns das aufgeteilt. Sie plant und verwaltet die hauswirtschaftliche Seite, also Einkauf, Putzen, Waschen, Bügeln – ich die technische, Belange, also Reparaturen, Instandhaltung, Rasenmähen, Hühnerversorgung. Wobei wir uns natürlich in allen Belangen gegenseitig zur Hand gehen. Soll heißen, ich putze auch die Wohnung und sie reinigt den Hühnerstall und ist auch sonst technisch sehr versiert. Beim Einbau unserer neuen Spülmaschine beispielsweise kam ich an meine Grenzen. Meine Frau regelte das dann problemlos und installierte sogar den Aquastopp. Als wir neulich aus dem Urlaub zurück gekommen sind, standen natürlich die hauswirtschaftlichen Arbeiten im Vordergrund und meine Frau spannte mich dementsprechend mit ein. Da hieß es dann mal einen Tag lang: „Könntest Du vielleicht die Wäsche aufhängen“, „Räume bitte die gebügelten Kindersachen in den Schrank“ oder „Du solltest noch Sprudel und Apfelsaft besorgen“. So schafften wir die Arbeiten, die nach zwei Wochen Urlaub angefallen waren, mit vereinten Kräften an einem Tag. Meine beiden Kinder hatten noch Schulferien und wurden Zeuge des gemeinsamen Werkelns. Abends dann, als wir vom Einkauf zurückkamen und unseren Kühlschrank wieder auffüllten, fragte der Achtjährige meine Frau, die neben mir am Kühlfach stand: „Du Mama, kann Papa nachher mit mir Fußball spielen oder was hat er sonst noch vor?“ Die Jungs schüttelten verständnislos die Köpfe, als wir in lautes Gelächter ausbrachen.

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Samstag, 15. September 2018 von Thomas Godawa

Wohin mit dem Auto?

Fast überall in England gibt es ein Problem mit dem Parkplatz für das Auto. Das mussten meine Frau und ich beim Urlaubsaufenthalt feststellen.

Nun, die Städte wurden gebaut, als es noch keine Autos gab. Jetzt gibt es sie und sie müssen untergebracht werden, wenn ich als Besucher komme. Natürlich wird die Park- and-Ride-Methode angeboten, weit außerhalb des Zielobjektes. In den Städten und Dörfern selbst gibt es auch Parkplätze, aber eben nur gegen Gebühr. Entweder ist diese über Karte an entsprechenden Automaten zu entrichten (wenn er denn funktioniert) oder es sind Münzen gefragt. Auch die Briten sind als Touristen im eigenen Land von dieser Vorgehensweise betroffen und finden das, nach eigenem Bekunden, ganz schön lästig. Für Touristen wie uns ist es deshalb ratsam, immer genügend Ein-Pfund-Münzen dabei zu haben.

Wir haben das sehr wohl beherzigt, um die Frage, wohin mit dem Auto, positiv und erfolgreich beantworten zu können. Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. Englische Gemeinden, die sich in einem Bürgerbegehren gegen den Gebührenwahn wenden und ihre Stadt „sauber“ halten wollen.

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